In dem Schweizer Musikdrama „Wolves“ verliebt sich eine junge Frau in den Sänger einer Black Metal Band und gerät in eine eigenwillige Beziehung. Das Langfilm-Debüt des schweizer Filmmachers Jonas Ulrich besticht durch Szenekenntnis, Liebe zu Details und einer originellen Comigng of Age Story. Zu sehen im Kino ab dem 21. Mai 2026.
Luana (Selma Kopp) ist Kindergärtnerin und lebt noch bei ihrer Mutter. Die Eltern sind Getrennt und der Vater ist schwer Krebskrank. Luana tut sich schwer mit dem Kontakt, auch wenn die Mutter sie bittet, den Kranken zu besuchen. Stattdessen geht sie ihren Cousin bei einer Bandprobe zuschauen. Dominik (Fabian Künzli) spielt Schlagzeug in der Züricher Black Metal Band Wlvs aka Wolves. Die haben gerade einen neuen Sänger am Start und hoffen nun auf den Durchbruch in der Szene.
Wiktor (Bartosz Bilena) stammt aus Polen und hat zuvor schon in anderne Black Metal Bands gesungen beziehungsweeise gegrowlt. Der unnahbare, schweigsame Typ übt eine Faszination auf Luana aus. Und sie beschließt die Band auf einer kurzen Tour zu begleiten. Im Kinderhort fragt sie um Sonderurlaub, damit sie Zeit mit ihrem Vater verbringen kann und dann geht sie mit den WLVS auf Tour.
So richtig abgesprochen mit Cousin Dominik war das nicht, aber Luana kümmert sich um den Merch-Stand und auch um die Social Media der Band. Und tatsächlich werden die Wlvs auch bekannter. Doch innerhalb der Band gibt es Differenzen, denn obwohl Wiktor nicht mit Nazi-Sprüchen auffällt, hat er doch Verbindungen in die NSBM Szene(National Socialoist Black Metal). Und bei einigen Auftritten treffen die Wlvs auch auf faschistische Black Metal Bands und Fans. Dominik versucht Luana vor einer Beziehung mit Wiktor zu warnen, doch die will davon nichts wissen.
Im Tourbus mit den Wölfen
Im Grunde genommen ist „Wolves“ vor allem die Geschichte einer toxischen Beziehung und einer jungen Frau, die ihren eigen Weg und ihre eigene Identität sucht. Doch das Setting in einer Underground-Musikszene ist sehr einnehmend, sofern mensch auf diese Art von Musik steht. Aktuell scheint Black Metal in seiner modernen epischen und atmosphärischen Ausprägungen schwer angesagt zu sein und die Konzerte der Bands, deren Bandlogos meisten kaum lesbar sind, sind entgegen dem Trend in der lokalen Clubszene häufig gut besucht.
Seit aufkommen diese rechtsextremen Spielart des Heavy Metal in den 1980er Jahren spielt die Musik mit dem Satanismus und dem nordischen Kulturgut. Das hat bereits früh zu einer Nähe mit nationalsozialistischem Gedankengut geführt. Und spätestens seit den Verwirrungen er norwegischen Black Metal Szene mit ihren Kirchenverbrennungen und den obstrusen Mord an Eyronymus Aarseth haftet der extremen Musik ein Geschmäckle an. Auch und gerade weil Varg Vikernes mit seinen Ideen von Neuheidentum deutlich rechtsextrem ist. Siehe dazu auch die Doku „Until the Light Takes Us“ und den Spielfilm „Lords of Chaos“, der nur bedingt zu empfehlen ist.
Immer wieder finden sich in extremen Underground-Musiken auch politische extreme wieder. Die jeweilige Szene – und aktuell die Black Metal Szene ist gerade deshalb so attraktiv, weil sie ein breites Spektrum an Anderssein zulässt und wenig soziale Codes etabliert hat. Immer wieder ist das auch für Neonazis interessant um ihre Ideologien unterschwellig an die Hörerschaft und das Publikum zu bringen. Das Phänomen Rechtsrock ist kein neues, im NSBM hast es eine weitere Spielart gefunden.
Am Feuer mit den Heiden
Der schweizer Filmmacher Jonas Ulrich hat die musikalische Szene – exemplarisch in der Schweiz – sehr detailgenau eingefangen und auch die Schwierigkeiten bei der Identifizierung von Nazi-Bands und Ideologie. Da geht es sehr vbiel um verwendete Symbolik um Rituale, die eigentlich folkloristischen Ursprungs sind, die aber umgedeutet und instrumentalisiert wurden. Stellvertretend für die Sinnsuche und die Suche nach Zugehörigkeit ist Luana Szeneneuling wie das Filmpublikum. Sie mag die Musik, das extreme und das düstere und sie mag die Typen. Da ist es nicht einfach, sich und den geliebten oder zumindest angeschwärmten Menschen kritisch zu hinterfragen.
„Wolves“ entstand auch mit Hilfe des Wacken Festivals und konnte bereits auf einigen Festivals begeistern. Dazu trägt nicht nur die Story bei, sondern auch der Filmaufbau in Kapitel, die sich an den Eckpfeilern der Musik orientieren. Es sind nicht nur die authentischen Szene-Einblicke, sondern auch die Einbeziehung tatsächlicher Bands in den Filmkontext und die Tatsache, dass eigens für den Film die Band Wlvs gegründet wurde und dafür auch original-Musik komponiert wurde. So ein zielgerichteter Blick ist für ein Debüt mehr als beachtlich und faszinierend anzuschauen.
Möglicherweise muss das Publikum ein Interesse am Black Metal mitbringen, um sich in dem schweizer Drama „Wolves“ packend unterhalten zu fühlen. Dennoch ist die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach Zugehörigkeit, Liebe und sich selbst schon universell.
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Wolves
OT: Wolves
Genre: Drama, Musik
Länge: 100 Minuten, CH, 2025
Regie: Jonas Ulrich
Schauspiel: Selma Kopp, Fabian Künzli, Bartosz Bilenia
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Meteor Film
Kinostart: 21.05.2026



