Sumé – The Sound of a Revolution: Kalaalivunga!

SUME_10_AMP-vorschauHeutzutage mag es nicht mehr seltsam anmuten, dass eine Musikgruppe in ihrer Muttersprache singt. Aber das war in Sachen Rockmusik lange anders. Und als zu die grönländische Band Sumé 1973 ihr Album „Sumut“ in Grönländisch aufnahm, war das ebenso ein politisches Statement wie das Cover der LP, das einen Holzschnitt zeigt, auf dem ein Inuit eine Nordmann tötet. Auf Grönland hat die Rockgruppe maßgeblich zur modernen Identitätsfindung der Menschen auf der größten Insel der Welt beigetragen. Die Musik ist dabei auch heute noch hörenswert.

Seit der christlichen Missionierung im frühen 18. Jahrhundert hat Dänemark – beziehungsweise zunächst Norwegen und Dänemark – die Geschicke der riesigen aber bevölkerungsarmen Insel gelenkt, die geographisch gesehen eigentlich zum arktischen Nordamerika gehört. Bis 1953 und bis zum Inkrafttreten des dänischen Grundgesetzes galt Grönland offiziell als dänische Kolonie. Noch in den 1970er Jahren musste jeder junge Grönländer für eine Berufsausbildung nach Dänemark reisen.

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Dort, genauer in Kopenhagen, haben sich Sumé seinerzeit auch gegründet. Die grönländischen Studenten um das kreative Duo Per Berthelsen und Malik Høegh, der für die Texte zuständig war, fühlten sich ihrer indigenen Kultur entfremdet und begannen das in den Songs auszudrücken. Auch soziale Probleme der Grönlander und die politische Selbstbestimmung wurden zu Themen, die sich in der Musik Sümés widerspiegelten. So auch in dem im Titel angeführten „Kalaalivunga”, was so viel heißt wie “Ich bin ein Grönländer“.

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Und alle Grönländer, die in der Doku „Sumé – The Sound of a Revolution“ zu Wort kommen, sind sich einig, dass die Band maßgeblich dazu beigetragen hat, die kulturelle Identität der Inuit zu stärken und auch die Politik in Richtung einer Autonomie von Dänemark zu beeinflussen. 1979 besuchte Königin Margarete schließlich die arktische Insel und verkündete die Selbstverwaltung der Insel mit eigenem Parlament. Aber fragt man Malik Høegh, so hat sich seither eigentlich kaum etwas geändert.

Man kann den musikalischen Dokumentarfilm von Filmmacher Inuk Silis Høegh, dessen Verwandtschaft mit dem Mastermind von Sumé sich von mir nicht klären ließ, also sowohl als Musikfilm, als Zeitdokument oder als politisches Statement sehen, das immer noch seine Relevanz besitzt.

Rein filmisch hat Inuk Silis Høegh neben aktuellen Zeitzeugenberichten etliches an Archivmaterial der Band ausgegraben, die von 1973 bis 1975 drei Alben aufnahm. Das Super-8 Material stammt aus privaten Quellen, die Auftritte großteils aus dem Archiv des Dänischen Fernsehens. Herausgekommen ist so eine zwar etwas nostalgische, aber durchaus sehenswerte Doku. Die Filme aus den 1970ern werden jeweils mit den Songs der Band unterlegt und die Texte entsprechend übersetzt, so entsteht fast der Eindruck, es handele sich um Musikvideos aus den 1970ern.

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Verglichen mit dem, was in den USA und in Europa an Rockmusik in der ersten Hälfte der 70er so abging, mag der melodische, progressive Rock von Sumé zunächst etwas harmlos klingen, aber je intensiver man sich mit der Musik beschäftigt, desto klarer kommt die zeitlose Qualität zur Geltung. Leider scheinen die Tonträger der Band derzeit nicht verfügbar zu sein, aber wer ein wenig sucht, wird Höreindrücke finden. Dabei hatten es Sumé nie darauf angelegt, eine professionelle Bandkarriere zu starten, sondern suchten nur nach einem Ausdrucksmittel. Konsequenter Weise lehnten es die Grönländer dann auch ab, die Stars von Procol Harum auf einer Tour als Support zu begleiten. Die Musiker wollten lieber ihr Studium zu Ende bringen.

Die Doku „Sumé“ –The Sound of a Revolution“ ist deutlich mehr als nur ein Portrait einer außerhalb der Heimat kaum bekannten Band. In ebenso interessanter wie gelungener Film.

Movie Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

SUME_plakatSumé – The Sound of a Revolution
OT: Sume – Mumisitsinerup Nipaa
Genre: Musik, Doku,
Länge73 Minuten, : DK / N  2014
Regie: Inuk Silis Høegh
Mitwirkende: Per Berthelsen, Malik Høegh, ,Hans Fleischer,  Emil Larsen,
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Verleih: Mindjazz Pictures
Kinostart: 21.01.2016

Bandgeschichte in der Wikipedia

 

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