Der Geschmack von Apfelkernen: Familiengeschichten

Neulich beim Gucken von „Altes Land“ viel mir auch diese Familiengeschichte wieder ein. Aus dem Archiv: „Der Geschmack von Apfelkernen“. Mit der deutschen Verfilmung des Bestsellers von Autorin Katharina Hagena sorgt die vielbeschäftigte Regisseurin Vivian Naefe für starbesetztes Wohlfühlkino. Vor allem Hannah Herzsprung trägt die Familiengeschichten als junge Erbin auf ihren Schultern.

Der Tod der Großmutter sorgt bei Iris (Hannah Herzsprung), die schon lange in einer anderen Stadt lebt, schon für trauer. Und dass ihr das alte Haus mit dem verwunschenen Garten als Erbe zufällt, verwundert die junge Frau.

Unsicher, ob sie das Erbe überhaupt antreten soll, bleibt sie nach der Beerdigung erstmal in dem Haus in Bootshaven und fühlt sich mehr als einmal in ihre Kindheit zurückversetzt.Vor allem kommt die Erinnerung an ihre altere Cousine Rosmarie (Paula Beer) und deren Freundin Mira (Zoe Moore) wieder. Und in der Vergangenheit gibt es einen dunklen Flecken.

Iris bleibt länger als erwartet und taucht immer weiter in die Familiengeschichte ein. Dann trifft sie auch Max (Florian Stetter) wieder, Miras jüngeren Bruder, der häufig genug zur Zielscheibe der Neckereien und Streiche der drei Mädchen wurde.

„Der Geschmack von Apfelkernen“ folgt der großen Erzähltradition Generationenübergreifender Familienchroniken und weiß diese auf der Leinwand auch zumeist überzeugend auszufüllen. Mit Hannah Herzsprung, die nicht nur die zentrale Figur dieser Familiengeschichte ist, sondern mit ihrem ganz persönlichen Rhythmus aus Erinnern und Infragestellen den Ton des Films bestimmt. Daneben sind gleich etliche großartig aufspielende Kolleg:innen zu sehen, so dass man von einem großartigen Ensemble reden kann, das auch erfrischend aufspielt.

Das Drehbuch nach der Romanvorlage stammt von Rochus Hahn und schafft es verspielt und mit erzählerischer Leichtigkeit zwischen den unterschiedlichen Erzählzeiten zu wechseln, ohne dass der Fluss des Films gestört würde. Allerdings hat Regisseurin Vivian Naefe die mit „Die wilden Hühner“ einer großen Kinoerfolg hatte und als TV-Regisseurin vielbeschäftigt ist, die Geschichte nicht überdramatisiert und der Unterhaltungsfaktor steht deutlich im Vordergrund. Das ist nichts Schlimmes, weil sowohl die Geschichte als auch die Bilder (die Schauspieler allemal) das Kinoformat auszunutzen wissen.

Dass sich jenes Kindheitsgeheimnis am Ende doch als etwas undramatisch entpuppt, fällt am Ende weniger ins Gewicht, denn „Der Geschmack von Apfelkernen“ ist im Filmverlauf längst zu einer romantischen Lovestory geworden.

Unterhaltung muss nicht plump sein und „Der Geschmack von Apfelkernen“ nach dem Roman von Katharina Hagena hatte das Zeug zum Kassenschlager. Großartige Schauspieler und eine über weite Strecken sehr anrührende Familiengeschichte sorgen für überzeugende dramatische Unterhaltung mit Wohlfühlfaktor. Das klappt im deutschen Film selten genug, hier wird gezeigt, wie das geht.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

„Der Geschmack von Apfelkernen“
OT: Der Geschmack von Apfelkernen
Genre: Drama, Romanze
Länge: 120 Minuten, D, 2013
Regie: Vivian Naefe
Darsteller:innen: Hannah Herzsprung, Paula Bär, Meret Becker, Marie Bäumer,
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Concorde / Leonine
Kinostart: 26.09.2013
DVD- & BD-VÖ: 10.04.2014

%d Bloggern gefällt das: