Nouvelle Vague: Hinter den Kulissen von „Außer Atem“

„Außer Atem“ ist ein Klassiker der Filmgeschichte, der zusammen mit anderen zeitgenössischen französischen Filme, das Kino umgekrempelt hat und die Art wie wir heute Filme sehen. Regisseur Richard Linklater hat seiner großen Bewunderung für diesen Film Ausdruck verliehen und einen Spielfilm über die Dreharbeiten gedreht. Mit viel Zeitkolorit und viel Witz. Z bestaunen ab dem 152. März im Kino.

Der us-amerikanische Filmmacher Richard Linklater dreht zwar viel, aber eigentlich nicht einen Film nach dem Anderen. Vielmehr hat er oft genug mehrere Filmprojekte in der Pipeline und realisiert diese, wenn es Zeit geworden ist. So etwa bei dem großartigen Coming-Of-Age Drama „Boyhood“ das über Jahrzehnte gefilmt wurde. Das verlangt selbstredend auch von den Darsteller:innen eine gewisse Hingabe.

Aktuell kommen also innerhalb kurzer Zeit zwei Linklater-Filme hierzulande in die Kinos. Beide in gewisser Weise Biopics beziehungsweise Dramatisierungen nach dem realen Leben. Während in „Blue Moon“ (Kinostart 26.03.2026) der langjährige Linklater-Kooperateur Ethan Hawke den Liedtexter Laurenz Hart verkörpert, geht es in „Nouvelle Vague“ um den französischen Filmmacher Jean-Luc Goddard und sein Filmdebüt „Außer Atem“.

„Alles, was man für einen guten Film braucht, ist ein Mädchen und eine Knarre.“

Ende der 1950er Jahre haben in Frankreich eine lose Gruppe Filmbegeisterter das Business erheblich aufgemischt und sind mit neuen Ansätzen der Filmkunst aufgetreten. Etliche der Filmschaffenden arbeiten auch als Filmjournalisten bei der renommierten Zeitschrift „Cahiers du cinema“. Nun hat aus dieser Gruppe, die als „Neue Welle“ aka Nouvelle Vague bekannt wird, einzig der großmäulige 28-jährige Jean-Luc Goddard noch keinen Film vorgelegt. Doch er arbeitet an einer Idee für eine Gaunerromanze. Darin ist ein Ganove auf der Flucht vor der Polizei und lässt sich mit einer amerikanischen Studentin ein.

Der junge, weitgehend unbekannte Darsteller Jean Paul Belmondo übernimmt in dieser Low-Budget-Produktion die Hauptrolle des Autoknackers Michel. Die Amerikanerin Jean Seberg spielt dessen Freundin Patricia. Seberg hatte zuvor bereits zwei große Hauptrollen in Filmen von Otto Preminger. Doch sowohl in „Johanna von Orleans“ als auch in „Bonjour Tristesse“ fühlte sie sich von dem autoritären Regiestil Premmingers beengt. Goddards lockere Art zu Drehen sollte eine Gegenpol bilden.

„Kamera ab, Raoul.“

Richard Linklaters „Nouvelle Vague“ thematisiert quasi minutiös die Entstehung des Filmklassikers „Außer Atem“. Das ist mit einer gewissen launige Erzählhaltung verbunden, die bisweilen an die schwarz-weißen Episoden in Wes Andersons „The French Dispatch“ erinnert. Dabei ist „Nouvelle Vague“ bestechend typgerecht gecastet und durch die Schwarz-Weiß Optik fühlt sich das Publikum direkt in die Zeit und die Dreharbeiten hineinversetzt.

Das ist extrem unterhaltsam und kurzweilig inszeniert und macht nicht nur Filmfanatiker:innen Freude. Der junge Belmondo wird von Aubry Dullin gespielt, Zoey Deutch überzeugt als Jean Seberg und Guillaume Marbeck besticht als schnöseliger Kino-visionär Goddard. Gedreht wurde selbstverständlich in Französisch (und wer die Möglichkeit hat, sollte den Film auch so genießen). Und ja, auch heute ist „Außer Atem“ noch flott und furchtlos. Und damit herausfordernder als vieles was derzeit über die Leinwand flimmert.

Am Ende bleibt nicht viel mehr zu sagen, als dass Richard Linklater eine sehr liebevolle und überzeugende Hommage an die „Nouvelle Vague“ und an „Außer Atem“ gelungen ist. Ein größeres Kompliment kann ein Filmmacher seinen prägenden Inspirationen wohl kaum machen. Kein Wunder, dass der Film französische Filmpreise eingeheimst hat. Trés charmant.

Nouvelle Vague
OT: Nouvelle Vague
Genre: Biopic, Komödie
Länge: 106 Minuten, USA/F, 2025
Regie: Richard Linklater
Schauspiel: Guillaume Marbeck, Aubry Dullin, Zoey Deutch
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Plaion Pictures
Kinostart: 12.03.2026

Nouvelle Vague bei Wikipedia

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