Spidergawd – VI: Album-Review

Die melodisch heavy rockende Truppe aus Norwegens heimlicher Musikhauptstadt Trondheim ist mit einem neuen Album zurück. Wer die Band um Mastermind und Gitarrist Per Borten kennt, weiß, dass die Alben schlicht durchnummeriert werden. Inzwischen ist man bei Nummer sechs, römisch VI, angekommen und hat sich mehr denn je dem melodischen Heavy Metal der 1980er verschreiben. Stickman Records bringt die am 10. Dezember 2021 auf den Markt, allerdings nicht in Norwegen.

Tatsächlich denke ich immer, es fällt unter meine journalistische Sorgfaltspflicht zumindest im weltweitern Interweb nachzuschauen, was sich da so für Infos finden. Im Fall von Spidergawd ist das ein Facebookacount, eien ausgesprochen unerquickliche, weil habbrauchbare Internetpräsenz und eben der Stickman-Shop, der aber „VI“ nicht nach Norwegen verschifft. Das verstehe wer will, mich lenkt es ebenso von den harten und rockenden Fakten des Albums ab.

…wären da nicht noch mehr Ungereimtheiten. Mein Bemusterungs-CD enthält 8 Songs, der digitale Download bringt 9 Titel zum Vorschein. „Disidentity“ (5: 16) macht den Unterschied, bringt aber keine neue Klangfarbe ins Ohr. Der Track gehört eventuell auf ‚ne B-Seite oder das Vinyl? Weitere Infos gibt’s dazu nicht. Wohl aber Besetzungsfakten und -gossip. Ein zweiter Gitarrist ist an Bord, der bislang bereits live für Bühnenunterstützung gesorgt hat und zwischenzeitlich war der Saxofonist mal ausgestiegen, ist aber wieder dabei. Allein, ich höre auf den Songs keine Tröte. Wenn eine da ist, wird sie geschickt als verzerrte Klampfe getarnt. Was das Instrument klanglich auf irgendwie obsolet macht.

Ursprünglich habe viele „Spidergawd für eine Art „Motorpsycho“-Ableger gehalten, weil sowohl Schlagzeuger Kenneth Kapstadt als auch Bassist Bent Sæther hier musikalisch mitgemischt haben. Sæther hat schon einen Soundprägenden Stil und stieg 2016 nach dem dritten Album aus. Die Band war und ist ohnehin ein Baby von Gitarrist Per Borten, aber nach „III“ war ein Schwenk zu mehr Achziger-Metal zu beobachten.

Seither tut sich viel, ändert sich aber wenig im Staate „Spidergawd“ und wer die letzten Scheiben mochte, wird auch bei „VI“ in euphorisches Headbangen und Südkurven-Gegröhle verfallen. Es geht tempomäßig schon mal ab, die Gitarren sind großteils hochmelodisch und oft doppelläufig, die Refrains haben immer Mitschmetter-Charakter und insgesamt ist „VI“ musikalisch und soundtechnisch deutlich hymnisch als bislang ausgefallen.

Spidergawd 2021. Photo: Marthe A. Vannebo

Der Silberling beginnt mit „Oceanchild“ einer geraden Heavy Metal Nummer wie man sie in der Frühzeit des Genres häufiger hören konnte. Ich schmeiße mal die „Tygers of Pan Tang“ in den Ring. „At Rainbow’s End“ besingt ein Beziehungsende und hat eine extrem eingängige Hookline. Weiter geht es in „Running Man“ mit fettem röhren und wuchtiger Gangart. Track 4 klingt dann nach seligen „Dio“-tagen und in „Prototype Design“ geht’s im „Iron Maiden“-Gallop auf die Mitsingmomente zu.

Weiter geht’s mit einem verschleppten Groove der dann doch wieder in melodisch rockende Fahrwasser gelangt und so langsam stellt sich schon der Wunsch nach Abwechslung ein. Selbst wenn es flott zur Sache geht. „Today is judgement day. You’ve got to find yourself another shadow“. Na dann. Der anschließende „Dio“-Stampf liegt irgendwo zwischen „Holy Diver“ und Black Sabbath’s „Sign of the Sothern Cross“. Abschließend geht’s nochmal über ein Priest-Riff in einen ausgesprochen melodischen Refrain. Und fertig ist die ganze Choose.

Spidergawd machen schon Spaß. Auch und gerade weil dies Phase der New Wave of British Heavy Metal zu Beginn der Achziger für mich hoch nostalgisch ist, aber durch das fehlende Saxofon geht auch ein bisschen Eigenständigkeit verloren. Und selbstredend sind auch skandinavische Einflüsse zu hören: Frühe, rockige „Europe“ oder auch die „Pretty Maids“. Schöne Platte, die homogen und hymnisch rüberkommt. „Spidergawd“ ziehen einfach ihr Ding durch. 2022 (hoffentlich auch wiede ) auf Europas Bühnen.

Album-Wertung (usr 7]

Spidergawd: VI
Genre: Heavy Metal, Hard Rock
Länge: 38 bzw 41 Minuten, N, 221
Interpret: Spidergawd
Label: Cripsin Glover Records, Stickman
Album-VÖ: 10.12.2021

Spidergawd Homepage
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Tracklist: 1. Oceanchild, 2. Art Rainbow’s End, 3. The Running Man, 4. Into the Deep Serene, 5, Prototype Design, 6, Yours Truly, 7. Narcissus‘ Eye, 8. Morning Star, (9. Disidentity)

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