Top 5: Deutsche Filme 2010

goetheAch, der deutsche Film. Vielfach geschmäht und doch sitzt die Nation einhellig vor der Glotze, wo massenweise Eigenproduktionen gezeigt werden. Deutsche Kinofilme wären ohne das Fernsehen nicht möglich, folglich kommen hier auch TV-Produktionen in die Wertung. Ich frage mich gerade, ob es legitim ist, einzelne Tatort-Folgen herauszugreifen, oder ob das Wettbewerbsverzerrung wäre?

Immerhin macht der Kieler Kommissar Borowski (Axel Milberg) die Grenzen dessen, was hierzulande noch als Krimi durchgeht, schon ziemlich weit. So war denn auch die Tatort-Folge „Tango für Borowski“, in welcher der Kieler Kommisar orientierungslos durch finnische Wälder irrt, einer meiner liebsten und verpasst den Einzug in die Top 5 nur knapp. Auch Ulrich Tukur hat einen ganz passablen und eigenwilligen Einstand als Kommissar Murot gegeben („Wie einst Lilly“), vielleicht mit ein bisschen zuviel Attitüde.

02_MaxSchmelingAber deutscher Film kann soviel mehr sein als die solide Fernsehunterhaltung, in der er allzu häufig steckenbleibt. Das wird dann auf mitternächtliche Sendeplätze verbannt und bleibt Außenseiterthema. Stattdessen inszenieren wir unsere Nationaldenkmäler als Popstars („Goethe“) oder mit Spitzensportlern („Max Schmeling“).

Die deutsche Komödie ist wieder ein schmerzliches Thema für sich. Dazu einen Bezug aufzubauen, fällt mir ausgesprochen schwer: Häufig zu platt, zu offensichtlich und mächtig gen Kalauer zielend. Eindeutig nicht meine Baustelle. Ich sage nur „Jerry Cotton“. Doch dem Kino-Publikum scheint’s zu gefallen.

Nach dem Action-Film kommt nun also die Betrachtung der heimischen Produktion des Jahres 2010. Kurz und schmerzlos:

Top 5: Deutsche Filme 2010

5. 2 für alle Fälle – Song für einen Mörder

2 für alle Fälle

Vielleicht ist das so ein norddeutsches Ding, aber die Krimi-Komödie mit Jan Fedder und Axel Milberg als ungleiches Brüderpaar hat mir sehr gut gefallen. Regisseur Lars Jessen („Dorfpunks“) verlegt die Handlung hoch an die Nordseeküste und in Husum werden Erinnerungen an längst vergessene Musiker-Ambitionen wieder wach. Milberg als Betrüger und Fedder als frisch pensionierter Polizist machen die fein besetzte Komödie zu einem Vergnügen mit jeder Menge trockenem Humor.

4. Low Lights

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Wie man sich in Vilnius die Zeit vertreiben kann, zeigt die litauisch-deutsche Co-Produktion: Night Cruising – mit dem Auto ziellos durch die Nacht. Ein urbanes Roadmovie, das vor allem von seiner grandiosen Atmosphäre lebt. Regisseur Ignas Miskinis verzichtet weitgehend auf Dialoge und Erklärungen. Begleitet von einem traumwandlerischen Soundtrack entwickelt „Low Lights“ einen faszinierenden Sog. Gilt bei mir als deutscher Film.

3. Vincent will  Meer

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Krankheit als Filmthema ist immer etwas zwiespältig und gerade mit psychischen Leiden geht häufig eine Gratwanderung zwischen Betroffenheit und Beklemmung einher. Ganz anderes dieses Scheiß-Tuorette. Mist, ich meinte den bekloppten „Vincent“-Mist-Film. Was Regisseur Ralf Hüttner („Die Musterknaben“) auf der Grundlage des Drehbuchs von Vincent-Darsteller Florian David Fitz hinlegt, ist einfach mitreißend. Drei junge Anstaltsausreißer auf dem Weg zum Meer. Da meinte sogar mein Arzt (nein, kein Psychiater), die Krankheitsbilder seien trefflich gezeichnet. Und trotzdem (oder gerade deshalb?) ein erfrischender Film.

2. Die Fremde

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Eigentlich wollte Sibel Kekilli nach „Gegen die Wand“ aus dieser Stress-Beziehungs-Drama-Kiste mit Migrationshintergrund raus und dann das: Ein Drama um eine junge deutschstämmige Türkin, die in die Türkei zwangsverheiratet wird. Doch Umay findet sich nicht mit ihrem prügelnden Ehemann ab und geht gegen alle Widerstände und ihre eigene Familie zurück nach Deutschland. „Die Fremde“ ist einfach eine grandiose familiäre Innenansicht, die nicht nur in der Hauptrolle grandios besetzt ist. Feo Aldags Regie-Erstling räumt zu Recht etliche wichtige Preise ab.

1. Metropolis (restauriert)

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Der unerreichbare Filmhammer des Jahres hat schon mehr als 80 Jahre auf dem Buckel, kursierte davon aber den weitaus überwiegenden Teil als gekürzte und verunstaltete Kopie durch die Weltgeschichte. Bis nun endlich die vollständige, restaurierte Fassung von Fritz Langs epochalem Meisterwerk (1927) auf der Berlinale 2010 ihre Weltpremiere feierte. Ermöglicht durch einen Zufallsfund in einem argentinischen Filmarchiv.

Selbst wenn Metropolis inhaltlich aus heutiger Sicht etwas plakativ wirkt, so sind Bilder, Musik und Dramaturgie des Stummfilms doch eine Liga für sich. Und weil bisher kaum ein heute lebender Mensch den Film in dieser Form gesehen hatte, ist „Metropolis“, eines der einflussreichsten Werke der Filmgeschichte, fraglos der deutsche Film des Jahres 2010. Die Dokumentation „Die Reise nach Metropolis“ über die Restaurierungsarbeiten ist ebenfalls sehr sehenswert. Gratulation und Trailer ab.

Top 5: Deutsche Filme 2010

Ach, der deutsche Film. Vielfach geschmäht und doch sitzt die Nation einhellig vor der Glotze, wo massenweise Eigenproduktionen gezeigt werden. Deutsche Kinofilme wären ohne das Fernsehen nicht möglich, folglich kommen hier auch TV-Produktionen in die Wertung. Ich frage mich gerade, ob es legitim ist, einzelne Tatort-Folgen herauszugreifen, oder ob das Wettbewerbsverzerrung wäre?

Immerhin macht der Kieler Kommissar Borowski (Axel Milberg)die Grenzen dessen, was hierzulande noch als Krimi durchgeht, schon ziemlich weit. So war denn auch die Tatort-Folge „Tango für Borowski“, in der Borowski orientierungslos durch finnische Wälder irrt, einer meiner liebsten und verpasst den Einzug in die Top 5 nur knapp. Auch Ulrich Tukur hat einen ganz passablen und eigenwilligen Einstand als Kommissar Murot gegeben („Wie einst Lilly“), vielleicht mit ein bisschen zuviel Attitüde.

Aber deutscher Film kann soviel mehr sein, als die solide Fernsehunterhaltung in der er allzu häufig steckenbleibt. Das wird dann auf mitternächtliche Sendeplätze verbannt und bleibt Außenseiter-Thema. Stattdessen inszenieren wir unsere Nationaldenkmäler als Popstars („Goethe“) oder Spitzensportler mit Spitzensportlern („Max Schmeling“).

Die deutsche Komödie ist dann wieder ein schmerzliches Thema für sich. Dazu einen Bezug aufzubauen, fällt mir ausgesprochen schwer: Häufig zu platt, zu offensichtlich und mächtig gen Kalauer zielend. Eindeutig nicht meine Baustelle. Ich sage nur „Jerry Cotton“. Doch dem Kino-Publikum scheint’s zu gefallen.

Nach dem Action-Film kommt nun also die Betrachtung der heimischen Produktion des Jahres 2010. Kurz und schmerzlos:

Top 5: Deutsche Filme 2010

  1. 2 für alle Fälle – Song für einen Mörder

Vielleicht ist das so ein norddeutsches Ding, aber die Krimi-komödie mit Jan Fedder und Axel Milberg als ungleiches Brüderpaar hat mir gut gefallen. Regisseur Lars Jessen („Dorfpunks“) verlegt die Handlung hoch an die Nordseeküste und in Husum werden Erinnerungen an längst vergessene Musiker-Ambitionen wieder wach. Milberg als Betrüger und Fedder als frisch pensionierter Polizist machen die fein besetzte Komödie zu einem Vergnügen mit jeder Menge trockenem Humor.

  1. Low Lights

Wie man sich in Vilnius die Zeit vertreiben kann, zeigt die litauisch-deutsche Co-Produktion: Night Cruising. Mit dem Auto ziellos durch die Nacht. Ein urbanes Roadmovie, das vor allem von seiner grandiosen Atmosphäre lebt. Regisseur Ignas Miskinis verzichtet weitgehend auf Dialoge und Erklärungen. Begleitet von einem traumwandlerischen Soundtrack entwickelt „Low Lights“ einen faszinierenden Sog. Gilt bei mir als deutscher Film.

http://www.cinetrend.de/artikel/2133/1/LowLights_Durch_die_Nacht_in_Vilnius.html

  1. Vincent will Meer

Krankheit als Filmthema ist immer etwas zwiespältig und gerade mit psychischen Leiden geht häufig eine Gratwanderung zwischen Betroffenheit und Beklemmung. Ganz anderes dieses Scheiß-Tuorette. Mist, ich meinte den bekloppten „Vincent“-Mist-Film. Was Regisseur Ralf Hüttner („Die Musterknaben“) auf der Grundlage des Drehbuchs von Vincent-Darsteller Florian David Fitz hinlegt, ist einfach gut. Drei junge Anstaltsausreißer auf dem Weg zum Meer. Da meinte sogar mein Arzt (nein, kein Psychater), die Krankheitsbilder seinen trefflich gezeichnet. Und trotzdem (oder gerade deshalb?) ein erfrischender Film.

  1. Die Fremde

Eigentlich wollt Sibel Kekilli nach „Gegen die Wand“ aus dieser Stress-Beziehungskiste raus und dann das: Ein Drama um eine junge deutschstämmige Türkin, die in die Türkei zwangsverheiratet wird. Doch Umay findet sich nicht mit ihrem prügelnden Ehemann ab und geht gegen alle Widerstände und ihre eigene Familie zurück nach Deutschland. „Die Fremde“ ist einfach eine grandiose familiäre Innenansicht, die nicht nur in der Hauptrolle grandios besetzt ist. Feo Aldags Regieerstling räumt zurecht etliche wichtige Preise ab.

http://www.cinetrend.de/artikel/2051/2/Chronik_einer_angekndigten_Tragdie_Die_Fremde.html

  1. Metropolis (restauriert)

Der unerreichbare Filmhammer des Jahres hat schon mehr als 80 Jahre auf dem Buckel, kursierte davon aber den weitaus überwiegenden Teil als gekürzte und verunstaltete Kopie durch die Weltgeschichte. Bis nun endlich die vollständige, restaurierte Fassung von Fritz Langs epochalem Meisterwerk (1927) auf der Berlinale 2010 ihre Weltpremiere feierte.

Selbst wenn Metropolis inhaltlich aus heutiger Sicht etwas oberflächlich und plakativ wirkt, so sind Bilder, Musik und Dramaturgie des Stummfilms doch eine Liga für sich. Und weil bisher kaum ein heute lebender Mensch den Film in dieser Form gesehen hatte, ist „Metropolis“, eines der einflussreichsten Werke der Filmgeschichte, fraglos der deutsche Film des Jahres 2010. Die Dokumentation über die Restaurierungsarbeiten ist ebenfalls sehr sehenswert. Gratulation und Trailer ab.

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