Mademoiselle Populaire: Mit Fingerfertigkeit zum Glück

Im #Sommerkino26 geht es heute zurück ins Arbeitsleben. Jede Ferien sind schließlich mal vorbei. „Madamme Populaire“ von 2012 zeigt auf nostalgisch komödiantische Weise die Einführung der Schreibmaschine in den Buroalltag. mit französischem Charme konnte die Komödie bei mir seinerzeit nicht landen, war aber sehr populär.

Ende den 1950er Jahre zieht es die Krämerstochter Rose Pamphyle (Déborah Francois) in die Stadt und zu einem modernen Beruf: Statt in der Provinz Vaters Geschäft zu übernehmen, will sie in der Sekretärin werden. Doch Rose ist total ungeeignet, chaotisch und unpraktisch, hat aber – wie sich bei einem Vorstellungsgespräch herausstellt – das Talent, wahnsinnig schnell zu tippen. Das beeindruckt den Rechtsanwalt Louis Échard (Romain Duris) derart, dass er Rose einstellt.

Rose bringt zwar den Büroalltag ziemlich durcheinander, aber der Chef hat Großes mit seiner neuen Sekretärin vor: Als leidenschaftlicher Sportsmann möchte er, dass Rose die Weltmeisterschaft im Maschinenschreiben gewinnt – und beginnt sie zu trainieren. Rose zieht bei dem Junggesellen ein, und ohne dass er es selbst merken würde, scheint sich zwischen den beiden mehr zu entwickeln als nur ein Arbeitsverhältnis. Doch künftige Weltmeisterinnen müssen hart trainieren.

Frauen weg vom Herd

Die französische Romanze „Mademoiselle Populaire“, im Original nur nach der beliebten Schreibmaschine der Zeit „Populaire“ benannt, rollt eindeutig auf der Nostalgiewelle, die „The Artist“ ausgelöst hat. Schon im gezeichneten Vorspann werden die Fünfziger Jahre wieder lebendig und mit der entsprechenden Bilderwelt, die absolut stimmig ist, erzählt Regisseur Régis Roinsard, der auch am Drehbuch mitschrieb, in seinem Spielfilmerstling eine Geschichte, die aus den Boulevardblättern der Zeit herausgesprungen scheint.

Was anfangs noch charmant wirkt und mit viel Zeitkolorit und einem entsprechenden Soundtrack in Szene gesetzt wird, entpuppt sich jedoch bald als gänzlich absehbare Romanze mit komödiantischen Einlagen. So charmant Déborah Francais die Rolle der Rose auch ausfüllt, die Nostalgie von „Mademoiselle Populaire“ fällt sich bald selbst zum Opfer. Es werden nicht nur der Zeitgeist und die Atmosphäre der Fünfziger zum Leben erweckt, sondern auch ihre miefigen, biederen Rollenverständnisse und Stereotypen. Das verlangt aus heutiger Sicht eigentlich nach ironischer Brechung – die bleibt allerdings aus. Denn ansonsten würde die Liebesgeschichte in „Mademoiselle Populaire“ nicht funktionieren.

Eine selbstbestimmte Karriere?

Die französische Komödie adaptiert die Ästhetik der Fünfziger voll und ganz und verliert sich dabei in einer oberflächlichen Reproduktion von Klischees, die mit zunehmender Filmdauer ärgerlich wird. Da hilft auch die eigentlich gut aufspielende Besetzung, zu der neben Déborah Francais und Frankreichs Star Romain Duris auch Bérénice Bejo („The Artist“) gehört, nicht weiter; zu durchsichtig sind die Rollen angelegt. Natürlich wir auch die Schreibmaschine an sich in den Mittelpunkt gerückt und sicherlich haben viele Frauen und Mädchen davon geträumt, Stewardess oder Sekretärin zu werden, aber das wurde in den Originalfilmen der Zeit schon zur Genüge gezeigt.

Auch wenn ich damit eine gesamte Filmnation verärgere, die „Mademoiselle Populaire“ gerade in fünf Kategorien für den César nominiert hat, und den Kassenerfolg der Romanze nicht gebührend würdige: „Mademoiselle Populaire“ ist komplett reaktionär und auf ärgerliche Weise trutschig. Liselotte Pulver hat schon in den 1950ern modernere und emanzipiertere Frauen gespielt.

Aer: Man kann „Mademoiselle Populaire“ als komödiantische Romanze und nostalgische Ode an die mechanische Schreibmaschine, die inzwischen so gänzlich aus unserem Alltag verschwunden ist, anschauen- und wahrscheinlich amüsiert aus dem Kino kommen.

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Madame Populaire
OT: Populaire
Genre: Komödie, Romanze
Länge: 111 Minuten, F, 2012
Regie: Régis Roinsard
Schauspiel: Déborah Francai, Roman Duris
FSK: ab 0 Jahren, ohne Altersbeschränkung
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 09.04.2013
DVD-& BD-VÖ: 15.08.2013

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