Die Schriftstellerin Jane Austen scheint ein Werk hinterlassen zu haben, das sich stetiger Beliebtheit erfreut. In regelmäßigen Abständen kommen neue Adaptionen und Verfilmungen ins Fernsehen und in die Kinos. Die meisten der Verfilmungen sind auf ihre eigene Weise sehenswert, so auch „Sinn und Sinnlichkeit“, das aktuell von Filmemacherin Georgia Oakley mit Daisy Edgar-Jones, George Mackay und Esmé Creed-Miles verfilmt wurde und am 15. Oktober in die Kinos kommt.
Als der Hausherr Dashwood verstirbt, hinterlässt er eine Witwe und drei Töchter. Und nicht nur das, das Gut Norland Park wird an den Sohn aus erster Ehe vererbt. Was Mrs. Dashwood (Caitríona Balfe) und ihre Töchter Elinor (Daisy Edgar-Jones), Marianne (Esmé Creed-Miles) und Margaret (Bodhi Rae Breathnach) dazu zwingt, das Anwesen zu verlassen. John Dashwood (Tom Brooke) und Gemahlin Fanny (Stacy Martin) können es kaum erwarten, die Vorbesitzer aus dem Haus zu haben. Insbesondere Fanny missgönnt der Witwe die kleine Apanage, die ihr Gatte zu zahlen bereit ist.
Während das Mädchen Margaret es nicht eilig hat, erwachsen zu werden und schon genau weiß, dass sie später keinen Mann braucht, geht es für Elinor und Marianne darum, möglichst gute Partien zu ergattern. Aber ein bisschen Gefühl soll in der Ehe schon auch dabei sein. Die Familie zieht in ein kleines Cottage, das von der hilfsbereiten Familie Jennings kostengünstig bereitgestellt wird.
Gerade Elinor verlässt Norland Park ungern, da sie dort Fannys Bruder Edward Ferrars kennengelernt hat, der einen charmanten, aber überaus schüchternen Eindruck macht. In der neuen Umgebung verfällt Marianne schnell dem lebensbejahenden Charme von Mister Willoughby, der die junge Frau vor den Gefahren der Natur zu retten weiß. Doch dann reist Willoughby ab und die Lebenslust der jungen Frauen verfliegt. Da kann auch der wortkarge, honorable, aber finster dreinblickende Nachbar der Jennings, Colonel Brandon (Herbert Nordrum), nicht viel ändern.
Die Mädchen müssen verheiratet werden.
Als die junge Jane Austen ihre Romane (1775–1817) verfasste, hatten junge Frauen vom Leben nicht eben viel zu erwarten. Wenn es gut lief, kam bei den nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arrangierten Eheschließungen noch die Möglichkeit hinzu, mit dem Gatten zumindest auskömmlich leben zu können. Romantische Gefühle oder gar Zuneigung waren nebensächlich (außer für die Verheirateten) und ein oft wiederholter Trost lag in der Lebensweisheit, Frau würde den Gatten schon noch lieben lernen.
Der Frauenhaushalt der Dashwoods war zu jener Zeit vielleicht nichts Ungewöhnliches, er spiegelt aber im turbulenten Mikrokosmos aufkommenden Erwachsenwerdens das gesamte Zeiten- und Sittenporträt der damaligen Zeit. Dass sich diese wenigen Erzählungen über die Jahrhunderte so populär gehalten haben, mag, abgesehen vom Stil der Autorin Austen, vor allem an zwei Aspekten liegen. Zum einen ist der Reigen an Figuren und emotionalen Zuständen schon sehr lebendig und sehr flott dargestellt, zum anderen sind die Frauenfiguren durchaus von emanzipatorischen Gedanken inspiriert. Das lässt sich in allen Zeiten gut vermitteln und ist ebenso unterhaltsam wie lehrreich.
Wo bleibt denn da das Gefühl?
„Sinn und Sinnlichkeit“, im Original „Sense and Sensibility“, wurde auch schon mal mit „Verstand und Gefühl“ ins Deutsche übertragen und wurde wie all die wenigen Werke von Jane Austen mehrfach adaptiert. Am bekanntesten vielleicht in der Verfilmung von Ang Lee aus dem Jahr 1995, für die die Hauptdarstellerin Emma Thompson auch einen Drehbuch-Oscar gewinnen konnte.
Nun also nimmt sich Georgia Oakley des ikonischen Klassikers an, nachdem sie in ihrem Spielfilmdebüt „Blue Jean“ (2022) eine lesbische Lehrerin durch das konservative Thatcher-England begleitet hat. Die Besetzung in „Sinn und Sinnlichkeit“ kann sich durchaus sehen lassen und weiß mit Lebenslust und Leinwandpräsenz zu überzeugen, allen voran Daisy Edgar-Jones („Der Gesang der Flusskrebse“) als Elinor.
Auffällig ist weiterhin der extrem düstere Look der Interieurs. Hier wird viel im Schatten agiert, in schlecht ausgeleuchteten, fast schon muffigen Räumen, die jedes Geräusch stoffbeschwert zu schlucken scheinen und in denen die natürliche Lebendigkeit der Dashwoods zu mickern beginnt wie eine Kerze, der der Sauerstoff entzogen wird. Diese Düsternis mag das Publikum nun nicht überinterpretieren, sie ist einfach präsent und scheint die damalige Zeit für diesen Verfilmungsansatz trefflich zu charakterisieren. Darüber hinaus gibt es wie immer hinreißende Dialoge und tolle Kostüme. Was kann ein Publikum mehr wollen von einer Jane-Austen-Verfilmung?
7 von 10 Punkten
Sinn und Sinnlichkeit
OT: Sense and Sensibility
Genre: Romanze, Drama
Länge: 131 Minuten, UK/USA, 2026
Regie: Georgia Oakley
Vorlage: Gleichnamiger Roman von Jane Austen
Schauspiel: Daisy Edgar-Jones, George MacKay, Esmé Creed-Miles
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Universal Pictures International
Kinostart: 15.10.2026




