Red Cliff: Bildgewaltiges Historienspektakel

„Unerwartete Reisepläne sind die Tanzstunden Gottes“, wusste Bokonon, der von Kurt Vonnegut erfundene Prophet, in „Katzenwiege“. Aktuell ist Urlaubszeit, was liegt da näher, als die Leserschaft mittels Archivanregungen auf cineastische Reisen schicken. Dabei wird es fantastisch, urban, brutal, exotisch und abwegig. Actionregisseur John Woo inszenierte 2008 eine historische Seeschlacht. Das hätte zwar eine große Leinwand verdient gehabt, kam bei uns aber als Home-Entertainment-Premiere auf den Markt.

Im Jahr 208 n. Chr. kam es am Ende der Han-Periode in China zu einer Entscheidungsschlacht zwischen dem nördlichen Kaiserreich und den beiden Königreichen im Süden. Der unerfahrenen Kaiser wird von seinem Premierminister Xiao Xiao in einen Eroberungskrieg gedrängt, doch die Reiche im Süden verbünden sich, um Wiederstand zu leisten. Dabei kommen den beiden Strategen Zhou Yu und Zunge Liang Schlüsselrollen in der Verteidigungsarmee zu.

John Woos chinesische Produktion ist in vielerlei Hinsicht absolut bombastisch und toppt alles, was man hierzulande an historischen asiatischen Schlachtenfilmen so kennt. Mit 148 Spielminuten kommt „Red Cliff“ (Originaltitel: „Chi Bi“) hierzulande als ein Film heraus. In China wurde „Chi Bi“ als Zweiteiler in die Kinos gebracht. Insofern liegt nahe, anzunehmen, dass etwas gekürzt wurde.

Das klappte nicht immer reibungslos und es braucht vom westlichen Zuschauer, der nicht so bewandert in asiatischer Geschichte ist, ein wenig Konzentration, um die handelnden Personen und Parteien auseinander halten zu können. Gleich zu Beginn wird uns allerdings dreimal dieselbe Basisinformation geliefert, jeweils mit anderen Bildern unterlegt, doch inhaltlich fast identisch.

Doch dann entwickelt sich ein Schlachtenszenario, das sich zurecht mit „Hero“, „300“ und „Troja“ vergleicht und es bildgewaltig und sehr actionlastig krachen lässt. Fein choreografierte Kampfszenen wechseln sich mit beinahe meditativen Sequenzen ab und vermitteln so ein Bild der Zeit und der damaligen Kriegskunst.

Einen großen Reiz von „Red Cliff“ macht die völlig unterschiedliche chinesische Kultur aus, die sich logischerweise auch in der Kriegführung und im Lebenswandel der Menschen widerfindet. Dem Europäer mag das bisweilen so fremd erscheinen wie es tatsächlich ist. Wer sich allerdings in die Gedankenwelt hineinversetzen kann, erlebt weit mehr als eine bildgewaltiges Kampfspektakel und tolle Bilder, die sich gerade auf Blu-ray anzuschauen lohnen.

„Red Cliff“ hat handlungstechnisch einige Längen, da der Film für unsere Sehgewohnheiten im Wesentlichen mit der Kriegführung beschäftigt ist. Für chinesische Verhältnisse mag die zarte Romanze von Prinzessin Sun Changxiang mit Zhou Yu einen Handlungsstrang hergeben, für den europäischen Zuschauer ist das wohl zu dezent angedeutet. Auch die Intrigen und Hinterhältigkeiten erschließen sich wie so häufig in asiatischen Filmen eher dezent und hinter Höflichkeit und Ritualen verborgen.

Mit „Red Cliff“ nimmt sich der Star-Regisseur und Action-Spezialist John Woo eines historischen chinesischen Stoffes an und schafft so einen bildgewaltigen Monumentalfilm, der in China zum erfolgreichsten Film aller Zeiten wurde. Die Schlacht an der Roten Klippe war eine der bedeutendsten der chinesischen Geschichte.

John Woo wollte mit „Red Cliff“ eine rein chinesische Produktion schaffen und seiner Heimat etwas zurückgeben, und das ist ihm auch gelungen. Die DVD-Premiere ist also nicht mit „Face /Off“, „Mission Impossible 2“ oder anderen Hollywoodarbeiten Woos zu vergleichen, aber immer noch ein sehr sehenswertes Stück Film.

Film-Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Red Cliff
OT: Chi bi
Genre: Historisches, Drama, Kriegsfilm,
Länge: 143 Minuten, VRC, 2008
Regie: John Woo
Darsteller: Tony Chiu-Wai Leung, Takeshi Kaneshiro, Fengyi Zhang
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Constantin Film
Kinostart: Nicht in Deutschland
DVD- & BD-VÖ: 5.11.2009

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