Frühlingserwachen sieht irgendwie anders aus. Nun aber ist sie von den Toten zurückgeholt, die Braut für Frankenstein – besser dessen Monster. In einem wilden Ritt durch durch die Dreißiger Jahre trötet Regisseurin Maggie Gyllenhaal mit ihren Stars Christian Bale und Jessie Buckley dem Klassiker des Horrorfilms ganz neues Leben ein. Zu sehen ab dem 5. März 2026 im Kino.
Die weibliche Stimme ist eine mächtige Waffe. Und so gehört der erste Eindruck in „The Bride“ der, die da von den Toten zu uns spricht. Mary Shelley findet sich im Grabesdunkel wieder, mit Moder im Mund, und sucht ihre Stimme um sich dann zu erinnern und zu erzählen, was sie wirklich erzählen wollte. Sie erinnert Melvilles Schreiber-Gesellen Bartleby und dessen Verweigerung: „I prefer not to.“ (Ich möchte lieber nicht.) Sie röchelt und keift, sie flüstert und feixt aus voller Kehle. Und sie fährt sie wie ein Geist in ein Freudenmädchen im Chicago der 1930er Jahre.
Ida geht es gerade nicht gut und sie und ihre Kolleginnen müssen sich mit einem Haufen feister Mobster abgeben, die glauben, die Welt gehöre ihnen. Was in gewisser Weise zu dieser Zeit und an diesem Ort auch stimmt. Und so kotzt Ida dem fetten Gangster, der ein Nein nicht akzeptiert, die Austern wieder aufs Revers und fängt an wie besessen zu brabbeln. Da kommt die Mary durch und assoziiert freie Reime und saftige Beschimpfungen.
Es kommt wie es muss in einem Gruselstück, die Arme wird körperlich gemaßregelt, fällt unglücklich die Treppe runter und landet im Armengrab. Dort wird Ida bald darauf wieder ausgebuddelt. Nach einem Intermezzo, das dem Publikum Frankenstein aka das Monster (Christian Bale) bekannt macht, der seit einem Jahrhundert einsam seiner Wege zieht und bei der nur leicht verrückten Wissenschaftlerin Dr. Euphronius (Anette Benning) um eine Gefährtin bittet. Die wittert körperliche Geilheit und verweist auch käufliche Varianten, das Monster aber leidet an seiner Einsamkeit.
„Hed did the Monster Mash“
Aus Ida wird die wiedererweckte Braut von Frankenstein. Gefragt hat sie keiner und sie erinnert sich auch nicht. Doch mit ihr ist auch der Geist von Mary Shelley wieder erwacht. Nun also machen sich Frank und Ida miteinander bekannt und mit der Stadt, in der sie sich befinden. Und so ist Ida zurück auf dem Tanzboden, exstatisch und wild, während Frank sie still und beschwingt wie Film-Chameur und Gentleman Ronnie Reed (Jake Gyllenhaal) bewundert.
Lange hält das Idyll nicht und so befindet sich das noch nicht verheiratete Paar auf der Flucht. Flucht vor der Polizei, personifiziert vom korrupten Kommissar Jake Wiles (Peter Sarsgaard) und seiner Assistentin Myrna Mallow (Penelope Cruz), vor der Presse und dem Häscher (John Margaro) vom Mafia-Boss und wie später mal Herr Rossi auf der Suche nach dem Glück…
„The Bride of Frankenstein“ aus dem Jahr 1935 gilt vielen als bester klassischer Horror-Film, dabei wurden dort die Reste der literarischen Vorlage verwurstet und die Braut mit ihrer elektrischen Wuselfrisur nach „Metropolis-Vorbild“ hatte wenig Screentime. Nun also schreibt Maggy Gyllenhaal die Geschichte geschickt und mit feministischem Impuls um. Und eben mit der Prämisse auch mal abzulehnen wie einst Bartleby. Und „The Bride!“ präsentiert eine fulminante und eklektische Reise durch die Pop- und Filmmythen der dreißiger Jahre.
„It was a Graveyard Smash“ (Bobby Picket – Monster Mash)
Offensichtlich sind Frank und die Braut unterwegs wie „Bonnie und Clyde“ und sie sind im Herzen wild. Der Cop und die Assistentin sind bei „Babylon Berlin“ entlehnt, wie auch einige der furiosen und variablen Tanzszenen. Aber nur weil getanzt wird, ist ein Film noch lange kein Musical. Und nur weil’s auch mal locker erzählt wird, bleiben drastische Szenen nicht aus (Horror-Klassiker, nicht vergessen). Bisweilen verliert der Film auch etwas an Dringlichkeit, kommt aber wieder in die Spur.
In gewisser Weise ist „The Bride!“ wesensverwandt mit Ryan Cooglers furiosem „Blood & Sinners“ und genauso einnehmend. „The Bride!“ mit Ausrufezeichen wie seinerzeit das Erfolgs-Theaterstück und spätere Musical „Oklahoma!“, über das sich Ethan Hawke als Lorenz Hart in „Blue Moon“ so pingelig aufregt. Warum sich für die Horror-Show mal wieder kein deutscher Verleihtitel findet, lass ich mal so dahingestellt. Es sind in „The Bride!“ so viele Ostereier und Anspielungen versteckt, dass es leicht ist, sich davon ablenken zu lassen.
Ablenken von zwei beunruhigenden Fakten. Zum einen ist der charmante Film hinreißend feministisch und kämpferisch und ruft dazu auf, das Patriarchat und die Rolle der Frau niederzureißen und dagegen zu rebellieren. Zum anderen ist Jessie Buckley in der Doppelrolle als Mary Shelley und Ida eine derartige Manifestation, dass es einen das Fürchten lehren kann. Die Epiphanie einer vergessenen Göttin.
Alles gute zum Weltfrauentag. Wer noch immer auf equal rights und equal pay wartet, soll sich hinten anstellen. In der Zwischenzeit zeigen zwei Auferstandenen, die nicht zu verlieren haben, was Pippi Langstumpf schon immer wusste: Wie Selbstermächtigung geht“ „Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.“
The Bride! – Es lebe die Braut
OT: the Bride!
Genre: Horror, Romance, Mystery,
Länge: 1296 Minuten, USA, 2026
Regie: Maggy Gyllenhaal
Schauspiel: Jessie Buckley, Jake Gyllenhaal, Penelope Cruz, Christian Bale,
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Warner
Kinostart: 05.03.2026

