The Fighter: Nicht ohne meinen Bruder

Zum Abschluss meiner kleinen Archiv-Serie mit Sportfilmen noch ein Schmankerl von Regisseur David O. Russell aus dem Jahr 2010. Sportfilme sind ja nicht sonderlich angesagt, aber was in dem Boxerdrama „The Fighter“ abseits des Rings über familiären Zusammenhalt, Drogensucht und das Leben an sich thematisiert wird, erhebt den mehrfach Oscar-prämierten Film deutlich über den reinen Sportfilm zu einem außergewöhnlichen und großartigen Portrait. 2011 erschien das großartig besetzte Drama auch bei uns in den Kinos.

Der Boxer Mickey Ward (Mark Wahlberg) hat seine Karriere eigentlich schon fast hinter sich, träumt aber immer noch von der großen Chance auf den sportlichen Durchbruch und trainiert hart. Allerdings scheint sein Umfeld nicht gerade einen positiven Einfluss zu haben. Sein älterer Halbbruder Dicky (Christian Bale) war einst selbst Boxer, hat beinahe mal einen Champ besiegt und ist immer noch der „Stolz von Lowell“, einer amerikanischen Kleinstadt.

Inzwischen ist Dicky allerdings dermaßen cracksüchtig, dass er seiner Aufgabe als Mickeys Trainer kaum nachkommt. Auch die Reportage, die gerade über ihn gedreht wird, missversteht er als Sportdoku, dabei geht es um Crack-Sucht. Für Mutter Alice (Melissa Leo), die Mickeys Management regelt und die zahlreichen Schwestern der Brüder bleibt Dicky allerdings ein unangefochtener Held.

Als Mickey dann von einem Gegner versetzt wird, steht er vor der Wahl entweder ohne Bezahlung nach Hause zu fahren, oder gegen einen Gegner aus einer höheren Gewichtsklasse zu boxen. Dabei wird er fürchterlich verprügelt und beginnt über seine Karriere nachzudenken. Zusammen mit der Kellnerin Charlene (Amy Adams), seiner neuen Freundin, versucht Mickey schweren Herzens sich aus der familiären Umklammerung zu lösen und seiner Karriere selbst in die Hand zu nehmen. Dicky landet derweil mal wieder wegen Beschaffungskriminalität im Knast und Alice sorgt sich um den familiären Zusammenhalt.

„The Fighter“ basiert auf der wahren Geschichte des Boxweltmeisters Mickey Ward und seiner Familie, allen voran sein Halbbruder und Trainer Dicky. Selbstverständlich steht der unglaubliche, weil unerwartete, beinahe märchenhafte sportliche Erfolg im Mittelpunkt des Films. Alles dreht sich in der Familie der beiden Brüder ums Boxen. Doch die Story funktioniert gerade deshalb so faszinierend und entwickelt ihren speziellen Charme, weil die Charaktere immer auch und vor allem als Menschen zu erleben sind, die wissen, dass es Wichtigeres gibt als den sportlichen Erfolg.

Trotz aller Probleme und Differenzen schafft es die Familie in „The Fighter“ immer wieder, sich zusammenzuraufen und als Schicksalsgemeinschaft zu begreifen. Das mag altbacken klingen, gibt den Charakteren aber ebenjenen notwendigen Halt, ihr Leben zu Leben. Vor allem Mutter Alice legt die Energie einer Löwin an den Tag, wenn es darum geht ihre Liebsten zu beschützen. Ein herzergreifenderes Beispiel bedingungsloser Hingabe hat man selten auf der Leinwand gesehen. Dass Melissa Leo dafür einen Oscar gewann ist hochverdient, auch wenn es etwas absurd ist, dass die wirkliche Alice von Leben keinen Preis bekommt.

Gleiches gilt für Christan Bales ebenfalls Oscar-geehrte, charismatische Darstellung Dickys, der mit nicht unterzukriegendem Optimismus und beinahe kindlichem Lebenseifer zum (heimlichen) Star des Films wird. Das gelingt allerdings nur, weil Mark Wahlberg in der Rolle des noch boxenden Bruders Mickey so authentisch bodenständig bleibt und für Dickys Eskapaden genug Raum lässt.

Es macht einfach Spaß diesem grandiosen Ensemble zuzusehen und Regisseur David O. Russell („Three Kings“, „Silver Linings“) gelingt eine großartige Inszenierung, die obwohl auf den Boxsport ausgerichtet, nie die Menschen aus dem Blick verliert. Ihm gelingt das Kunststück, eine funktionierende und spannende Balance zwischen packenden Boxszenen und familiären Zwistigkeiten hinzubekommen. Das ist dramaturgisch ebenso gelungen wie eindrucksvoll gefilmt.

„The Fighter“ ist zwar ein Boxfilm nach wahren Begebenheiten, hat aber viel mehr zu bieten, als nur ein außergewöhnliches sportliches Comeback. Neben tollen Charakteren und großartigen Darstellern überzeugt „The Fighter“ mit einer stimmigen und leidenschaftlichen Milieu- und Familienstudie und ist großes Kino.

Film-Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

The Fighter
OT: The Fighter
Genre: Sport,Drama, Biographie
Länge: 117 Minuten, USA, 2010
Regie: David O. Russell
Darsteller: Mark Wahlberg, Amy Adams, Christian Bale,
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Senator (Leonine)
Kinostart: 07.04.2011
DVD- & BD-VÖ: 14.10.2011

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