Blue Crush 1 & 2: Frauen auf Brettern im Doppelpack

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich Sportfilme mag. Beim Wellenreiten gucke ich auch gerne zu. Nun hat justbridge Entertainment die beiden „Blue Crush“ Surf-Filme als Doppel-Feature für das Home-Entertainment auf DVD und erstmals auf Blu-ray herausgebracht. „Blue Crush“ verhalf den jungen Schauspierlinnen Kate Bothworth und Michelle Rodriguez 2002 zu ihrem endgültigen Durchbruch. Die 2011 nachgeschobene Fortsetzung hat allenfalls den Titel mit dem Vorgänger gemeinsam. Aber dazu kommen wir noch. Surf’s up!

Bei der Veröffentlichung handelt es sich zwar um ein Doppel, aber es macht keinen Sinn, die Filme ineinander vorzustellen. Daher widme ich mich zunächst „Blue Crush“ bevor ich dann zu „Blue Crush 2“ komme. Insgesamt hat die Veröffentlichung durchaus ihre Berechtigung.

In den USA, also dem Heimatmarkt dieser Produktionen, haben Sportfilme als Genre eine lange Tradition. Dabei geht es wie beim Western nicht darum originell zu sein, sondern auch einer gewissen Wettkampf-Spannung zu folgen. Wer am Ende was auch immer gewinnt ist dabei zweitrangig, wichtig ist, dass die Held:innen über sich selbst hinauswachsen und durch den Sport bessere Menschen werden. Oder so ähnlich.

„Blue Crush“ also: Die Surferin Anne Marie (Kate Bosworth) hat’s nicht gerade einfach, ihre Mutter ist mit einem neuen Lover nach Vegas abgehauen und hat die junge Erwachsene mit ihrer pubertierenden kleinen Schwester Penny (Mika Boreem) allein auf der heimatlichen hawaiianischen Insel Oahu gelassen. Zwar träumt Anne Marie davon, Profi-Surferin zu werden, aber sie hatte einen Surfunfall, bei dem sie beinahe umgekommen wäre. Trotz intensiven Trainings bleibt die Angst und die einzige Chance ist die Pipe Masters Surfmeisterschaft.

Der Termin rückt immer näher, ihre Freundinnen Eden (Michelle Rodriguez) und Lena (Sanoe Lake) nerven schon und dann fliegt Anne Marie noch aus ihrem Brotjob als Zimmermädchen. Die Teilnahme am Pipe Masters scheint unerreichbar. Doch Matt (Mike Davis), der Quarterback einer Football-Mannschaft, die gerade auf Hawaii entspannt, hat sich in Anne Marie verguckt und braucht Surf-Unterricht.

Zugegeben, die Dramaturgie und die Love Story in „Blue Crush“ sind ebenso absehbar wie die Charaktere etwas stereotyp, aber das ist – wie so häufig im Genre-Film – zweitrangig, weil es auch um die Surfaufnahmen geht. Die sind zwar inszeniert, aber so dermaßen mitreißend gefilmt, dass es auch für wirkliche Brettfans und Wellen-Afficinados ein Vergnügen ist, den Surferinnen zuzuschauen. Die Filmidee basiert auf einem Zeitungsartikel über surfende Frauen und Mädchen, der 1998 erschien und auf einem Dokumentarfilm über Surferinnen auf Hawaii, der ebenfalls „Blue Crush heißt und ‚98 herauskam.

Hauptproduzent Brian Grazer („A Beatiful Mind“, Apollo 13”, „Rush: Alles für den Sieg”) und Regisseur John Stockwell („Into the Blue“, Touristas“) haben sich Mühe gegeben, das Lebensgefühl der Surfer einigermaßen zu treffen. Zudem hat man großen Wert auf die authentische Surfaufnahmen gelegt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Hier sind einige großartig gefilmte und starke Stunts zu sehen und da kann ich persönlich dann auch absehbare Gute Laune Dramaturgie verschmerzen. Alles in allem ein unterhaltsamer Abend, der solide 7 Punkte wert ist. (Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10))

„Blue Crush 2“ wurde 2011 gedreht und hat mit seinem Vorgänger nur den Titel gemeinsam. Die junge Dana (Sasha Jackson) lebt in Beverly Hills ein behütetes Leben und verbringt ihre Zeit gerne surfend. Doch der frühe Tod der Mutter hat eine Lücke hinterlassen. Die ständige Arbeitsabwesenheit des Vaters tut ein Übriges, dass Dana nicht sofort nach dem Abschluss aufs College gehen will. Eigenmächtig packt sie das Board ihrer Mutter ein, die früher auch Surferin war, und fliegt nach Südafrika.

Danas Plan: Eine Rundreise auf den Spuren ihrer Mutter und dabei jede Welle selbst mitnehmen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird Dana ausgeraubt und kommt notgedrungen in der Surfer-Kommune unter, in der ihre neue Freundin Pushy lebt. Die hat einen Strand besetzt und soll geräumt werden.

„Blue Crush 2“ braucht nicht lange um die Erwartungen, die eventuell vom ersten Film geweckt wurden, komplett zu zerstören. Keine der Figuren hat irgendeine Beziehung zu Leuten oder Orten in „Blue Crush 1“. Tatsächlich merken Zuschauer:innen schnell, dass es nicht einmal, um Sport geht, sondern um einen Selbstfindungstrip.

Das kann auch seinen Reiz haben. Geschichten über das Erwachsenwerden, so genanntes Comming of Age, sind sehr beliebt und können durchaus auch aufbauend sein. Nicht allerdings, wenn man bei der Entwicklung der Story ein weibliches Teenager-Publikum anpeilt und auch zielgenau und klischeeverhaftet, alle Knöpfe drückt, die bei Dreizehnjährigen zu bedienen sind.

Die Story ist ebenso ansatzlos wie die Figuren flach bleiben, was nicht der plakativen Darstellung geschuldet ist, sondern der Belanglosigkeit des Drehbuchs von Randall McCormick. Der war immerhin auch für „Speed 2“ zuständig, hat die Scripte aber nach „The Scorpion King 3“ glücklicherweise sein gelassen. Ähnlich Regisseur Mike Elliot, der mit „Blue Crush 2“ seine zweite von sechs Regiearbeiten vorlegt, eigentlich aber schon lange erfolgreicher Produzent war und weiterhin ist.

Wenn schon die Story nichts hergibt, sollte wenigstens die Action stimmen, also die Surf-Szenen. Da kommt es dann im Lauf des Films auch noch zu einem Wettbewerb, bei dem Pushy kurz zeigen soll, was sie drauf hat, aber vorher geht es eigentlich darum die südafrikanischen Surf Spots zu präsentieren. Die Darsteller machen ihre Sache auch gut, wurden beim „richtigen“ Wellenreiten von Profis gedoubelt, aber die Luzy geht hier trotzdem nicht ab. Gelegentlich hat man sogar das Gefühl, die Kameraleute wüssten gar nicht was und wie sie filmen sollen.

Eindeutig geht es in „Blue Crush 2“ nicht darum tolle Surfszenen zu zeigen, vielmehr soll eine Atmosphäre von Freiheit, Ungezwungenheit und Sommer-Spaß vermittelt werden, die mit Slo-Mo, Weichzeichner und Sonnenuntergangstapete Sehnsucht erwecken soll. So entstehen auch Tourismus-Werbevideos. Das funktioniert leider nur für ein ganz bestimmtes vornehmlich weibliches, vornehmlich junges Publikum. Für alle anderen ist „Blue Crush 2“ eine fürchterliche Zeitverschwendung, die gerade einmal 3 Punkte wert ist. (Film-Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10))

Bleibt ein durchwachsenes Fazit. Eine filmisch und sportlich interessantere Package wäre es gewesen „Blue Crush 1 mit der gleichnamigen Doku zusammen zu veröffentlichen, aber das wird an den Rechten gescheitert sein. Das umfangreiche Bonus-Material und auch die Bildqualität macht zumindest die Blu-ray Box des Double-Features „Blue Crush 1 & 2“ attraktiv. Und wer weiß. Vielleicht kriegt ja auch „Blue Crush 2“ die Kids auf die Surfboards…

Blue Crush 1& 2
Blue Crush 1
Genre: Drama, Sport,
Länge: 112 Minuten, USA, 2002,
Regie: John Stockwell
Darsteller: Kate Bosworth, Matthew Davis, Michelle Rodriguez,
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 07.08.2003

Blue Crush 2 – No Limits
Genre: Drama, Jugendfilm
Länge: 117 Minuten, USA, 2011
Regie: Mike Elliot
Darsteller: Sasha Jackson, Sharni Winson, Elizabeth Mathis
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: keiner
DVD-VÖ:28.07.2011

Ausstattung der Blu-ray Steel Edition: (2 Discs)
BLUE CRUSH – Extras: Audiokommentare, Making-of, Geschnittene Szenen, Blue Crush – Der Dreh, Die weibliche Surf-Revolution, Wipeout!, Der Ritt auf den Wellen, Musikvideo „If I Could Fall In Love!“ von Lenny Kravitz, Skateboarding Surf Fashion, The World of Surfing
BLUE CRUSH 2 – Extras: Audiokommentar mit Mike Elliot, Greg Holstein und Sasha Jackson, Alternative Opening, Unveröffentlichte Szenen, Gag Reel, „The Hunt for Waves“, Making-of, „Surf Safari!”, „Ripping It!”

Vertrieb: justbridge Entertainment
DVD- & BD-VÖ: 09.07.2020

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