McDonald & Dodds – Staffel 1: Designkonzepte

…und wieder was gelernt: die Art von Krimi, in der es etwas beschaulicher und nicht so actionlastig zugeht und in der ab und an ein bisschen Humor auftaucht, nennt sich „Cosy Crime“ – etwa Kruschelkrimi, Der neueste Serienzuwachs in Sachen „Kuschelkrimi“ aus dem Hause ITV heißt „McDonald & Dobbs“ und schickt ein höchst unterschiedliches Ermittlerpaar auf Verbrecherjagd in der beschaulichen Kulisse des westenglischen Kurorts Bath. Die Ausstrahlung als „ZDF Sonntagskrimi“ ist schon ein paar Monde her und Edel Motion veröffentlicht die beiden Fälle der ersten Staffel vom „Mcdonald & Dodds“ nun digital und auf DVD für das klassische Home-Entertainment.

Voller Elan kommt DCI (Detective Chief Inspector) Lauren McDonald (Tala Gouveia) an ihrem neuen Einsatzort Bath an und erscheint sogar direkt am Tatort. Dort wird sie sehnsüchtig erwartet, denn ihr DS (Detective Sergeant) Dodds (Jason Watkins) ist nicht so recht in der Lage die nötigen Instruktionen am Tatort zu geben und die Einsatzkräfte zu koordinieren.

Kein Wunder, hatte Dodds doch mehr als ein Jahrzehnt am Schreibtisch verbracht, bevor er der Neuen aus dem Südlondoner Ganggebiet zugeteilt wurde. Nun denn, der Fall scheint klar: In das Haus des bekannten Erfinders und Unternehmers Max Crockett (Robert Lindsay) wurde eingebrochen, eine wertvolle antike Statue fehlt und zurück bleibt ein erschossener Einbrecher. Da wurde der Komplize sicher gierig und ist allein mit der Beute verschwunden.

Soweit so klar, denkt sich auch der Chief Superintendent John Houseman (James Murray), der die Neue schnell begrüßt und ihr noch den Arbeitsauftrag gibt, Dodds in Richtung Vorruhestand zu schicken, da er nicht ins Designkonzept der neuen Dienststelle passe.

Leider ist es ausgerechnet der umständliche und schrullige Dodds, der erste Ermittlungserfolge möglich macht und die Untersuchung auch in eine mögliche andere Richtung lenkt: Vielleicht war der Mord eine Verwechslung? Denn Max Crocket will am kommenden Wochenende seine Unternehmensnachfolge bekanntgeben und seine erwachsenen Kinder beispielsweise hätten etliche Motive ihren Vater zu töten.

Im zweiten Fall der ambitionierten Ermittlerin und ihres ältlichen Assistenten scheint es in einer Reha-Einrichtung zu einem Selbstmord gekommen zu sein. Wieder ist es Dodds, der das Offensichtliche hinterfragt und feststellt, dass der Strick zum Erhängen die alkoholkranke Jane Crawford nicht gehalten hätte. Wer also hat ein Motiv die Frau umzubringen? Vor allem, da sie eigentlich von selbst abhauen wollte und schon einen Flug nach Dubai gebucht hatte. Während Dodds sich in Details verliert, ist McDonald die eingeschworene Therapiegruppe der Toten ein Dorn im Auge. Vor allem Therapeutin Kelly Mulcreevy scheint sehr manipulativ mit den Patienten umzugehen.

Nachdem sich die Zuschauerschaft also behaglich in der Aufklärung des Verbrechens in der Kurstadt Bath eingerichtet hat, ein paar Worte zur Qualität des Dargebotenen. Hatte es zunächst den Anschein, als sei die Zusammenarbeit zwischen der toughen Großstädterin, die am liebsten Geheimagentin geworden wäre, und dem eher trotteligen Schreibtischfaktotum, das auch endlich an die frische Luft darf, ein wenig abgeschmackt und absehbar angelegt worden, so erweist sich bereits im Laufe der ersten spielfilmlangen Folge, dass dieses Ermittlerteam funktioniert und zwar, weil beide nichts zu verlieren haben.

Für die Londoner Polizistin soll Bath nur ein flotter Karriereschritt zur nächsten Beförderung sein und Dodds kriegt der Polizeichef einfach nicht wegrationalisiert. Die neue Ermittlerin hatte sich sicher auch ein herzlicheres Willkommen gewünscht als ein mäßig motiviertes Team und einen Assistenten, dem jegliche Felderfahrung fehlt, vor allem, weil Chief Superintendent John Houseman (James Murray) zwar viel von Effektivität faselt, aber auch direkt in zweierlei Hinsicht Druck ausübt.

In dem betulichen Kurort Bath sind kleine und größere Verbrechen schlicht nicht vorgesehen und schlecht fürs Image der knapp 90 000 Einwohner großen Stadt, die aufgrund ihrer Bäderarchitektur aus dem 18.Jahrhundeert zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Mordermittlungen à la Houseman laufen hier unter drei Vorgaben: Erstens, es wird aus Tempo gedrückt, am besten war der Fall bereits gestern gelöst, damit keiner was davon mitkriegt. Zweitens treten die Polizisten auf keinen Fall den örtlichen Ehrenbürgern und Celebrities auf die Zehen. Und Drittens, hält auf keinen Fall der Superintendent den Kopf hin, wenn was schiefgeht. So lässt sich freilich nicht vernünftig arbeiten und es hilft McDonald, dass Dodds gelegentlich einfach mal in seine eigene Gedankenwelt abtraucht und dabei jegliche Dienstanweisung ausblenden kann.

Im Grunde ist „McDonald & Dodds“ in der Wahlverwandschaft von „Inspector Barnaby“, „Shakespeare & Hathaway“ oder „Lewis – Der Oxford –Krimi“ ganz gut aufgehoben. Es geht leicht provinziell zu, es hat sein eigenes Erzähltempo und ein bisschen malerisches Lokalkolorit, das aber im Fall von Bath nun auch nicht zu herausragenden Schauwerten der Serie gehört.

Vor allem aber funktioniert der Witz zwischen den beiden Ermittlern und mit ein paar kauzigen Running Gags wie den Butterfritten und dem Lüftungsschreibtisch kann sich das Serienformat durchaus sehen lassen. Sowohl Casting als auch Darbietung sind stimmig und ergänzen sich in ihrer Gegensätzlichkeit auf unterhaltsame Weise.

Das Publikum kann es sich im beschaulichen Bath gemütlich machen, wenn McDonald & Dodds“ ermitteln. Geboten wird klassische britische Krimi-Qualität, die mehr Wert auf gepflegte Unterhaltung legt als auf schockierenden Realismus. Nach den ersten beiden Fällen können „McDonald & Dodds“ gerne weiterermitteln.

Serien-Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

McDonald & Dodds – Staffel 1
OT: Mcdonald & Dodds, Season 1
Genre: TV-Serie, Krimi,
Länge: ca 180 Minuten (2x 90 Min.), UK, 2020
Idee: Robert Murphy
Regie: Richard Senior, Laura Scrivano
Darsteller:innen: Tala Gouveia, ‚Pearl Chandra, James Murray, Jason Watkins,
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Edel Motion, ZDF Enterprises,
DVD-VÖ: 22.10.2021

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