Horizon Line: Fliegen oder Sterben

Mit dem Action-Drama „Horizon Line“ präsentiert Constantin Film eine Home-Entertainment Premiere. Das klassische Katastrophenszenario eines abstürzenden Flugzeugs wird dabei um das „Verschollen im Indischen Ozean“-Element bereichert. Trotz Traumkulisse und halbwegs brauchbarem Budget, stottert die Propeller-Maschine „Horizon Line“ ziemlich.

Etwa ein Jahr, nachdem Sara (Allison Williams) ihren Ex-Freund Jackson (Alexander Dreymon) auf Mauritius sitzen gelassen hat, kehrt sie aus London zurück, weil eine gute Freundin heiratet. Während der Polterabend noch am heimischen Strand stattfindet und Sara mit ihrem Ex versackt, ist die eigentliche Hochzeit auf einer benachbarten kleinen Privatinsel.

Doch Sara verpasst die Fähre und wie der Zufall (oder das Drehbuch) so will, fliegt nur noch die Propellermaschine von Freddy Wyman (Keith David) zur Hochzeitsinsel, weil Jackson den Flieger gechartert hat. Unterwegs hat der Pilot einen Herzinfarkt und Sara, die früher mal zwei Flugstunden hatte, muss die Maschine fliegen. Als Anhaltspunkt, um das Flugzeug gerade zu halten, hatte ihr Freddy geraten, die Horizont Linie im Höhenmesser im Auge zu behalten.

Während Sara und Jackson das Flugzeug wieder unter Kontrolle bringen und mit ausgefallenem Kompass versuchen wieder auf Kurs zu gelangen, zieht ein Sturm auf und das Funkgerät hat keinen Empfang. Doch das bleiben bei weitem nicht die einzigen Probleme für die beiden Ex-Lover. Statt Hochzeit geht es nun ums nackte Überleben.

Der schwedische Regisseur Mikael Marcimain hat mal als Assistierender Regisseur bei Tomas Alfredsons Spionage-Thriller „Dame,König, As, Spion“ (2011) mitgewirkt und seitdem einige TV-Serien für das schwedische Fernsehen in Szene gesetzt. Mit „Horizon Line“ wagt sich Marcimain an einen Katastrophen-Actioner alter Schule, bei dem es sich auch ein bisschen anfühlt wie in Seenot. Nur sind hier keine Haie oder anderen übelgelaunten Kreaturen am Start, sondern die beiden Protagonisten müssen mit der Machine kämpfen.

Allison Williams („Get Out) und Alexander Dreymon („The Last Kingdom“) sind junge Darsteller, die sicher noch Potential haben, hier aber vor allem als attraktive Projektionsflächen herhalten müssen. Ihre Charaktere sind etwas zu oberflächlich angelegt und die vergangene Beziehung eröffnet zwar den Film, ermöglicht aber keine emotionale Bindung zu den beiden Hauptfiguren. Zwar dreht das Skript die Rollenerwartung um und Sarah entpuppt sich als harte Nuss, während Jackson vor allem verletzt ist und somit der Jungmann in Nöten. Wobei, eigentlich sind beide in höchster Not.

So weit, so gut. Dass „Horizon Line“ als Actioner nicht funktioniert, liegt an dem schematischen Drehbuch, das im Grunde eine kleine oder größere Katastrophe an die nächste reiht und so eine Art Videospiel aufzieht, bei dem eine Aufgabe nach der nächsten gelöst werden muss. Für Gamer mag das funktionieren, für Zuschauer auf der heimischen Fernsehcouch nicht. Bezeichnender Weise findet sich in den Extras eine nicht verwendete Szene, die dermaßen überspitzt ist, dass sie beinahe als Selbstironie gelten muss.

„Horizon Line“ hätte von der Ausgangslage her funktionieren können, scheitert aber an der fehlenden emotionalen Nähe zu den Figuren und am schematischen Actionansatz. Die Schauwerte und ein großer Teil der Effekte überzeugen zwar, aber das reicht heutzutage längst nicht mehr für solide Unterhaltung. Da kann auch „The Last Kingdom“-Star Alexander Dreymon nicht viel retten.

Film-Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

Horizon Line
OT: Horizon Line
Genre: Action
Länge: 92 Minuten, USA, 2020
Regie: Mikael Marcimain
Darsteller:innen: Allison Williams, Keith David, Alexander Dreymon
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Constantin Film, Highlight Entertainment
Kinostart: nicht in Deutschland
DVD- & BD-VÖ: 26.08.2021

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