Ansichten am Donnerstag # 42: TV Diner mit Bio

Normalerweise mache ich mir inzwischen keine Gedanken mehr über das Fernseh-Programm. Aber während „Brüno“ die Leinwände der Republik unsicher macht, verschleudern öffentlich-rechtliche Sendeanstalten eine TV-Premiere nach der anderen. Muss man sich da wundern, wenn der Zuschauer weg bleibt?

Stein meines Anstoßes ist aktuell die Komödie „Little Miss Sunshine“. Da hat man schon endlich mal von den mickrigen Gebührengeldern einen Top-Film eingekauft und muss sich mal nicht hinter der schieren Finanzgewalt der Privatsender verstecken und dann das: Eine familientaugliche Erfolgskomödie ohne Altersbeschränkung als TV-Premiere am Donnerstagabend um 23:30 Uhr???

Da glaube ich doch als Fernsehzuschauer (und auch als Gebührenzahler) ich steh im Wald! Das ist eine dermaßen ignorante Verschwendung von Potential, dass es meine Cineastenseele quält. Stattdessen Biolek zu zeigen ist auch immer toll, und wir sicherlich auch eine souveräne Quote zustande bringen. Aber man hätte „Little Miss Sunshine“ ja auch an einem anderen Tag ausstrahlen können.

Programmplanung bei TV-Sendern

Als das ZDF „Batman Begins“ um die Weihnachtstage ausstrahlte, waren ganze Innenstädte plakatiert und man hatte das Gefühl dem TV-Sender wäre ein ganz, ganz toller Coup gelungen. Zugegeben „Miss Sunshine“ ist eine Independent-Komödie und spielt in einer anderen Liga als „Batman“, aber das ist definitiv Primetime-taugliches Fernsehfutter.

Jetzt zu argumentieren, dass sowieso jeder, den das interessiert, einen Recorder hat und kaum noch jemand Live-Fernsehen schaut, wäre an der Sache vorbei. Das ist schlicht inkompetente Programmpolitik. So mutwillig, dass ich mich tatsächlich frage, ob man sich nicht traut, die amerikanische Komödie zu einem populäreren Termin auszustrahlen, damit niemand merkt wie durchschnittlich die normale selbstproduzierte TV-Spielfilmkost (fast aller) deutschen Sender ausfällt.

Na ja, dann nehme ich eben meine einsame Mahlzeit vor dem Fernseh-Gerät zusammen mit Alfred Biolek ein, der zu den wirklich verdienstvollen und risikobereiten TV-Machern hierzulande gehört. Immerhin, war es Herr Biolek, der Monty Python für das deutsche Fernsehen entdeckte und sogar deutschsprachige Folgen mit der Komiker-Truppe gemacht hat.

Dafür gebührt ihm ewiger Dank. Allen die heute nicht solidarisch fernsehen schauen:
Viel Spaß im Kinö.

(ursprünglich veröffentlicht bei cinetrend.de, am 09.07.2009)

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