Beachheads – II: Album Review

Der verregnete Februar und die aktuelle geopolitische Lage können einem schon die Laune verhageln. Musik war schon immer ein Allheilmittel und wer gegenwärtig auf dem letzten Ende an akuten Winterblues laboriert, kann sich auf einen Tonträger aus Norwegen freuen. Aus dem Umfeld der „Kvaelertak“-Metaller kommt eine flotte Pop-Punk-Perle der Formation Beachheads wie der überraschende Steilpass in die Tiefe des Raumes.

Man möchte klischeemäßig meinen, der Skandinavier an sich hätte gelernt sich die gute Laune in langen dunklen Wintern zu erhalten. Ist natürlich Quatsch; da oben im Norden gibt‘s genauso den Hang zur Winterdepression. Vorbehaltlich besseren Wissens wüten die einheimisch singenden Schwermetaller von „Kvaelertak“ daher gegen den Würgegriff aus Kälte, Lichtlosigkeit und Einsamkeit.

Für die „Beachheads“ ist das insofern bedeutsam, als dass der Musiker an sich nicht immer nur wütend ist und auch mal frohgestimmter musizieren mag. So haben sich Basser Marvin und Vidar, einer der drei Kvaelertak-Gitarristen, schon vor Jahren zu einem „Spaßprojekt“ zusammengefunden. Mit dabei außerdem Schlagwerker Espen Kvaløy und Sänger Børild Haughom, der sonst den Merch für die Rocker macht.

Seit 2013 sind die Beachheads am Start und haben 2017 ein vielbeachtetes Debut auf den Markt geschmissen, das sich dem melodiösen Garagen-Punk verschrieben hat. Nun kommt nach fünf Jahren Nachschub, wohl auch deshalb, weil selbst im wenig besiedelten Norwegen pandemiebedingt die Künstler noch Kapazitäten zur Verfügung haben bzw. hatten, da Auftritte und öffentliche Aktivitäten flachgefallen sind. Da kann man sich ebenso gut mit Kumpels in Stavanger im Proberaum verkriechen oder in einem Olsoer Studio.

Eine Bemerkung dann doch noch zum vermeintlich partykompatiblen Bandnamen. Für sich genommen bedeutet der englische Ausdruck „Beachhead“ eine Art militärischer Brückenkopf, der an der Küste eingerichtet ist, um den Truppentransfer zu sichern und organisieren. Im musikalisch-künstlerischen Zusammenhang kommen noch die Bedeutungsebenen dazu, welche die Hörerschaft ganz automatisch verknüpft: Da wäre die Nähe zu den Beach Boys und selbstredend liegt auch der „dickhead“ nahe. Irgendwo in diesem Assoziationsfeld ist auch die Musik zu verorten.

„II“ hat eigentlich alles was eine flotte Pop-Punk-Scheibe braucht – inklusive der beiden naheliegenden Kritikpunkte: zu kurze Spieldauer und (fast) nervtötende Eingängigkeit. die Band selbst bezeichnet ihre Musik übrigens als Powerpop. Songs, die einen einfangen, sind an sich kein Verbrechen, und der Hang zur Melodie bricht sich auch bei harten Kerlen mal Bahn. Auf dem ein oder anderen Roskilde-Festival in Dänemark ist mir auch aufgefallen, dass der Skandinavier an sich das generationsübergreifend und mehr oder minder vorbehaltlos feiert. Immer und immer wieder.

Die Beachheads stechen in dieser Tradition nun nicht sonderlich heraus, machen ihrer Herzensangelegenheit aber handwerklich mit Bravour und produktionstechnisch mit dem Maß an Schnoddrigkeit, dass der Zucker (meistens) nicht in den Speakern kleben bleibt. Das gefällt mit zunehmenden Durchläufen immer besser und hat Potential zur Heavy Rotation und zum Strandausflug im Cabrio, im Camper oder auf der Mofa.

Los geht’s mit dem Opener „Break it off“ der noch recht bissig daherkommt, noch nicht so ganz strandentspannt, eher so leicht genervt im Stau vor‘m Parkplatz, aber die Vorfreude ist schon da; zugänglich und catchy. „Jupiter“ hatte ich neulich schon bei den „Schönen Tonen vom 18.2.“ vorgestellt. Nette Nummer, die sich schon in Indie Rock Gefilde schlendert. Bei „Change“ werden dann verstärkt Einflüsse aus den 60ern hörbar. Über einem glorreich groovenden Riff thront ein irgendwie hitverdächtiger Refrain. „Nothing“ wagt sich dann eindeutig in die Schnulzengegend. Mir ist das dann etwas zu schmalzig und beim folgenden „Down South“ halluziniere ich bereits Alphavilles Synthie-Pop-Hit „Forever Young“ dazu. Ähnlichkeiten zu Morten Harkets A-ha-Gesang hörte ich da ohnehin schon immer. Die Kollegen sind ja ebenfalls Norweger.

„Shine“ ist dann eher College-Rock als Surf-Punk und erinnert gesanglich und in der Songstruktur an poppige Nada Surf, was nicht unbedingt eine abfällige Referenz ist, im Gegenteil. Abstruserweise erinnert mich Nummer sieben „Death of a Nation“ dann nicht nur wegen des Titels an „The (International) Noise Conspiracy“. Die Band von Refused-Sänger und Punk-Ikone Dennis Lyxzén gehörte schon immer zu meinen Lieblingen. Das geplingte Intro von „Live and let Live“ könnte auch bei Manu Chao abgeguckt sein, aber das hörst du selbst, wenn der Song anfängt.

Gegen Ende kommt mit „10 000 Hurts“ noch eine Reminiszenz an einen Bad Religion in groovendem Midtempo zum Zug, die schon wieder wie Beach Boys auf Speed klingt und mit einer Ode an die Freude „Oh Joy!“ ist dann auch Schluss mit abhängen am Strand und ein kühles Bad täte jetzt gut.

Irgendwo auf der Scheibe bin ich über die Textzeile „Don’t let us down to make a sound“ gestolpert. Musste grinsen und weiß, dass dieser irgendwie typisch skandinavische Powerpop ebenso radiotauglich wie szenekompatibel ist. Geht immer und wächst mit jedem Durchlauf. Bis zum Sommer ist es nicht mehr weit.

Album-Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

Beachheads – II
Genre: Pop-Punk
Länge: ca 29:30 Minuten, N, 2022
Interpret: Beachheads
Label: Fysik Format
Vertrieb:
Format: Digital, Vinyl, CD
Album-VÖ: 04.03.2022

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