Auch im #Somerkino26 kann ein Urlaub auch schon einmal katastrophal werden. Ein enormes Erdbeben im indischen Ozean schickte im Dezember 2004 eine verheerende Tsunami-Welle an die Küsten der Anrainerstaaten. Das atemraubende Drama „The Impossible“ (2012) erzählt vom wahren Schicksal einer Familie, die eigentlich nur entspannt die Weihnachtszeit in Thailand verbringen wollte. Nichts für schwache Nerven, aber ein intensiver Katastrophenfilm.
Mit klaustrophobischer Eindringlichkeit und massiver Wucht, wie das bis dato im Film selten zu sehen war, schwappt die Filmwelle in „The Impossible“ auf die völlig unvorbereiteten Menschen und beinahe auch in den Kinosaal. Es ist am Rande des Unerträglichen und zugleich großes Kino wie Regisseur Juan Antonio Bayona den Tsunami und die unentrinnbare Naturgewalt inszeniert. Auch in der Folge bleibt der Überlebenskampf, der hauptsächlich der schwer verletzten Familienmutter und ihrem ältesten Sohn begleitet, über weite Strecken an der Schwelle dessen, was der Zuschauer auf der Leinwand sehen will.
Angesichts der Naturkatastrophe die in der Realität weit mehr als 230 000 Opfer forderte, eine angemessene Darstellung der Urgewalt. Die weitaus meisten Opfer gab es allerdings in dem Inselstaat Sri Lanka, doch die thailändischen Urlaubstressorts wurden von der westlichen Welt in der Medienberichterstattung deutlich intensiver wahrgenommen. In „The Impossible“ steht bei aller effektvollen Inszenierung aber vor allem das menschliche Drama im Vordergrund. Dieses folgt, auch wenn es eine wahre Geschichte erzählt, einer bekannten und hochemotionalen Überlebensdramaturgie. Wer keine Inhaltlichen Spoiler möchte sollte sich mit dieser Einschätzung zufrieden geben. Denn nun geht’s auch um die Geschichte.
Weihnachtsferien in Thailand
Maria und Henry Bennett wollen in Thailand eigentlich nur einen geruhsamen Familienurlaub verbringen. Mit ihren drei Söhnen genießen sie den Luxus des Ferienresorts. Doch völlig überraschend rast eine riesige Flutwelle auf die Küste zu und zerstört alles. Während Maria (Naomi Watts) schwer verwundet aus den Fluten auftaucht und immer wieder von der Strömung fortgerissen wird, findet sie zufällig ihren ältesten Sohn Lucas (Tom Holland) der sich verzweifelt an Treibgut klammert.
Nachdem sie sich vorläufig in Sicherheit gebracht haben, werden sie von Einheimischen in ein überlaufenes Krankenhaus gebracht. Henry (Ewan McGregor) ist es gelungen die jüngeren Söhne, Simon (Oakley Pendergast) und Thomas (Samuel Joslin), nicht zu verlieren, doch inmitten der hektischen und desaströsen Zustände ist es für die Familie schier unmöglich, etwas über das Schicksal der anderen Familienmitglieder zu erfahren.
Die Flutwelle und der Überlebenskampf
Selten war ein Happy End so angebracht, und auch willkommen, wie in „The Impossible“, denn angesichts der Zerstörung, des Elends und der unzähligen Toten braucht es ein emotionales Gegengewicht, um diese Katastrophe zu überstehen. Wäre die Familiengeschichte der Bennets ausgedacht, man hätte es den Drehbuchautoren wohl vorgeworfen, dass tatsächlich alle fünf Familienmitglieder überleben und sich auch noch in den Wirren wiederfinden. Nach der unmöglichen Welle die zweite Unmöglichkeit, auf die sich der Filmtitel bezieht.
Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona verfilmt jedoch die Geschichte der spanischen Familie Bélon, die von Mutter Mária als Buch aufgeschrieben wurde. Das Drehbuch besorgte wie schon bei Bayonas Mystery-Thriller „Das Waisenhaus“ (2007) Sergio G. Sanchéz. Vielleicht liegt in der Thrillerschulung das Geheimnis, warum „The Impossible“ so eindrucksvolle und unmittelbare Wirkung erzielt. Dabei kann man nicht einmal sagen, die Filmschaffenden hätten besonders auf die Effekttube gedrückt – sie sind nur einfach konsequent gewesen und haben es verstanden die Panik und die Hilflosigkeit während der Tsunami-Katastrophe in Bilder zu übertragen, die sich im Kopf festsetzen.
Die internationale Besetzung mit Naomi Watts und Ewan McGregor tut dann ein Übriges um das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Aber auch die Kinder, für die der Dreh sicherlich keine leichte Sache war, wissen darstellerisch zu überzeugen.
Bleibt abschließende die Frage, warum man sich das Katastrophendrama überhaupt antun sollte? Weil niemand nachvollziehen kann, welches Desaster das Erdbeben und die Flutwelle 2004 angerichtet haben und von dem sich die Region noch immer nicht ganz erholt hat. Es gelingt „The Impossible“ auf intensive gelegentlich drastische Weise diese verheerende Naturgewalt greifbar und das Mitgefühl für die Opfer von der Floskel zu einer wirklichen Empfindung zu machen.
7 von 10
The Impossible
OT: Lo Imposible
Genre: Drama, Katastrophenfilm
Länge: 114 Minuten, USA 7 E, 2012
Regie: J.A. Bayona
Schauspiel: Naomi Watts, TZom Holland, Ewan McGregor,
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Leonine (Concorde)
Kinostart: 31.01.2013
DVD- & BD-VÖ: 18.06.2013




