Schlank für Faule: Trockene Dicke

Bisweilen geht es auf diesen Seiten auch um praktische Lebenshilfe, um Gesundheits- und Ernährungsthemen. Der Allgemeinmediziner und „Fersehdoktor“ Carsten Lekutat hat einen Ratgeber geschrieben wie Menschen sinnvoll und langfristig abnehmen können, ohne in einen Diät-Wahn zu verfallen oder ihre „neue“ Ernährung anschließend nicht in alltägliche Gewohnheit zu überführen. Aus der eigenen Komfortzone müssen Abnehmwillige aber schon heraus.

Wenn DASH für Sie mehr ist als nur ein Waschmittel oder eine Kryptowährung, dann haben Sie sich schon etwas ausführlicher mit Ihrer Ernährung beschäftigt als der Durchschnittsbürger. Dennoch kann „Schlank für Faule“ Ihren Horizont in Sachen Nahrungsaufnahme und Gesundheit sicher noch erweitern. Alle anderen, wahlweise Abnehmwillige, finden in „Schlank für Faule“ kluge und leichtverständliche Infos zum Thema Ernährung und vor allem keine weitere Diät, die eventuell dann doch nicht den erwünschten Langzeiterfolg erzielt, sondern eine Methode in kleinen aber realistischen Schritten das eigene Essverhalten positiv zu beeinflussen.

Auf die Frage, warum Menschen dick werden, gibt es keine einfachen und auch keine allgemeingültigen Antworten. Außer der rein physikalischen Tatsache, dass dem Organismus grundsätzlich über längere Zeiträume mehr Energie zugeführt wird als der Körper verbraucht. Überschüssige Energie wird eingelagert, damit sie in Krisenzeiten verfügbar ist. Dafür gibt es eine Instinktsteuerung, die allerdings in der Steinzeit programmiert wurde, als Menschen noch fliehen oder kämpfen mussten, wenn sie einer Gefahr gegenüber standen.

Heute funktionieren die Steuermechanismen immer noch auf ähnliche Weise, aber das Angebot an Nahrung und Energie hat sich komplett verändert, sodass, was früher vom Körper mittels Verdauung mühsam aus der Nahrung herausgeklaut werden musste, heute bereits so aufgeschlüsselt und energetisch hochverdichtet vorliegt, dass Nahrung und Energie quasi direkt ins Blut gelangen, ohne lange verdaut zu werden.

„In der Regel unterschätzen wir die Kalorien unserer Nahrung und überschätzen unseren Energieverbrauch.“ (Seite 35)

Zurück zu „Schlank für Faule“: Im ersten Teil des Ratgebers zur Ernährung und zur Gewichtsabnahme legt der Autor die unterschiedlichen Ursachen dar, die zu Übergewicht führen können. An dieser Stelle hilft es beim Lesen, dass der Autor selbst mal moppelig war und sich nicht scheut, das eigene Beispiel heranzuziehen, um seine Ideen und Methoden zu verdeutlichen. Als Leser:in fühlt man sich weniger allein.

Dann ist es weiter gut, dass der Autor eine gewisse Ausbildung und Kompetenz hat, was die Sache deutlich vertrauenswürdiger macht, als wenn dieser Filmkritiker hier einen Ernährungsratgeber schreiben würde. Ohne an dieser Stelle das Lesen von „Schlank für Faule“ überflüssig machen zu wollen, es gibt einige wichtig Erkenntnisse und Ansichten, die beim Abnehmen helfen und die Methode leicht nachvollziehbar machen.

Übergewicht ist eine Krankheit, so der Autor, an der niemand schuld ist. Erbanlagen, Stoffwechsel und andere Umwelteinflüsse beeinflussen die Ernährung und jeder und jede verwertet die Nahrung anders, setzt sie anders um. Da helfen also keine standardisierten Anleitungen, sondern jede:r muss sich mal mit den Ursachen auseinandersetzen, wahlweise mit Unterstützung eines Gesundheitsprofis, um zu analysieren, wie die Sachlage individuell ist. Anschließend können die Abnehmwilligen auch vernünftig und selbstbestimmt etwas gegen das überschüssige Gewicht tun.

Die Methode ist Langstreckenlauf statt Sprint. Nicht auf schnelles Abnehmen hinarbeiten, sondern sich auf die Phasen dazwischen konzentrieren. Darauf achten, dass sich kein Jojo-Effekt einstellt, sondern das neue Gewicht konstant bleibt. Der Jo-Jo-Effekt hat sogar nachweisbar gesundheitsschädliche Folgen.

In den Plateau-Phasen erkennt der Organismus den neuen Normalzustand und passt die Stoffwechselvorgänge an. Außerdem kann man sich selbst und seinen Körper auch ein bisschen austricksen, ganz so wie man vor dem Spiegel eine Lächelgrimasse macht bis sich auch gute Laune einstellt, weil man sich ja beim Lächeln sieht. Denn: Die Form folgt der Funktion, die Funktion folgt dem was das Gehirn vorgibt.

Form follows funktion follows mindset.“ (Seite 55)

Wichtiger ist es dabei einen Plan zu haben und ein Ziel, weniger wichtig ist Motivation, denn die wird überschätzt und lässt vergleichsweise schnell nach. Wer dann einen Plan hat um ein realistisches Ziel zu erreichen ist einfach besser vorbereitet für den Langstreckenlauf Gewichtsreduktion (und überhaupt im Leben).

Der Autor macht auch keinen Hehl daraus, dass jemand, der Gewicht reduzieren will, schon etwas anders machen muss als bislang. Aber: statt auf radikale Einschränkungen und ausschließlich diätische Verhaltensweisen zu setzen, ist es klüger weniger schwerwiegende Änderungen vorzunehmen, diese dafür aber auch möglichst lebenslang beizubehalten. Es geht also vor allem um eine grundsätzliche Entscheidung und eine gewisse Konsequenz in der Umsetzung.

Das bedeutet keineswegs, dass man nicht unterschiedliche Möglichkeiten ausprobieren kann, letztlich sollte man aber darauf achten, dass der Spaß am Essen nicht verloren geht. Schließlich ist Gewichtsreduktion anders als Rauchentwöhnung und der mensch kann nicht einfach aufhören zu essen. Also gerne mit möglichst viel Genuss essen, aber eben auch bewusst und in Maßen.

„Essen ist nicht ihr Fein – Essen ist ihr Freund und es muss Spaß machen. (Seite 111)

Das sind doch ganz passable Aussichten, vor allem wenn man auch noch den Zusammenhang von Ernährung und Insulinproduktion und Fetteinlagerung erklärt bekommt und der Autor einem kleine Tricks gibt, wie man die Stoffwechselmechanismen etwas austricksen kann. Anschließen gibt es noch einen Ernährungsberater-üblichen Rezeptteil und eine knackige Zusammenfassung, die nicht das Lesen überflüssig macht, aber jederzeit das Wesentliche der Methodik abrufbar hält.

„Schlank für Faule“ ist ein absolut empfehlenswerter Ratgeber, der Menschen mit Gewichtsproblemen keine Wunder verspricht, sondern Wege und Methoden aufzeigt, wie es langfristig mit der Gewichtsreduktion klappen kann. In großteils leicht verständlichen, übersichtlichen Häppchen und oft am eigenen Beispiel erklärt Carsten Lekutat Zusammenhänge im Bereich der Ernährung und zeigt, wie Abnehmwillige eine nachhaltige Gewichtsreduktion und eine Steigerung des Wohlbefindens erreichen können. Eine wichtige Komponente dabei ist die Änderung der Perspektive: Das Leben ist kein Sprint sondern ein Dauerlauf. Das kann funktionieren und hört sich machbar an, was will mensch mehr.

Dr. med.Carsten Lekutat: Schlank für Faule
Genre: Ratgeber, Gesundheit
Autor: Dr. med. Carsten Lekutat
Verlag: Knaur Menssana, 192 Seiten, (auch als E-Book)
Buch-VÖ: 01.12.2021

Carsten Lekutat Homepage
Schlank für Faule bei Knaur Menssana

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