
Angesichts des Kinostarts von „Hiddensee“ geht es in dieser Woche im #Sommerkino26 um deutsches Filmmachen. So wie „Stiller Sommer“ von 2013. Als der plötzliche Verlust ihrer Stimme die Künstlerin Kristine in eine Sinnkrise stürzt, flüchtet sie in das Feriendomizil in Südfrankreich. Auch hier findet sie ihre Stimme nicht gleich wieder, sorgt aber für einige Verwirrungen. Die deutsche Regisseurin Nana Neul inszeniert eine Ehe- und Familienkrise vor launiger Kulisse.
Bei ihrer letzten Vernissage verschlägt es Kristine (Dagmar Manzel) die Stimme. Ob es an der Absicht ihres Gatten Herbert (Ernst Stötzner) liegt, das Ferienhaus in Südfrankreich unbedingt zu verkaufen, oder an der abrupten Erkenntnis, das sie mit ihrer „Kunst“ sowieso andauern lüge: Kristine kann nicht mehr sprechen. Und so macht sie sich allein auf den Weg in besagtes Ferienhaus in Frankreich, wo Tochter Anna (Marie Rosa Tietjen) gerade für Prüfungen lernt und sich mit dem französischen Nachbarsjungen Franck (Arthur Igual) vergnügt.
Der gesteht Kristine allerdings, das er in sie verknallt ist, seit er zwölf war und die Mittfünfzigerin fühlt sich mehr als geschmeichelt. Als dann auch noch Herbert anreist, um mit Kristine zu reden, kommt eine alte Geschichte ans Tageslicht und so langsam wird klar, warum Kristine und Herbert seit Jahren nicht mehr in Südfrankreich Urlaub gemacht haben.
Die plötzliche Lebens- und Beziehungskrise
Filmmacherin Nana Neul („Töchter“, „Familie is nicht“) hat mit „Mein Freund aus Faro“ bereits 2008 ein Verwirrspiel mit Geschlechterrollen und Beziehungsproblemen inszeniert und im Grunde sind dies auch die großen Themen von „Stiller Sommer“. Die Selbstfindung einer Frau in fortgeschrittenem Alter führt zu einer Beziehungskrise, einem Ausbruchsversuch aus dem alltäglichen Trott und einem erotischen Wagnis, das eigentlich so gar nicht korrekt ist. Zumindest aus Sicht der Tochter, die eigentlich denkt, mit Franck zusammen zu sein.
Auch die Nachbarn dieser idyllischen Kolonie, die ein bisschen nach Späthippietum riecht und aus der Zeit gefallen wirkt, werden durch das Auftauchen von Kristine aus ihrem Trott gerissen und die labile Gemeinschaft erweist sich in der launigen Natur als nicht gerade beständig. Während die erste Hälfte von „stiller Sommer“ ganz auf Kristines Perspektive zugeschnitten ist, gibt es in der Mitte des Films eine überraschende Wendung und einen Perspektivwechsel. Nun steht Herbert in Mittelpunkt des Geschehens.
Die Flucht ins Idyll
„Stiller Sommer“ hat zwar so seine überzeugenden und auch einige starke Momente, aber über die gesamte Länge offenbart sich vor allem eine nicht funktionierende Dramaturgie. Während Dagmar Manzel ihre wortlose Rolle noch einigermaßen plausibel auszufüllen weiß, wirken die anderen Figuren eher hölzern, verstockt und auf absurde Weise gehemmt. Das mag zwar Methode haben, fordert vom Zuschauer aber einiges an Geduld und Langmut.
Auch die Kinoleinwand weiß der Film kaum auszufüllen. Zwar spielt „Stiller Sommer“ im Wesentlichen im pittoresken sommerlichen Süden Frankreichs und kann ein gewisses Fernweh heraufbeschwören, aber das Drama steht so deutlich im Vordergrund, dass die Landschaft, die ja durchaus reizvoll sein könnt als Motiv derart in den Hintergrund rückt, dass die Handlung auch an der Schleswig-Holsteinischen Ostsee spielen könnte.
Durch die Konfliktlage zwischen Mutter und Tochter vermittelt der Film ein wenig den Touch, dass „Stiller Sommer“ auch ein Versuch ist, eine Elterngeneration zu durchleuchten und zu analysieren. Das wäre auch vollkommen legitim, versagt allerdings im Ansatz, da die Figur der Anna derart naiv und unselbständig angelegt ist, dass jegliche Psychologisierung vollkommen verpufft.
Vielleicht liegt es an der allzu naheliegenden TV-Verwertung dieser von mehreren Förderinstitutionen unterstützten Produktion, die im Auftrag des SWR gedreht wurde, das jegliches Tempo in Erzählung und Bildfolge fehlt. Im Kino wirkt „Stiller Sommer“ allerdings etwas überfordert.
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Stiller Sommer
OT: Stiller Sommer
Genre: Drama
Länge: 89 Minuten, D, 2013
Regie: Nana Neul
Schauspiel:Dagmar Manzel, Victoria Trautmannsdorff, Ernst Stötzner
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Zorro Films
Kinostart: 07.03.2014
DVD-VÖ: nicht bekannt

