Fame (2009): Die Zeiten haben sich geändert

Demnächst kommt mit „In the Heights“ ein sommerfrischer Musical-Knaller in die Kinos. Wie man es nicht machen soll zeigt dieser Archivfund: Die Neufassung von „Fame“. Die kam 2009 als maues Weihnachtsgeschenk in die Kinos: Friede, Freude, Eierkuchen und eine neue Teenie-Show im Kino. Sicher, ich bin nicht Zielgruppe, war ich schon damals nicht, als das Original im Kino lief. Dennoch war Alan Parkers „Fame“ eine andere Liga als viele Revuefilme, vor allem, weil der Film als Musical innovativ war. Insofern kann das Remake nur Scheitern. Das allerdings ganz unterhaltsam.

Der Rahmen ist gleich geblieben und das Konzept: In der New Yorker „School of Performing Arts“ werden junge begabte Schüler ausgebildet und gefördert, damit sie nach vier Jahren mit ihrer Kunst professionell Geld verdienen können. Eine wilde, aber genau ausgeklügelte Mischung quer durch alle Gesellschaftsschichten und sozialen Verhältnisse, gepaart mit unterschiedlichem Talent und unterschiedlicher Motivation der Einzelnen, macht aus vielen kleinen Biografien einen Ensemblefilm. Und am Ende herrscht zwischen all diesen Individuen doch eine Art Gemeinschaftsgeist, der im Wesentlichen durch die zurückliegende, geteilte Ausbildung getragen wird.

Das war schon damals so und hat als erfolgreiches Konzept zu einer TV-Serie geführt, die erfolgreich über fünf Jahre, sechs Staffeln und 136 Folgen die jugendlichen Zuschauer vor die Flimmerkiste lockte. Nun wird dieses Konzept wiederbelebt, was legitim ist, und als „Marke“ betrachtet, was vollkommener Quatsch ist. Franchise nennt sich sowas neudeutsch und ist so gängig wie Casting-Shows im Fernsehen.

Und genau da liegt das Problem: Während in den Achtiger Jahren, zumindest hierzulande, Casting-Shows vollständig unbekannt waren, werden die Zuschauer heutzutage damit überhäuft. Superstars, Supertalente, Supermodels. Deutschlands und die ganze Welt ist ständig auf der Suche nach dem Größten, Schrillsten und Spektakulärsten. Dabei ist genau die Suche das Event, der Weg ist das Ziel – zumindest für den Zuschauer.

Wozu also in solch einer Situation einen Kinofilm drehen, der junge Talente dabei zeigt sich ihren Weg hart zu erarbeiten? Um aufzuzeigen, dass auch harte Arbeit und Durchhaltevermögen zum Erfolg führen können, denn das war auch die Aussage des Originals. Es ging damals ebenso um Talent und Begabung, doch auch um solides Handwerk und fundiertes Können.

Würde die Neuauflage von „Fame“ soetwas leisten, sie wäre ein gelungener Film. Doch davon ist weit und breit nichts zu spüren und so bleibt ein kurzweiliger, unterhaltsamer Tanz- und Musikfilm mit vielen jungen Talenten, der mitreißende Performances bietet. Das allein reicht doch ganz locker für einen Kinobesuch. Einfache, solide perfekt gestylte Unterhaltung.

Doch inhaltlich kratzt „Fame“ 2009 nur an der Oberfläche. Die Charaktere sind nicht wirklich ausgearbeitet und eher als Typen angelegt, die im Laufe ihrer Ausbildung auch nur ausnahmsweise eine Entwicklung durchmachen. Die Probleme dieser neuen Generation von Künstlern ist von so extrem belangloser Natur, dass man sich schon fragen darf, ob da nicht mehr Wert auf dramatische Intensität hatte gelegt werden sollen. Eventuell hätte das auch die Performances aufgewertet. So hebt sich das inhaltlich nicht von Casting-Shows ab, weil die Entwicklung und die Arbeit vollständig unterschlagen werden.

Um das klarzustellen, die musikalischen und tänzerischen Leistungen der jungen Darstellerriege sind durchaus beeindruckend, allein der „Feel-Good“-Faktor ist extrem überzogen und so verkommt denn auch die Jam-Session in der Mensa zum Werbespot und die Abschlussveranstaltung zur großen Kitschnummer. Das dann aber perfekt. Wirklich im Gedächtnis bleibt leider keiner der Mimen.

„Fame“ ist gelungene Wohlfühl-Unterhaltung und sorgt für kurzweilige Stunden auf der Leinwand. An die exhibitionistische Intensität heutiger Castingshows, kommt „Fame“ aber zu keiner Zeit heran.

Film-Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

Fame
OT: Fame
Genre: Musical,
Länge: 107 Minuten, USA, 2009
Regie: Kevin Tancharoen
Darsteller:inen: Naturi Naughton, Walter Perez, Kherington Payne, Paul McGill
FSK: ohne Altersbeschränkung
Vertrieb: Leonine
Kinostart: 24.12.2009
DVD- & BD-VÖ: 14-05-2010

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