Shakespeare geht immer, möchte mensch meinen. Auch, wenn eigentlich selten zuhause ist und es um das Familienleben geht. Der Roman „Hamnet“ von Maggie O’Farrell erzählt davon aus der Sicht von Shakespeares Ehefrau. Aus dem erfolgreichen Roman macht Regisseurin Chloé Zhao einen Film indessen Mittelpunkt Jessie Buckley ein furchtlose Vorstellung gibt. Dafür wurden bereits 2 Golden Globes verteilt und auch im anstehenden Oscar-Rennen gehört Hamnet zu den Favoriten. Zu sehen im Kino ab dem 22. Januar 2026.
Zu Lebzeiten von Shakepeare ausgangs des Elisabethanischen Zeitalters und Ende des 16. Jahrhunderts war das geschriebene Wort vor allem lautmalerisch zu erkennen. Einheitliche Schreibweisen, eine haben sich auch im Englischen erst Jahrhunderte später etabliert. Insofern beginnt es mit Lautverschiebungen. Aus Hamnet wird Hamlet und Agnes spricht sich An-jes aus. Das möge das geneigte Publikum durchaus im Hinterkopf behalten.
Der junge Hauslehrer Will (Paul Mescal) muss im beschaulichen Städtchen Stratford um 1580 herum den Kindern eines wohlhabenden Freibauern Latein einpauken. Aber als er eine Frau mit einem Falken auf dem Arm aus dem Wald kommen sieht, ist seine Neugier geweckt. Agnes fasziniert den jungen Mann. Das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen und bald gründen will und Agnes eine Familie. Nicht gegen die Widerstände von Wills Eltern. Den Agnes hat den Ruf eine Waldhexe zu sein.
Doch um des Vaters Schulden abzuarbeiten, unterrichtete Will dort überhaupt. Nun kann Agnes Bruder Bartholomew (Joe Alwyn) daher Argumente für die Verbindung vorbringen und das Paar lebt bei Wills Eltern. Nach der Tochter Susanna werden die Zwilinge Judith und Hamnet geboren. Doch zu dem Zeitpunkt weilt Will bereits in London, wo er als Stückeschreiber Geld verdient. Stratford ist ihm längst zu eng geworden und Agnes drängt des Gatten hinaus in die Welt.
Eigentlich sollte die Familie nachkommen, doch Agnes schiebt immer wieder die Atemprobleme der Tochter vor, um nicht von ihrem geliebten nahgelegenen Wald getrennt zu sein. Als die Zwillinge heranwachsen haben sie immer wieder Freude daran die Plätze und die Rollen zu tauschen. Doch dann sucht die Pest auch Statford heim und Judith erkrankt. Nach Will wird geschickt, doch er kommt zu spät. Allerdings hat die Pest nicht Judith sondern Hamnet dahingerafft.
Von Hamnet zu Hamlet
Die Trauer ist verzehrend und den Eheleuten fällt die Fernbeziehung vor die Füße. Agnes wirft Will dessen Abwesenheit vor und nun lässt er sie wieder allein. Doch die Geschäfte warten nicht und Will muss wieder nach London. Nach einer Weile redet jedermann von Wills angekündigtem neuen Stück, doch die verbitterte Agnes muss erst von Tochter Susanna überredet werden sich das anzuschauen. Agnes reist mit Bartholomew nach London und an Wills Bühne. Hier erlebt sie was Will aus dem Verlust des Sohnes geschaffen hat.
Okay, das war nun viel Handlung und scheinbar ein Haufen Spoiler, aber zum einen gibt der Trailer schon Etliches preis, zum anderen geht es im „Hamnet“ erstaunlich wenig um Shakespeare selbst. Im Mittelpunkt des Melodrams steht eindeutig Agnes, die Gattin des Dichters. Tatsächlich dauert es bis beinahe zum Schluss, bis der Name Shakespeare überhaupt ausgesprochen wird. Auch Stratford wird erst spät spät benannt. Bis dahin hat es das Publikum mit Agnes und Will, mit Susanna, Judith und Hamnet zu tun, die eine glückliche Familie sind.
Der Vater könnte auch fahrender Händler sein, wären da nicht einige Andeutungen und das bereits vorausgesetzte Wissen, dass es sich um Familie Shakespeare handelt. Damit operiert der Film sehr geschickt und einige markante Shakespeare-Stellen werden auf verspielte Weise eingeflochten. Paul Mescal („Gladiator 2“, „All of us Strangers“) gibt den Dichter mit großer Leidenschaft und einer gewissen praktische Unbeholfenheit. Damit ist es dann auch genug. Denn obschon der Film „Hamnet“ benannt ist und eine biografische Werksinterpretation des berühmten Stückes anbietet, in der aus Hamnet eben Hamlet wird, steht komplett im Fokus. Und sie zu begleiten ist eine Reise für sich, ein Tour de Force dargeboten von einer großartigen Darstellerin.
Aus dem Leben in die Kunst
Im wahren Leben war Anne Hathaway die Gattin Shakespeares. Soweit scheinen die Gelehrten halbwegs einig. Auch die Anzahl der Kinder und den Tod des Sohnes sind in Chroniken erwähnt. Das war es dann aber auch schon mit gesicherten Fakten. Über die Inspirationen zu „Hamlet“ streitet die Gelehrten seit Jahr und Tag. Aus dieser Konstellation schöpft der Roman „Hamnet“ eine kraftvolle Erzählung und die Filmmacherin Chloé Zhao („Nomadland“, „The Eternals“) hat mit der Autorin zusammen daraus ein Drehbuch gemacht, das noch mehr erzählerisches Gewicht auf Agnes legt.
Jessie Buckley („Wild Rose“, „Beast“, „Kleine schmutzige Briefe“) gelingt es in einem furchtlosen Performance Agnes als unabhängige, gleichberechtigte und moderne Frau zu zeigen, die erdverbunden und naturkundig einen Gegenpol zu ihrem vergeistigen Gatten verkörpert. Der wiederum lebt in den Geschichten und Erzählungen, in den Worten und Stücken, die er erschafft. Und deren künstlerisches und kathartisches Potential beispielhaft an „Hamlet“ gezeigt wird. Hier läuft Chloé Zhaos einfühlsames, intensives Melodram auf ein herzergreifende Finale hin. Aber das mag jede:r selbst sehen.
Es ist Ehrfucht gebietend mit welcher Intensität, Kraft und welchem Charisma Jessie Buckley diese Agnes durch ihr Leben führt. Das Drama und ide Tragödie im Leben der Familie Shakespeare gehört sich er zu den ergreifendsten Filmen des noch jungen Jahres. Selbst, wenn mensch sich nicht für das Theater interessiert.
Hamnet
OT: Hamnet
Genre: Drama,
Länge: 125 Minuten, UK /USA, 2025
Regie: Chloé Zhao
Vorlage: Roman „Hamnet“ von Maggie O’Farrel (Deutsch: Judith und Hamnet)
Schauspiel: Jessie Buckley, Emily Watson, Joe Alwyn, Paul Mescal,
FSK: AB 12 Jahren
Verleih: Universal Pictures International
Kinostart: 22.01.2026
Credit: Agata Grzybowska / © 2025 FOCUS FEATURES LLC






