Schöne Töne am 18.03.2022

Lange kein neues Ohrenfutter mehr vorgestellt. Sorry dafür. Mea culpa. Nun also kommt der Frühling mit Licht und Wärme, die allgemeine pandemische Lage spitzt sich wieder zu und der Krieg in der Ukraine dauert noch immer an. Das hat direkte Auswirkungen auf das musikalische Geschehen und vor allem das Auftrittsgeschehen dieser Tage. Aber dazu gleich mehr. Neue und alte Musik von Matt Steady, Hathors, Erroll Garner, A-ha, Samavayo und Déhà & Marla van Horn.

Nun hat es tatsächlich ewig gedauert wieder neue und interessante Musik zu präsentieren. Das liegt weniger daran, dass nichts zu finden wäre, als schlicht daran, dass die Recherche jedes Mal so aufwendig ist, als würde ich jeweils ganze Alben vorstellen. Schließlich geht es ja auch darum, Mehrwert in Form von Information und Zusammenhang zu schaffen. Jammern hilft nicht! Die Musiker:innen und alle Kulturschaffenden und Veranstaltenden haben es aktuell wesentlich schwer.

Samovayo & Hathors

Die Berliner Stoner Rocker von Samavayo (Band-Homepage, Bandcamp, Youtube, Facebook) haben zwar gerade erst ein neues Video zu ihrem am 25.März 2022 erscheinenden Album „Payan“ (Besprechung kommt) veröffentlicht, aber die für April Tour mit den ukrainischen Kollegen von „Stoned Jesus“ wird wegen des furchtbaren Kriegsgeschehens abgesagt. Wann und ob dafür Ersatztermine gefunden werden, bleibt fraglich. By the Way: Noisolution feiert den Label-Geburtstag Anfang April mit einem kleinen aber feinen Festival im heimischen Berlin Kreuzberg. Hier also „Transcend!Exceed!“

Bleiben wir gleich bei den Noisolution Labelmates Hathors (Band-Homepage, Bandcamp, Youtube, Facebook). Das schweizer Trio hat ebenfalls für Mai ein neues Album angekündigt und daraus vorab die schmissige Video-Single „In The Valley“ ausgekoppelt. Eingängiger Refrain, etwas zynischer Text und eigenwillige Bebilderung, tatsächlich an Originalschauplätzen aufgenommen. Hier ist „In the Valley“.

A-ha

Ebenfalls an Originalschauplätzen und Auf Tour aufgenommen ist die sehenswerte A-ha Doku „A-ha The Movie“ die heute in der Edition Salzgeber für den Hausgebrauch und als Stream veröffentlicht wird. Ich habe den Film seinerzeit zum Kinostart vorgestellt und die Jungs haben definitiv ihre Probleme. Immerhin gab‘s bei A-ha (Band-Homepage, Youtube, Facebook) 2015 ein Reunion-Album mit Tour und „Objects in the Mirror“ von „Cast in Steel“ hat durchaus alte poppige Qualitäten und ein sehr schönes Video.

Machen wir gleich mit dem nächsten (in dieser Kolumne) unerwarteten Klassiker weiter. Letzte Woche hatte ich eigentlich vor Alain Toussaints selbstbetiteltes Soul-Erfolgsalbum vorzustellen, bin aber nicht dazu gekommen. Zeitgleich habe ich mir aber den folgenden Tonträger als absolutes Schnäppchen zugelegt, quasi aus der Grabbelkiste. Dass „Erroll Garner – „ Concert by The Sea“ dort gelandet ist, liegt schlicht und einfach daran, dass mein Musikladen, die Plattenkiste Hamburg, für diese Art von Musik kaum Publikum hat.

Erroll Garner

Das großartige Konzert von 1955 sollte wegen des nicht eben hoch fidelen Sounds erst gar nicht veröffentlicht werden. Aber die musikalische Qualität des beliebten Jazz-Pianisten setzte sich dann doch durch, der mit seinem Trio aus Schlagzeuger Eddie Calhoun und Bassist Denzil Best zu absoluter Hochform aufläuft. Im Jahr 2015 wurde das komplette Konzert als 3CD-Box veröffentlicht.

Zugegeben, Garner (Offizielle Webseite, Wikipedia-Eintrag) wurde gefragt, ob er für die US-Truppen aufspielen würde, die in der Nähe von Carmel on Sea in Kalifornien stationiert waren, aber der Mitschnitt des Auftritts, gilt als erste Jazz-platte die eine Millionen Stück verkaufte und brachte Jazz als musikform einer Hörerschaft näher, die bislang wenig damit am Hut hatte.

Meine Liebste kann das „Geklimper“ auch nur schwerlich wertschätzen, aber wer auf der Suche nach „neuen“ Impulsen ist, ist immer auch gut beraten, bei den Klassikern und außerhalb der eigenen Komfortzone zu stöbern. Und seien wir ehrlich, Jazz hat seinen Charme ohnehin schon so lange verspielt wie Heavy Metal mehrheitsfähig ist. Hier also „“Where or When“ von eben jenem Ausnahme-Auftritt.

Auftritte, Gig, Shows. Eben das, was Musik zu einem Gemeinschaftserlebnis macht, sind seit der Covid19-Pandemie eine wirklich komplizierte Angelegenheit geworden. Umso mehr freut es mich, dass Songwriter Matt Steady (Homepage, Bandcamp, Youtube, Facebook) für morgen, den 19. März 2022, ein Konzert angekündigt hat. Matt spielt bluesigen keltischen Folk, meistens als Solo-Künstler aber auch mit Band „The Grace Maschine“. Deren aktuellstes Album „New Burying Ground“ ist vom vergangenen Herbst.

Matt Steady

Das kleine Event in Leicester, Großbritannien mag noch für die eine oder andere zugänglich sein, aber über Matts Facebook-Profil findet sich ein Link zum Live-Stream der zwischen 7 – 9 englischer Zeit beginnen soll. Da gibt’s bestimmt mächtig Stimmung, schließlich hat Matt angekündigt, die Performance für ein Live-Album aufzunehmen. Der umtriebige und sympathische Musiker ist eigentlich überall auf Social Media zu finden.
Zur Einstimmung gibt es hier Matts aktuelles Video zu „Glimpse“.

Abschließend, geht es noch auf atmosphärische Abwege. Der Brüsseler Multi-Instrumentalist „Déhà“ (Bandcamp) hat sich post-metallischen Ambient Sounds verschrieben und für das aktuelle Album „Earth and her Decay“ hat sich „Déhà“ mit der Sängerin Marla Van Horn (Bandcamp) zusammengetan, die ebenfalls Dark Ambient macht. Video gibt’s keins, aber einen Bandcamp Audiofile für „Dust and Rain“. Passt ja zu dem Saharastaub, der gerade zu uns geweht wird und mir gestern das Bike zutropfte.

Ich könnte mich an dieser Strelle noch darüber auslassen, das Bandcamp von einer Gaming Firma aufgekauft wurde, aber beide Seiten haben ja ebenso routiniert wie floskelhaft beteuert, dass sich für Bands und Fans nichts ändern soll. Die Plattform ist für Eigenvertrieb und Globales Marketing und Künstlerkontakt nach wie vor sehr stark, aber ich kann es nicht oft genug sagen: Support your local Scene! Support your local Dealers!

Bleibt gesund, bleibt sauber, bleibt laut, bleibt leidenschaftlich. Wir hören und lesen uns.

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