Arrietty: Vergiss den Zucker nicht

Zum Auftakt des #Anijanuar bei brutstatt.de ein moderner Klassiker. „Arrietty“ von 2011. „Die Geschichte der „Borger“, jenes kleinen Völkchens das mit uns Menschen lebt und sich „ausleiht“, was es zum Leben braucht, würde schon häufiger Filmisch umgesetzt. Das japanische Animationsstudio Ghibli „Arrietty“ bringt nun erstaunlicherweise die erste Zeichentrick-Fassung ins Kino. Herausgekommen ist ein überzeugendes und spannendes Kinderabenteuer.

Es hat sich bewährt das Film-Archiv zu durchforsten. Die Wörter wollen auch wieder online sein. Dazu auch im Januar 2023 ein Motto: #Anijanuar. In den kommenden Wochen gibt es immer wieder Rezensionen zu allem was mit Zeichentrick zu tun hat. Den Anfang macht ein Klassiker vom wohl berühmtesten japanischen Animationsstudio überhaupt: Studio Ghibli. Gegen Ende 2022 ist bei Panini-Comics ein Kompendium mit allen Ghibli-Filmen erschienen. Die Ghibliothek. Auch zu „Arrietty“ gibt es dort einen Eintrag. Hier aber meine Film-Kritik zum Kinostart 2011.

Der zwölfjährige Sho ist krank und soll den Sommer bei seiner Großtante verbringen, um sich zu erholen. Gleich bei seiner Ankunft entdeckt er im Gras ein kleines menschenähnliches Wesen, das ihn fasziniert. Arrietty, so heißt die junge Dame, ist selbst noch jung und hat sich unvorsichtigerweise in den Garten gewagt.

Eine kleine versteckte Welt

Dabei ist die Welt der kleinen Wesen, die sich Borger nennen, bedroht, nicht nur von Tieren sondern auch vom Menschen. Außer Arriettys Familie leben in der Umgebung des Hauses keine Borger mehr. Wenn sie entdeckt werden, müssen sie sich eine neue Heimat suchen, weshalb die Borger den Kontakt zu den Menschen meiden.

Zum ersten Mal darf Arrietty ihren Vater auf einen Streifzug ins Haus begleiten, um sich Zucker und andere Leckereien bei den Menschen zu borgen. Doch dabei wird sie erneut von Sho entdeckt. Während der Vater nun ein neues Zuhause für die Familie sucht, freundet sich Arietty mit dem Menschenjungen an. Sho ist allerdings nicht der einzige, der von der Existenz der kleinen Wesen weiß.

„Arrietty“ inszeniert die Motive der weltberühmten Kinderbücher der englischen Autorin Mary Norton in einer wunderbar animierten und auf ein junges Publikum zugeschnittenen Filmversion. Die neueste Produktion des weltberühmten Studio Ghibli („Chihiro“, „Prinzessin Mononoke“) überzeugt dramaturgisch wie handwerklich. Das Drehbuch stammt von Altmeister Hayao Myazaki, doch die Regie übernimmt bei „Arrietty“ Hiromasha Yonebajashi.

Anders als bei den bisherigen Verfilmungen der Borger (2 TV-Serien, 1992 & 1993, und „Ein Fall für die Borger“, 1997) steht bei der Ghibli-Verfilmung nicht das humoristische Element im Vordergrund, sondern die Abenteuergeschichte des jungen Mädchens an der Grenze zum Erwachsenwerden. Das steht „Arrietty“ gut zu Gesicht und das Konzept geht auf. Auch die eigentlich naheliegende Zeichentrickversion des bisher nur realverfilmten Stoffes ist sehr gelungen. Die Perspektivverschiebung durch den Größenunterschied zur Menschenwelt ist unaufdringlich eingeflochten und doch immer wieder erstaunlich inszeniert.

Es ist zwar ein wenig schade, dass „Arrietty“ anders als (fast) alle Ghibli Produktionen weniger Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit aufweist, die die Ghibli-Abenteuer auch für ein erwachsenes Publikum faszinierend machen, aber als anspruchsvolle Jugend- oder auch Familienunterhaltung ist „Arrietty“ sehr gelungen.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Arrietty
OT: „Karigurashi no Arietty“ aka „The Secret Life of Arriety“
Genre: Zeichentrick, Märchen, Abenteuer
Länge: 94 Minuten, J, 2011
Regie: Hiromasa Yonebayashi
Vorlage: Mary Norton: Die Borger (1952)
FSK: ohne Altersbeschränkung, ab 0 Jahren
Vertrieb: Leonine, (Universum)
Kinostart: 02.06.2011
DVD- & BD-VÖ: 11.11.2011

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