Ansichten am Donnerstag # 61: Sklaverei und Freiheit

Sklaverei. Ist das heutzutage (2013) überhaupt noch ein Thema? Wenn es nach Hollywood geht, dann ja. Immerhin beschäftigen sich zwei der heißesten Oscar-Favoriten 2013 mit dem Thema, wenn auch auf höchst unterschiedliche Weise. Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit und muss auch heutzutage immer wieder beschützt werden.

Während sich Steven Spielbergs „Lincoln“ eher abstrakt mit dem Thema Sklaverei auseinandersetzt, haut einem Quentin Tarantinos „Django Unchained“ die ganze Wut der unterdrückten Farbigen um die Ohren. Auf den ersten Blick scheint es eine klare Sache, dass die Filme auf etwas ganz Verschiedenes hinauswollen. Beide Filme Kämpfen allerdings für dieselbe Botschaft wie schon der friesische Pidder Lüng in seinem Protest gegen die Obrigkeit: „Lever duod üs Slaav“.

Sowohl „Lincoln“ als auch „Django Unchained“ zeigen deutlich, dass die amerikanische Gesellschaft noch immer damit beschäftigt ist, dieses finstere Kapitel der Geschichte aufzuarbeiten. Wir vergessen derweil immer wieder, dass auch Deutschland Kolonien hatte und sich gegenüber dem Kaffer, wie man damals gemeinhin den Herero aus Deutsch-Südwest nannte, schuldig gemacht hat.

Wir bekommen das allerdings auch nicht so plakativ und eindrücklich aufbereitet wie der Amerikaner. Hierzulande muss man sich die Nebenfiguren der TV-Familiensaga „Das Adlon“ anschauen, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie es zuging als Zoodirektor Hagenbeck noch Neger ausstellte, weil sie so schön exotisch waren.

Django zahlt heut‘ nicht im Adlon

Nu je, die Zeiten sind zum Glück vorbei. Und in der TV-Saga handelt es sich bei dem farbigen Hausmädchen Galla auch nicht um eine Sklavin, sondern um eine Überlebende, die der Hausherr auf seinen Expeditionen gerettet hat. Er immerhin bringt vor dem Ersten Weltkrieg den Schwarzen Respekt entgegen und weist einen Ministerialrat darauf hin, dass die Kaffer eben Hereros sind.

Womit wir wieder beim ewigen Genörgel sind, der deutsche Film sei kleinkariert, bieder und vor allem mehr oder minder besseres Fernsehen. Leider hat das Kinojahr 2012 kaum anderes gezeigt. Vielleicht sollte man auch bei uns historische Filme von größerem Format drehen und so das Geschichtsbewusstsein der Bevölkerung mit Unterhaltung paaren. Der Finne dreht ja auch Western, die eigentlich eher Heimatfilme sind.

Aber lasst bitte Potato Fritz in der Mottenkiste. Es muss ja nicht immer allzu politisch korrekt sein, wie „Django Unchained“ nachdrücklich zeigt. Oder um es mit einer Abwandlung des alten O.B. Slogans zu formulieren: dieses kleine Stück Film hat mehr vielleicht mehr für die Freiheit und das Selbstbewusstsein der Schwarzen getan, als jedes andere Produkt.

Viel Spaß im Kino.

(Ursprünglich veröffentlicht bei cinetrend.de, 31.01.2013)

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