Reacher – Staffel 3: Fliegende Teppiche

Es geht immer wieder schnell, dass der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher in Ärger gerät. Doch in der 3. Staffel der TV-Serie hat sich Reacher auf einen Undercover-Einsatz eingelassen. Die populäre Serie nach Thriller-Romanen von Lee Child und mit Alan Ritchson in der Titelrolle geht im Streaming gerade in die 4. Runde. Für das Home-Entertainment veröffentlicht Paramount die 3. Staffel als DVD und Blu-ray ab dem 4. September 2026.

In einer Kleinstadt im Bundesstaat Maine will Reacher (Alan Ritchson) gerade alte Schallplatten verkaufen, als er Zeuge einer Entführung wird. Reacher eilt dem Opfer, einem jungen Mann, zur Hilfe. Dabei wird ein Polizist getötet und Reacher weiß nun nicht, wohin. Der junge Mann stellt sich als Sohn eines reichen Teppichhändlers heraus, der Reacher bestimmt helfen kann, unterzutauchen. Und so bringt der ehemalige Militärpolizist den Sohnemann Richard Beck (John Berchtold) auf das gut bewachte Anwesen von Zachary Beck (Anthony Michael Hall). Und der bietet Reacher einen Job als Leibwächter an. Doch die Dinge sind keineswegs so, wie sie scheinen.

Reacher hat sich bei den Becks eingeschmuggelt, weil der DEA-Beamtin Susan Duffy (Sonja Cassidy) eine Informantin verschwunden ist, die im Beck’schen Teppichhandel nach Anzeichen für Drogenschmuggel Ausschau halten sollte. Reacher nun wieder hat in der Kleinstadt vor Tagen einen totgeglaubten Schurken erkannt, dem er nun auf der Spur ist – Quinn (Brian Tee). Und jener Quinn hat den Teppichhandel von Becks Firma „Bizarre Bazar“ für seine eigenen illegalen Geschäfte gekapert.

„Carry On my Wayward Son“

Und so findet sich Reacher inmitten einer unübersichtlichen Konstellation wieder und konfrontiert mit einem brutalen Exsoldaten, der noch hühnenhafter ist als er. Paulie (Oliver Richters) ist zwar der Security-Chef der Becks, arbeitet aber eigentlich für Quinn – und er kann Reacher nicht ausstehen. Aber das beruht auf Gegenseitigkeit.

Die dritte Staffel der erfolgreichen Streamingserie „Reacher“ beruht auf dem 7. Jack-Reacher-Roman von Lee Child. „Persuader“ wurde 2003 veröffentlicht und 2005 als „Der Janusmann“ ins Deutsche übertragen und bei Blanvalet veröffentlicht. Ein attraktiver Aspekt der Romanreihe um den ehemaligen Militärermittler besteht darin, dass jedes seiner actiongetriebenen und handfesten Abenteuer für sich alleine steht und in sich abgeschlossen ist. Denn Reacher hat weder einen festen Wohnsitz noch Kleidung zum Wechseln, weshalb er ungebunden in den gesamten USA unterwegs ist. Vornehmlich hat Autor Lee Child seinen Helden in das ländliche Amerika verfrachtet.

There’ll be peace when you are done

So auch in „Persuader“, nachdem der Serien-Reacher bereits in Georgia (Staffel 1) und im Bundesstaat New York (Staffel 2) unterwegs war, geht es nun nach Maine. Erneut versteckt sich hinter kleinstädtischer Idylle ein kapitales Verbrechen. Erneut findet der Kämpfer gegen das Verbrechen Unterstützung auf Seiten der Behörden und erneut bedient sich der hochintelligente Muskelberg drastischer, nicht immer rechtskonformer Methoden, um sein Ziel zu erreichen. Reacher macht keinen Hehl daraus, dass er Quinn tot sehen will. Er hat eine alte Rechnung zu begleichen.

In der erfolgreichen Serie wird Reacher seit der zweiten Staffel, in der es auch um seine ehemalige Einheit ging, von der Privatdetektivin Frances Neagley (Maria Sten) unterstützt. Aus der Sache in Maine will Reacher sie zwar heraushalten, aber die pfiffige Ermittlerin mischt sich sehr hilfreich ein. Kein Wunder also, dass quasi parallel zum Streaming-Start der 4. Reacher-Staffel ein „Neagley“-Spin-off an den Start geht. Beides dürfte für das herkömmliche Home-Entertainment verfügbar sein, sobald die jeweils nächsten Staffeln im Streaming starten.

Hinter der Kamera von „Reacher – Staffel 3“ hat fast ausschließlich Regisseur Sam Hill Platz genommen. Nur die dritte der acht Folgen wurde von Regisseur Gary Fleder realisiert, der in der aktuellen, vierten Staffel federführend die Regie übernimmt. Showrunner Nick Santora ist erneut für die Idee und Produktion zuständig und die Episodendrehbücher werden auf mehrere Autor:innen verteilt, die weitgehend schon für das Serienformat gescriptet haben.

„Lay your weary head to rest“

Es bleibt also vieles beim Gewohnten und es kommen neue Action-Elemente hinzu. Es ist selbstredend auch für Fans interessant, wenn Reacher sich mit einem noch stärkeren Gegner konfrontiert sieht. Ohnehin gibt es im dritten Durchlauf ordentlich auf die Glocke und dadurch, dass der Bösewicht ein ausgesprochener Sadist ist, kommt eine abseitige, perfide Stimmung in einige der Actionszenen.

Das ist nun nicht unbedingt ein Zugewinn an Schauelementen, denn obschon die Action sehenswert und handfest ist, so sind die Produktionsstandards hoch, aber keineswegs spektakulär. Für ein Serienformat bleibt „Reacher“ sehr aufwändig produziert. Anders die Kamera-Arbeit, die mit ihren Drohnenflügen und Annäherungen bisweilen etwas plakativ wirkt.

„Don’t you cry no more“ (Kansas, „Carry On Wayward Son“)

Das Storytelling hat wie bereits in der Auftaktstaffel damit zu kämpfen, dass die Geschichte selbst eigentlich zu geradeheraus und zu häufig zu absehbar ist, um jederzeit zu fesseln. So kommt es in der Serienmitte durchaus zu einigen Längen und der späte Abstecher nach L.A., der eigentlich noch einmal Schwung in die Angelegenheit bringen sollte, entpuppt sich als überflüssiger Umweg einer ohnehin zu ausführlichen Story.

Es mag daran liegen, dass man sich inzwischen in die Serienoptik eingesehen und gewöhnt hat an Reachers knochentrockene Art, aber Alan Ritchson wirkt bisweilen etwas steifbeinig und etwas behäbig in seinen schlichten Kommentaren. Die Charaktere in dem Szenario wirken ebenfalls etwas holzschnittartig. Das kommt in der Charaktertiefe nicht an die Filmfassungen mit Tom Cruise heran. Was vielleicht auch gar nicht beabsichtigt ist. Und dennoch ist auch „Persuader“ im Wesentlichen unterhaltsam ausgefallen.

„Reacher – Staffel 3“ bringt den ehemaligen Militärermittler aus der Feder von Autor Lee Child in Kontakt mit einem Totgeglaubten. Hier wird eine reiche Familie und ihr Unternehmen als Geisel genommen und Reacher versucht, die Ketten von innen zu sprengen. Das funktioniert nicht immer hochspannend und so ist Staffel 3 die bislang schwächste der beliebten Serie.

6/10

Reacher – Staffel 3
OT: Reacher – Season 3
Genre: TV-Serie, Thriller
Länge: ca. 400 Minuten (8 x 50), USA, 2025
Idee: Nick Santora
Regie: Sam Hill
Vorlage: „Persuader“ (2003) von Lee Child (deutsch: „Der Janusmann“, 2005)
Darsteller:innen: Alan Ritchson, Sonja Cassidy, John Berchtold, Maria Sten
FSK: Ab 16 Jahren
Vertrieb: Paramount /Leonine
Streaming-Start bei Amazon Prime: 20.02.2025
DVD- & BD-VÖ: 04.09.2026

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