Schitt’s Creek – Staffel 1: Arme Stadteigentümer

In der kanadischen Comedy-Serie „Schitts Creek“ befindet sich die ehemalige Millionärs-Familie Rose ziemlich mittellos inmitten der gleichnamigen hinterwäldlerischen Kleinstadt. Die Sitcom funktioniert nach klassischem „Fisch auf dem Trockenen“-Manier, wobei die Familie Rose wahrscheinlich froh wären, wenn sie nicht in Schitts Bach säßen. Edel Motion bringt die hochgelobte Serie, die 2020 bei den Primetime Emmys rekordmäßig alle Preise einheimste, nun auf DVD für das klassische Home-Entertainment auf den Markt. Willkommen in „Schitt’s Creek“.

Mit einer Videothekenkette hatte Johnny Rose (Eugene Levy) Millionen verdient und seiner Frau Moira (Catherine O’Hara) und den beiden, inzwischen erwachsenen, Kindern Alexis (Annie Murphy) und David (Daniel Levy) einen sorgenfreien Lebensstil in Saus und Braus ermöglicht. Bis die Steuerbehörde alles einkassiert, weil der Geschäftsführer, der sich vom Acker gemacht hat, massiv Steuern hinterzogen hat.

Außer einigen persönlichen Dingen bleibt den Roses noch eine Stadt, die Johnny seinem Sohn mal aus Jux und Dollerei gekauft hat. Hier kann die Familie wenigstens in einem heruntergewirtschafteten Motel unterkommen bis sie wieder auf die Beine kommt. Doch Schitt’s Creeks Bürgermeister Roland Schitt (Chris Elliot) merkt gleich, dass die Schnösel ihn nicht respektieren. Auch die Rezeptionsdame des Motels Stevie Budd (Emily Hampshire) legt den neuen Gästen gegenüber eine ziemliche Ignoranz an den Tag.

Die verwöhnten reichen Großstädter haben so ihre Probleme sich in der verschnarchten Kleinstadt einzuleben. Doch langsam freundet sich David mit Stevie an, deren Humor er bisweilen sogar witzig findet, und Alexis ist auf der Suche nach datebarem Kerlematerial. Zum Glück muss sie Sozialstunden ableisten und trifft dabei den knackigen aber wortkargen Mudd (Tim Rozon, „Wynona Earp“), der in einer Scheune lebt und zufällig der Sohn des Bürgermeisters ist.

Die Kids sind also beschäftigt, während Johnny immer auf der Suche nach einer Geschäftsidee ist und mehr oder minder verzweifelt versucht, die Stadt wieder zu verkaufen. Aber Roland, immerhin in vierter Generation Bürgermeister von Schitt’s Creek ist da nicht so zuversichtlich. Immerhin hat es ihn 20 Jahre gekostet, die Stadt an so einen neureichen Trottel zu verkaufen und so viele Interessenten gibt es nun auch wieder nicht.

Wie das auf dem Land so ist, fast jeder kennt jeden, Neuigkeiten machen schnell die Runde und die Ehefrauen haben ihre eigene Sachen am Laufen. So wird Moira, die ja als ehemaliger Star einer Soap–Opera, Schauspielerfahrung hat, zunächst von Bürgermeistergattin und Lehrerin Jocelyn (Jennifer Robertson) als Coach für die Schulaufführung eingebunden und später als Werbeikone für den regionalen Fruchtwein von Herb Ertlinger gebucht. Das könnte ein Comeback sein.

Die englische beziehungsweise amerikanische Redewendung „To Be in Shit‘s Creek“ heißt soviel wie knietief in der Scheiße stecken. Als Name für eine Kleinstadt, die auch noch alle Neuankömmlinge mit einem sehr eigenwilligen Willkommens-Schild begrüßt, ist das schon arg plakativ und lässt ein unterirdisch fäkales Humor-Niveau befürchten. In der Tat die erste Folge auch recht platt ausgefallen, aber es braucht ein bisschen, um die Charaktere und die Ausgangssituation dieser Sitcom aufzubauen. Da nimmt Schitt’s Creek plakative Abkürzungen.

Kurzweilig und turbulent sind die gerade mal 22minütigen Folgen ohnehin und so hat man es sich als Zuschauer:in ohne es zu merken in Schitt’s Creek eingelebt. Es gibt ein paar Running-Gags und gerade in der ersten Staffel gibt es noch haufenweise Humorpotential. Beispielsweise den Gang zum Arbeitsamt oder den obligatorischen Besuch hämischer Verwandter. Außerdem lässt sich immer ausloten wo bei den Stadtfesten die Schmerzgrenze in Sachen Alkohol, Drogen und Entgleisungen liegt.

Hierzulande wird die Serie seit 2018 bei TVNow angeboten. In den USA war 2020 nach sechs Staffeln Kleinstadt-Chaos Schluss. Vielleicht ähnelt „Schitt’s Creek“ „Ausgerechnet Alaska“ (OT: „Northern Exposure“) ein wenig in Anlage und Ausformulierung kultureller Unterschiede zwischen Großstadtsnobs und Kleinstadt-Proleten, hat dabei aber eine eigene, bisweilen derbe, „Shameless“-Humornote, ohne die Familientauglichkeit vollends am Rezeptionstresen abzugeben.

„Schitt’s Creek“ ist etwa ab der fünften Folge schon richtig lustig und macht auch in der deutschen Synchro viel Spaß. Wer es sich aber zutraut, sollte die Serie ob ihres bissigen Wortwitzes ruhig mal im englischen Original ausprobieren. Da sind noch mehr Kanten zu entdecken. Ein bisschen verwundert es aber doch, dass „Schitt’s Creek“ so dermaßen mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft wurde. Dieses Kritikerlob fußt allerdings im Wesentlichen auf den späteren Staffeln der inzwischen abgeschlossenen Serie. In der vorliegenden ersten Saison sitzt noch nicht jeder Joke, noch nicht jede Pointe klickt und nicht alle Figuren entfalten ihr Potential.

Der Brennpunkt der Serie liegt logischerweise noch stark auf der Millionärsfamilie, die sich in den Enge der benachbarten Motelzimmer erst einmal als Familie neuerfinden müssen. Dabei kommt die Idee von Daniel und Eugene Levy, die auch im wahren Leben Sohn und Vater sind und die Show zusammen produzieren. Eugene Levy („American Pie“) ist auf seine Art eine Institution in Sachen Comedy und mit Catherine O’Hara verbindet ihn eine lange gemeinsame Karriere. Die beiden spielten bereits mehrfach schrullige Ehepaare und auch in „Schitt’s Creek“ ist die Beziehung zwischen Moira und Johnny Rose eine Garantie für großartige Szenen. Nicht, dass der Rest schlecht wäre, aber die Paardynamik ist schon furios.

Willkommen in „Schitt’s Creek“, die Stadt, wo jeder reinpasst. Wer seine Comedy-Serie direkt und kauzig mag, der ist hier genau richtig. Die Erste Staffel der hochgelobten Serie braucht etwas, um warmzulaufen und deutet eine erfolgreiche Stadtentwicklung an. Auf die Zukunft – und billige Motels.

Serien-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Schitt’s Creek – Staffel 1
OT: Schitt’s Creek Season 1
Genre: TV-Serie, Komödie, Sitcom
Länge: 273 Minuten (13 X ca. 22) + 50 min. Bonus, CDN, 2015
Idee: Daniel Levi, Eugene Levy
Regie: Jerry Ciccoritti, Paul Fox
Darsteller:innen: Catherine O’Hara, Eugene Levy, Annie Murphy, Daniel Levy
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: ITV, Edel Motion
VoD: 02.04.2021
DVD-VÖ: 16.04.2021

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