The Future: Torschlusspanik?

Gerade ist mir der aktuelle Spielfilm von Miranda July, „Kajillionaire“ wieder vor die Füße gefallen, da habe ich mal im Archiv gekramt. Hier also die Rezension des zweiten Riegie-Langfilms „The Future“, der 2011 hierzulande in die Kinos kam. In den USA gilt Miranda July als künstlerische Pop-Ikone, die sich mit Musik, Filmen, Performances und im Multimedia-Bereich austobt, was das Zeug hält. Meistens wird die Künstlerin abgefeiert und auch als Filmmacherin kann Sie überzeugen. Film Nummer zwei „The Future“ wurde dagegen eher verhalten aufgenommen. Warum eigentlich?

Sophie (Mirandy July) und Jason (Hamish Linklater) sind ein Slacker-Paar, das seit einigen Jahren zusammen ist. Die Mittdreißiger, hausen in ihrer kleinen Wohnung; er verdient mit Telefonsupport für eine Computerfirma seine Brötchen, sie ist Tanzlehrerin. Das geht schon eine Weile so und das Paar befindet, dass es für die nächste Ebene ihrer Beziehung bereit ist: Die Adoption einer kranken Katze.

Doch als die Ärztin im Tierheim den beiden das Tier noch nicht sofort mitgeben kann, setzt die Panik ein. Denn das Tier muss noch einen Monat lang versorgt werden und könnte dann bei guter Pflege locker noch fünf Jahre leben. Jason rechnet mal eben aus, dass sie in fünf Jahren beide über Vierzig sind und das sei ja so ähnlich wie Fünfzig, also praktisch nur noch Gnadenbrot des Lebens, da geht dann nix mehr. Also bleibt dem Paar noch genau ein Monat, um zu leben. Leben! Sich Träume erfüllen, tun, was man für wichtig hält, sich vervollkommnen und etwas Sinnvolles leisten. Na dann mal los.

Während Jason nun hausieren geht, um den Bürgern von Los Angeles Bäume zu verkaufen, die sie pflanzen können, will sich Sophie endlich künstlerisch ausleben und nimmt sich vor in 30 Tagen 30 Tänze ins Internet zu stellen. Dabei verlieren die beiden unmerklich ihre Beziehung aus den Augen.

Regisseurin Miranda July erzählt im Making of, dass die Idee für „The Future“ aus einer Performance entstanden ist. Auf der Bühne sei diese Vision einer Zukunftsangst noch sehr abstrakt gewesen, so dass sie den Film genutzt habe, um die Gefühle und Stimmungen in einen konkreten Handlungsrahmen zu übertragen und so verständlicher zu machen. Das gelingt „The Future“ unglaublich grandios. Wer sich allerdings nicht für die Befindlichkeiten kinderloser amerikanischer Mitdreißiger mit Hang zum Individualismus interessiert, wird wohl auch mit „The Future“ nichts anfangen können.

Wie auch immer: „The Future“ schafft es aus einer, gelinde gesagt, absurd niedrigen dramatischen Fallhöhe eine hinreißend originelle Tragikomödie zu machen, in der sich der Humor zu erstaunlichen Blüten auswächst und so zwar nicht immer brüllen komisch ist, aber zumeist charmant absurd. Daneben gelingt es dem Film mit erstaunlich geringem stilistischem Aufwand sehr originelle Bilder zu finden, um die jeweiligen Gefühlslagen der Personen auszudrücken. Wie es Dave Warshofsky (Marshall) ausdrückt: nicht jeder kann mit sprechenden Katzen etwas anfangen. Und nicht jeder fällt vor Lachen aus dem Sessel, wenn Sophie mit einiger Verzögerung aus dem Fenster brüllt. Aber originell ist beides in jedem Fall.

Zugegeben, den damaligen Hype um Miranda July habe ich ignoriert und die Befindlichkeiten von Mitdreißigern sind mir auch eher gleichgültig, aber „The Future“ bringt eine Art Zukunftsangst so auf dem Punkt, dass der Zuschauer Verstörtheiten emotional nachvollziehen kann, wenngleich sich das nicht rational erschließt. „The Future“ ist mit seinen Situationen und Bildern erfrischend originell und der T-Shirt-Tanz gehörte definitiv zu den bizarr schönsten Szenen des Kinojahres 2011.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

The Future
OT: The Future
Genre: Komödie, Drama,
Länge: 91 Minuten, USA, 2011
Regie: Miranda July
Darsteller:innen: Miranda July, Hamish Linklater,
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Alive
Kinostart: 27.10.2021
DVD-VÖ: 25.05.2012

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