Pressure: Der Druck nimmt zu

So eine Großoffensive will geplant und koordiniert werden: Während die Alliierten im Zweiten Weltkrieg den D-Day planen, wird die Wettervorhersage immer wichtiger. Eisenhower soll später einmal gesagt haben, dass man den Krieg gewonnen hätte, weil man bessere Meteorologen hatte als die Deutschen. Zu sehen im Kino ab dem 17. September mit Andrew Scott und Brendan Fraser.

Im Mai 1944 plant der Generalstab der alliierten Streitkräfte eine Invasion Europas an der französischen Atlantikküste. Das, was später hierzulande D-Day genannt wird, ist eine enorme logistische Anstrengung. Und bei der Generalprobe, dem Manöver „Tiger“, gab es haufenweise Todesfälle. Nun will der Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhower alles minutiös planen. Dafür steht ihm auch ein ganzer Stab an Meteorologen zur Verfügung.

Ungeachtet dessen schickt der britische Premierminister Winston Churchill seinen Chef-Meteorologen zur Unterstützung in das Hauptquartier. Doch James Stagg (Andrew Scott) verbrüdert sich keineswegs mit dem amerikanischen Kollegen, sondern pocht auf ein eigenes Büro, agiert autoritär und ruft erst einmal seine schwangere Frau an.

Das sorgt für die erste Zurechtweisung durch Eisenhower, denn es herrscht strenge Nachrichtensperre, damit die Deutschen nichts von der „Operation Overlord“ mitbekommen. Das Zeitfenster für die Invasion ist festgelegt und Eisenhower will von den Wetterleuten das Go für die Offensive. Doch da werden sich die Experten nicht einig.

Sonnenschein oder Regen entscheiden über Menschenleben

Während die Amerikaner um den Wetterexperten Irving Krick (Chris Messina) vor allem historische Wetterdaten desselben Tages zu Rate ziehen, besteht Stagg auf aktuellen Wetterdaten. Und zwar haufenweise. Seiner Ansicht nach ist das Wettergeschehen in Europa zu dynamisch und zu wechselhaft für den amerikanischen Ansatz. Die unterschiedlichen Vorhersagen gehen Eisenhower auf den Geist und drohen die ganze Operation zu gefährden.

Stagg versteift sich darauf, für den geplanten D-Day Sturm und Regen anzusagen, und rät, das Ganze um zwei Wochen zu verschieben. Angesichts des Aufwands und der Geheimhaltung eine Unmöglichkeit.

Noch heute ärgern sich Menschen über unzuverlässige Wettervorhersagen. Dabei müssen etliche Aspekte des Klimas und der Umgebung berücksichtigt werden. Letztlich ist der Luftdruck der alles entscheidende Wetterwert – und der ist abhängig von Temperatur und Höhe. Tiefdruckgebiete sorgen für schlechtes Wetter, Hochdruck für gutes Wetter. Beim Druckausgleich zwischen Tief- und Hochdruckgebieten entsteht Wind.

„Pressure“ basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von David Haig, das frei nach wahren Begebenheiten von den Tagen und Stunden vor dem D-Day erzählt. In Großbritannien war das Stück sehr beliebt und wurde in Teilen auch zur offiziellen Feier des 75. Jahrestags der Invasion aufgeführt. Nun also ist daraus ein Film geworden, der sich sehen lassen kann.

Alles wartet auf den Wettermann

Das liegt vor allem an der großartigen Besetzung und dem Konflikt zwischen Eisenhower und Stagg. Brendan Fraser glänzt mit charismatischer Präsenz und Andrew Scott wirkt nerdig und verbissen, wie es für die Rolle notwendig erscheint, und dabei so distinguiert britisch, dass aus der Wettervorhersage schon ein kleiner Kulturkampf zwischen England und den USA herauszulesen ist.

Hinzu kommt, dass es Regisseur Anthony Maras und seinem Team gelungen ist, den Zeitgeist und die Dringlichkeit vor dem historischen Hintergrund zum Leben zu erwecken. Sowohl Setting als auch Kostüme gehen weit über jede Theaterhaftigkeit hinaus und das psychologische Drama im Generalstab nimmt seinen Lauf.

Filme über den Zweiten Weltkrieg und damit verbundene Themen scheinen immer Konjunktur zu haben. Allein in diesem Jahr sind mit „Pressure“ und „Nürnberg“ zwei starbesetzte Großproduktionen in den Kinos angelaufen. Während „Nürnberg“ vor allem eine andere Perspektive auf die Kriegsverbrecher-Prozesse aufbietet, gelingt „Pressure“ ein Blick hinter die Kulissen von Kriegsentscheidungen.

Letztlich erzählt „Pressure“ auch vom Glauben an die eigenen Fähigkeiten, wenn sich ein Meteorologe dem Entscheidungsdruck des Generalstabs widersetzt, das Go für die „Operation Overlord“ zu geben. Das ist schon sehenswert ausgefallen.

7 von 10

Pressure
OT: Pressure
Genre: Drama
Länge: 100 Minuten, UK / UA, 2026
Regie: Antony Maras
Vorlage: Gleichnamiges Theaterstück von David Haig
Schauspiel: Andrew Scott, Chris Messina, Kerry Condon, Brendan Fraser
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: DCM
Kinostart: 17.09.2026

Schreibe einen Kommentar