Die Freien Bastarde: Kriegswirren und magische Krieger

Wer Jonathan Frenchs Fantasy-Saga „Die geteilten Lande“ bislang verfolgt hat, wird sich auf den finalen dritten Band ebenso freuen wie der Rezensent. Inzwischen ist der Krieg in eben jenes Ödland eingezogen, das die Halborks als ihre Heimat beanspruchen: „Die Geteilten Lande“ aka „ul-wundulas“. Aus den einstigen Rottenfreunden Schakal, Augenweide und Vollkorn sind mächtige Krieger geworden. Panini Books veröffentlicht das Finale der „Die geteilten Lande2-Trilogie Ende November 2023. Auf geht’s in die entscheidenden Schlachten.

Zuvor allerdings einleitende Worte. Bei fortlaufender Handlung bemüht sich der Schreiberling, nicht allzu viel zu verraten, um den Lesespaß für zukünftige Leser möglichst hoch zu halten. Allerdings gelten bisherige Ereignisse nicht als Spoiler und müssen möglicherweise erwähnt werden, um die aktuelle Handlung zu beschreiben.
Weiterhin der ernst gemeinte Hinweis, dass es zwar möglich ist, mit dem Abschlussband in die Trilogie „Die geteilten Lande“ einzutauchen, aber sinnlos. Insofern sollten Fantasy-Freund:innen zumindest auf die Buchvorstellungen von „Die Grauen Bastarde“ und „Die Wahren Bastarde“ zurückgreifen. Soviel dazu. auf geht’s.

Was bisher geschah

Einst waren die Mischlinge von Orks und Menschen zur Sklaverei verdingt im menschlichen Königreich Hisparta. Dann griffen die Orks an und ausgerechnet die Mischlinge, die Halborks waren kräftig und robust genug, gegen die Orks zu kämpfen. Zum Dank wurde ihnen vom Königreich das Grenzgebiet zum Orkland als Heimat zugesprochen. Die Geteilten Lande.

Die Halborks sind in mehr oder minder zahlreichen Rotten organisiert und die Grauen Bastarde wurden von einem der Veteranen der Orkkriege angeführt, dem Lehmmaster. Doch der wurde von einer fürchterlichen Krankheit scheinbar in den Wahnsinn getrieben. Daher begehrte der junge Bastard Schakal auf und forderte das Amt des Häuptlings für sich. Das ging irgendwie in die Hose, auch weil ein fremder Zauberer namens Schlitzohr, sich in die Angelegenheit einmischte.

„Mehr Männer, mehr Pferde, mehr Proviant für sie (die Cavalleros). Du hast eine Zauberin getötet, Augenweide. es werden mehr kommen.“ (Schlitzohr)

Zum Ende von Band 1 ist der Zwietrachtsäer Schlitzohr verschwunden und Schakal verstoßen. Seine Freunde Vollkorn und Augenweide bleiben bei den arg geschwächten Bastarden zurück. Augenweide ist nun Häuptling. Und eben diese Aufgabe kann sie in Band 2 „Die wahren Bastarde“ nur bedingt ausfüllen. Denn die anderen Rottenhäuptlinge akzeptieren die Frau nicht als eine von ihnen.

Doch Augenweide hat ein dunkles Geheimnis, das ihr große Kraft verleiht. Es gelingt ihr, die Bastarde als Rotte zusammen zu halten und aus der zerstörten und gefährdeten Heimstadt in sichere Gefilde zu lotsen. Außerdem gelingt es den Halborks mit Hilfe von Halblingen und deren Göttern eine übernatürliche Bedrohung aus dem Orkreich abzuwehren. Doch das mürrische Reich Hisparta ist geweckt und will die Geteilten Lande zurückerobern. Gegen Ende von „Die Wahren Bastarde“ taucht Schakal mit unerwarteten Verbündeten auf.

Nun zu Beginn von Band Drei „Die Freien Bastarde“ ist das Rampenlicht auf Vollkorn gerichtet. Er muss etliche gefangenen Halborks aus Hispartas Stützpunkten in den Geteilten Landen retten. Dabei hadert das Dreiblut immer wieder mit seinem Gewissen und seiner Schuld. Und mit seiner elterlichen Liebe zu einem Menschenjungen namens Muro, der als Waisenkind in jenem Bordell groß geworden ist, in dem die Ereignisse der Saga ihren Anfang fanden.

„Es schmerzt mich zu sagen, dass du und Schakal nicht genug seid, um sie aufzuhalten. Hisparta hat seine Eigenen Hhampions, mit Armeen, die sie beschützen.“ (Schlitzohr)

Während Vollkorns Kindheitsfreunde Schakal und Augenweide zu mächtigen Kriegern mit magischen Fähigkeiten geworden sind, muss sich Vollkorn allein auf seine angeborene Kraft verlassen. Zwischenzeitlich hat er als Gladiator in den Klauen Hispartas die Halblingsfrau Xhreka begleitet und beschützt. Doch Xhreka hat ebenfalls ein mächtiges Geheimnis und ist verschwunden, um dem Zorn ihres Gottes zu entgehen.

Als der verhasste Schlitzohr wieder auftaucht, haben sich dessen Pläne geändert. Er biete den Halborks und deren Königin Augenweide an, zusammen gegen Hisparta zu kämpfen. Er würde nun im Namen des Imperiums Tyrkanien agieren. Dem sei nicht an den Geteilten Landen gelegen, wohl aber am Niedergang Hispartas. Vollkorn hat nun die undankbare und verhasste Aufgabe, seinem Häuptling Augenweide das Angebot zu überbringen, das man nicht ausschlagen kann.

Vor allem, weil sich die Kriegshandlungen zuspitzen. Hisparta greift mit einer verzauberten Kriegerin an und marschiert nach ul-wundulas ein. Die Halborks flüchten mit Schiffen in ihre erste Festung an der Küste. Dort stellt sich die Streitkraft neu auf und entwickelt einen Schlachtplan.

Aber der Autor führt mit ruhiger Hand und mit gutem, weil oft genug überraschendem Timing auch die Handlung konsequent weiter. Und etwa nach einem Drittel der rund 600 Seiten kommen die unterschiedlichen Handlungsfäden soweit zusammen, dass ein großes, kriegerisches Finale am Horziont seine Schatten wirft.

Autor Jonathan French ist ein pfiffiger Erzähler und es gelingt ihm gleich zu Beginn des dritten Teils actionlastig und temporeich in die Geschichte einzusteigen. Wer das Fantasy-Epos bisher verfolgt hat, konnte ahnen, dass der finale Teil aus Vollkorns Perspektive erzählt wird und auch, dass dessen Entwicklung im Focus der Story steht.

„Die Sultane wollen diese Ländereien nicht. Wenn es so wäre, würdet ihr jetzt schon in Ketten liegen.“ (Schlitzohr)

Bis dahin allerdings ist es keine träges, aber eher eindimensionales Lesevergnügen, denn Vollkorns Rettungsmission und die Kämpfe, die diese mitbringt nehmen großen erzählerischen Raum ein. Das ist plausibel, um auch den dritten aus dem eingeschworenen Bastard-Trio aufschließen zu lassen, aber es täuscht nicht darüber hinweg, dass währenddessen nur häppchenweise weiterführende Storyelemente eingeschoben werden.

Fans – wie den Rezensenten – wird das nicht stören, es sei aber doch erwähnt. Denn gerade der zweite Band unterschied sich wohltuend von herkömmlichen Trilogien, weil langwierige Handlungs-konstruktionen nicht notwendig waren. Wie dem auch sei, „Die freien Bastarde“ nimmt wohlgetimt Fahrt auf und wieder einmal wird Jonathan Frenchs Fantasy-Welt ein Stück größer und abwechslungsreicher. Bisweilen habe ich eine geografische Übersichtskarte vermisst, weil es immer mehr Schauplätze gibt, aber die geneigte Leserschaft kriegt die Landschaften schon zusammengesetzt.

Nachdem auch der Dritte Im Bunde der Halbork-Bastarde seine Zeit im erzählerischen Rampenlicht hatte, bringt Autor Jonathan French kraftvoll und temporeich zu Ende, was er in „Die Grauen Bastarde“ fulminant begann. Sprachlich robust und erzählerisch packend bestehen diese rauen Kerle mit ihren Gang-Riten zwischen Krieg und Magie. „Leb auf den Keiler. Stirb auf dem Keiler.“

Roman-Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

Die Freien Bastarde – Die geteilten Lande, Band 3
OT: „The Free Bastards“ – „The Lot Lands“ Book 3, USA, 2021
Genre: Fantasy, Roman,
Autor: Jonathan French
Übersetzung: Helga Parmiter
ISBN: 978-3-8332-4398-1
Verlag: Panini Books, Broschur, 626 Seiten
VÖ: 21.11.2023

„Die Freien Bastarde“ bei Panini

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