Paris um jeden Preis: Generation Praktikum muss raus

Heute im #Sommerkino26 eine französische Komödie um Abschiebung und Arbeitsverhältnisse von 2014. Die europäische Einwanderungspolitik ist nicht immer frei von Kontroversen und die Abschiebepraktiken in den Mitgliedsstaaten der EU stoßen auch auf Kritik. In der Komödie „Paris um jeden Preis“ wird eine Marokkanerin, die seit Jahrzehnten in Paris lebt des Landes verwiesen und sucht einen Weg zurück in ihr Leben. Das führt zu allerlei Verwirrungen und dem Wiedersehen mit der Familie. Hauptdarstellerin Reem Kherici ist auch für Story und Regie zuständig und inszeniert eine etwas zu leicht geratene Komödie.

Gerade bahnt sich für die junge Modedesignerin Maya (Reem Kherici) eine Karriere-Chance an: Das angesagte Modelabel, bei dem sie einen befristeten Vertrag hat, stellt eine Festanstellung in Aussicht. In Frage kommen dafür nur Maya und ihre Kollegin Emma (Shirley Bousquet). Die Stelle bekommt, welche von beiden den besseren Kleiderentwurf für die in zwei Wochen anstehende Fashion Show abliefert. Ausgerechnet jetzt wird Maya von der Polizei aufgegriffen, weil sie ihren Smart nicht sehr verkehrsgerecht durch die Straßen der französischen Hauptstadt lenkt.

Weil sie vergessen hat, ihre Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern wird sie ausgewiesen. Da helfen weder die girlieesquen Versuche die Beamten zu becircen noch der Rechtsweg. Maya wird in ein Flugzeug nach Marokko gesetzt. Schon der Weg mit dem Taxi zum Haus der Familie gestaltet sich arabisch chaotisch. Für Maya, die nicht einmal marokkanisch spricht, stehen allerdings noch ganz andere Probleme an.

Ihr Vater (Mohamed Bastaoi) redet nicht mit ihr, Großmutter (Fatima Naji) will sie gar nicht wieder weg lassen und Bruder Tarek (Tarek Boudali) macht sich in einem fort über Maya lustig. Nebenbei muss sie auch noch ein Kleid entwerfen, denn eine feste Arbeit ist der einzige Weg wieder eine Aufenthaltsgenehmigung für Frankreich zu bekommen.

Das aufreibende Modebusiness

Glücklicherweise hat Maya ihre Freundin Alex (Cécile Cassel) und deren Freund Firmin (Philip Lacheau). Als Krankenschwester sorgt Alex dafür, dass Maya eine Krankschreibung bekommt und deren Chef nichts von der Ausweisung mitbekommt; außerdem schickt Alex ihrer Freundin auch alle Unterlagen, die die Mode-Designerin zum Arbeiten braucht. Bliebe nur noch das Problem, wieder nach Frankreich hineinzukommen.

Urbaner Lifestyle, High-Heels und partymäßig immer ganz weit vorne, so ist das Leben, das Maya in Paris lebt und von dem sie immer geträumt hat. Auch wenn der Job in der Haut Couture eher einem Hühnerhaufen gleicht, in dem sich die Hühner gegenseitig die Augen auspicken und in gurrende Unterwürfigkeit verfallen, sobald sich der Gockel (Der Chef-Designer Nicolas ) im Stall zeigt, hier fühlt sich die junge Frau wohl. Da ist es schon ein Kulturschock, nach zwanzig Jahren wieder in de unbekannte Heimat zu müssen und die familiäre Situation ist auch nicht gerade konfliktfrei. Oder wie sie von ihrem Bruder Tarek suggestiv gefragt wird: „Wie viele Paar Schuhe hast du dir im letzten Jahr gekauft? Und wie oft hast du uns angerufen?“

Die stressige Heimat

Schnell wird klar, dass es in Reem Khericis Komödie weniger das Thema Abschiebung geht. Vielmehr geht es darum, wie sich eine junge arabisch stämmige Frau ihren Weg in die moderne und säkulare Welt sucht, dabei aber auch ihre Wurzeln und ihre Familie aus dem Auge verliert. Der Kontrast zwischen dem aufgedonnerten Paris und dem beschaulichen, aber lärmigen marokkanischem Stadtrand könnte kaum großer sein und in ihren modischen Shorts und den High Heels wirkt Maya hier in der muslimisch geprägten Gesellschaft so deplatziert wie es nur geht. Das führt zu einigen durchaus witzigen Verwicklungen. Wobei ein wenig mehr dramatische Fallhöhe der Komödie durchaus nicht geschadet hätte.

Das Potential ist durchaus vorhanden, aber in ihrem Debut als Regisseurin und Autorin setzt die Schauspielerin Reem Kerici bewusst auf einen sehr leichten Tonfall und eine gewisse (urbane) Oberflächlichkeit. Allein die absurde Naivität, mit der Maya versucht ein Visum für Frankreich zu bekommen ist hahnebüchen und nach der Inszenierung der Modewelt zu beginn des Films fragt man sich als Zuschauer schon, warum jemand freiwillig wieder dorthin zurück will. Auch der Konflikt mit dem Vater wird nicht wirklich gut herausgearbeitet, weshalb auch die Versöhnung zum Ende hin nicht wirklich emotional zu packen weiß.

In ihrer quietschbunten und auch überdrehten Art steht die Komödie „Paris um jeden Preis“ aber durchaus in einer französischen Humortradition und für sommerlich leichte Unterhaltung reicht das aus.

5

Paris um jeden Preis
OT: Paris a tout prix
Genre: Komödie
Länge: 95 Minuten, F, 2013
Regie: Reem Kherici
Schauspiel: Reem Kherici, Tarek Boudali, Philip Lacheau, Cécile Cassel#
FSK: ab 0 Jahren, ohne Altersbeschränkung
Verleih: Polyband /WVG
Kinostart: 02.05.2014
DVD-VÖ: 10.10.2014

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