Krabat: Nur ein guter Film

Märchenverfilmungen liegen nicht erst seit gestern im Trend. Immer wieder kommen opulente fantastische Geschichten in die Kinos oder ins Fernsehen. 2008 wurde Ottfried Preußlers düsterer Mär von einem Zaubergesellen verfilmt. Aus dem Archiv hervorgekramt eine Vorstellung von „Krabat“: Mit langjähriger Vorbereitungszeit, viel Aufwand und deutschen Stars hat Regisseur Marko Kreuzpaintner den Jugendbuchklassiker „Krabat“ von Ottfried Preußler stilecht auf die Leinwand gebracht. Doch genau da, wo es wehtut, bleibt der Film im Mainstream verhaftet.

Selbstverständlich ist die Geschichte des Waisenjungen Krabat (David Kross) düster geworden. Der obdachlose Jung findet im 30jährigen Krieg in einer Mühle Unterschlupf und Anstellung, doch der Müller ist auch ein Magier, der seine Gesellen in die Schwarze Magie einführt. Krabat nimmt auch diese Ausbildung an, ohne zu ahnen, welchen Preis er dafür zahlen muss. Nur der Altgeselle Tonda (Daniel Brühl) versucht den neuen Adepten zu warnen, da aber hat der Müller (Christian Redl) seine Macht schon entfaltet.

Erst als Krabat sich in das namenlose Mädchen (Paula Kahlenberg) aus dem Nachbardorf Schwarzkolm verliebt, das er Kantorka (Vorsängerin) nennt, beginnt er einen Ausweg aus der Mühle zu suchen. Krabat ist auf Hilfe angewiesen, denn der Einfluss des Meisters ist enorm.

„Krabat“ ist ein guter, unterhaltsamer Film geworden, der auch alle wesentlichen Elemente des Buches aufnimmt und in ansprechender Weise auf die Leinwand transportiert. Man hat keine Kosten und Mühen gescheut und den Film im den abgelegenen rumänischen Karpaten gedreht. Selbst die Mühle wurde authentisch nachgebaut, und die Creme der damaligen deutschen Jungschauspieler gibt sich die Klinke in die Hand.

Der Erfolgsdruck ist entsprechend hoch ausgefallen und so verwundert es nicht, dass „Krabat“ bei aller vorhandenen Düsternis auch recht kommerziell ausgefallen ist, so wie einige Jahre später die Verfilmung Hoffmanns Märchen „Das kalte Herz“ (2016). Massentauglichkeit ist legitim, schließlich sollte dieser großartige Roman, der auf einer alten Legende beruht, auch einem großen Publikum zugänglich gemacht werden. Doch genau diese Ausrichtung auf ein breites Publikum verhindert, dass „Krabat“ große Kinomomente auf die Leinwand zaubert.

Nach dem Film stellte sich weder eine Begeisterung ein, noch eine Faszination, wie sie on der Buchvorlage ausging. Das zu benennen und zu fassen, braucht einen gewissen Abstand – und die Special Edition der DVD. Das Bonusmaterial umfasst eine Unmenge an nicht verwendeten und erweiterten Szenen. Das allein zeugt häufig davon, dass sich die Filmschaffenden nicht entscheiden konnten und keine klare Vision der Umsetzung ihres Stoffes hatten.

Man kann Regisseur Kreuzpaintner absolut nicht vorwerfen, er wüsste nicht worum es gehe, ebenso wenig den überzeugend spielenden Darstellern, doch es sind die Details die den Unterschied machen zwischen einen konstruierten Erfolg und einem wunderbaren Film, der „Krabat“ durchaus hätte werden können. 1978 gab es bereits einen tschechischen Zeichentrickfilm des Buches, der aber selten gezeigt wurde, sofern er überhaupt in der damaligen Bundesrepublik gelaufen ist.

So bleibt der Film trotz aller Düsternis genau dann etwas schuldig, wenn es darauf ankommt: Die Furcht und die Bedrohung bleiben, anders als im Buch, oberflächlich. Die Jugendbuchvorlage wirkt mit einfachen erzählerischen Mitteln wesentlich finsterer und magischer. Auch das Verhältnis der Figuren untereinander bleibt an der Oberfläche, dabei wäre die ein oder andere nicht verwendete Szene durchaus geeignet, dem Treiben eine andere Tiefe zu verleihen. Etwa die schlichte Sequenz in der Krabat die Mehlkammer ausfegen muss. Durchaus eine Schlüsselszene, denn sie zeigt nicht nur die unnütze Plackerei, sondern auch das Wirken der Magie und Tondas geheime Unterstützung für den neuen Lehrling.

Auch das Verhältnis zwischen bösem Meister und neuem Schüler ist so simpel nicht, wie in dem Film dargestellt. Krabat ist sehr wohl gelehrig und wird vom Meister schnell als potentieller Nachfolger angesehen. Der neue Musterschüler weiß auch darum, und so liegt in Krabats Freiheitsstreben auch ein Verrat gegenüber seinem Lehrer, ein pubertäres Emanzipieren, das der Film völlig außer acht lässt. Gerade das Ungewisse, Zwielichtige, das Rituelle und Urtümliche das die tiefe Faszination des Buches ausmacht, wird in der Leinwandvariante der Breitenwirkung geopfert. Mehr Mut zur Finsternis hätte nicht geschadet. Auch ein junges Zielpublikum kann und will gefordert werden.

Alles in Allem ist „Krabat“ durchaus sehenswert, und kann mit stimmigen Bildern und gelungenen Effekten auftrumpfen, doch die Geschichte ist zu glatt poliert und bleibt nicht selten hinter den Möglichkeiten zurück. Aber vielleicht war mein erster Leseeindruck als junger Mensch einfach zu wuchti8g und zu eindrücklich.

Film-Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Krabat
OT: Krabat
Genre: Fantasy, Märchen, Jugendfilm
Länge: 120 Minuten, D, 2008
Regie: Marco Kreutzpaintner
Darsteller: David Kross, Paula Kahlenberg, Daniel Brühl, Christian Redl
Vorlage: „Krabat“ von Ottfried Preußler
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: 20th Century Fox
Kinostart: 09.10.2008
DVD-VÖ: 23.10.2009

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