
Wenn sich ein Rostocker Kellner zu DDR-Zeiten in den Kopf gesetzt hat, nach Sizilien zu spazieren, kommt dabei eine launige Sommerkomödie mit nostalgischem Touch raus. Zumindest bei Lars Jessen und Charly Hübner. Zu sehen ab dem 20. August im Kino.
Paul Gompitz wächst in der DDR auf und liest zufällig Johann Gottfried Seumes „Spaziergang nach Syrakus“. Darin beschreibt der Dichter, wie er seinerzeit auf Schusters Rappen durch Europa gelaufen ist. Das imponiert Paul mächtig und er möchte ebenfalls nach Syrakus auf Sizilien. Da gibt es nur das Problem, dass das Regime in der Deutschen Demokratischen Republik für Paul bereits kein Studium vorgesehen hatte, geschweige denn einen Auslandsaufenthalt.
Und so macht sich die Servicekraft, die in den Sommermonaten auf Hiddensee arbeitet, in den Achtzigerjahren langfristig daran, einen Plan zu entwickeln, wie es gelingen kann, von Rostock nach Syrakus zu kommen. Freundin Anne (Lina Beckmann) kommt es zunehmend seltsam vor, was der Paul da so verschwörerisch treibt. Doch Paul hält an seinem Traum fest, fest entschlossen, anschließend wieder in die DDR zurückzukehren.
Der norddeutsche Filmemacher Lars Jessen („Jetzt. Wohin“) hatte bereits „Mittagstunde“ mit Charly Hübner („Der Held vom Bahnhof Friedrichstaße“) gedreht und nun widmen sich die Heimatverbundenen einer nordostdeutschen Geschichte. Die Romanvorlage „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ von Friedrich Christian Delius basiert auf den wahren Erlebnissen eines Klaus Müller, der von Hiddensee aus der DDR nach Sizilien gereist ist. In dem zeitgleich mit Jessens Film im Kino anlaufenden Inselporträt „Hiddensee“ wird Müller aber nicht weiter erwähnt. „Spaziergang nach Syrakus“ ist auch nicht zu verwechseln mit der Reportage über Seumes Wanderung, die 1993 gedreht wurde. So viel dazu.
Segeln lernen, um laufen zu lassen
In Jessens „Spaziergang nach Syrakus“ wird erzählt, aus dem Off und von der Hauptfigur Paul. Der macht uns, das Publikum, mit seinen Lebensumständen, mit seinem Alltag und seinen Träumen und trotzigen Versuchen, diese zu erreichen, bekannt. Das ist bisweilen recht launig umgesetzt, bisweilen kommt es aber auch hanebüchen naiv daher, wenn Paul beispielsweise die Völkerfreundschaft mit Italien aufbauen will.
Das sind vermeintlich einfache Lacher auf Kosten eines überkommenen Regimes, das von der Zeitgeschichte gefressen wurde. So doof die DDR auch war, so schlecht war es ja nun auch nicht dauernd, die Leute sind ja zurechtgekommen. Anders wird auch kein komödiantischer Schuh aus dieser Geschichte nach dem real existierenden Reisewunsch.

Was also zu sagen bliebe, wäre, dass in der Rückschau erzählt wird und so viel Dramatik gar nicht erst aufkommt. Was auch zu sagen wäre, dass die Lina und der Charly zusammen ganz toll harmonieren und der Lars schon weiß, wie man launige Filme macht. Ob das nun auf die große Leinwand gehört oder doch eher ins öffentlich-rechtliche Abendprogramm, mag jeder selbst entscheiden. Als Norddeutscher bin ich bei Heimatfilmen ohnehin vorbelastet.
„Alles ginge besser, wenn man mehr ginge“, hat der Dichter Johann Gottfried Seume mal ausgesprochen und sich auf die Socken gemacht, damals Ende des 18. Jahrhunderts, als Schuhe noch unterwegs neu besohlt wurden. Paule Gompitz hätte vielleicht ein bisschen weniger labern sollen und ’n bisschen mehr latschen. Aber gucken kann man das.
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Spaziergang nach Syrakus
OT: Spaziergang nach Syrakus
Genre: Komödie, Drama
Länge: 97 Minuten, D, 2026
Regie: Lars Jessen
Vorlage: Friedrich Christian Delius, Roman „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“
Schauspiel: Charly Hübner, Thorsten Merten, Lina Beckmann
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Pandora Film
Kinostart: 20.08.2026


