A Confession – Schrittmacher der Gerechtigkeit

In der britischen Miniserie „A Confession“, was übersetzt „Ein Geständnis“ heißt, geht es genau darum, unter welchen Umständen ein Straftäter eine Tat gesteht und ob dabei seine Rechte gewahrt bleiben. Nach wahren Begebenheiten zeigt das Krimi-Drama, das großen Wert darauf legt, eine Fiktionalisierung der Ereignisse zu sein, einen Fall, der zum Politikum wurde. In Großbritannien gehörte die starbesetzte „A Confession“ zu den quotenstärksten und erfolgreichsten Serien im Jahr 2019. Hierzulande hat sich Magenta-TV, der Streaming-Dienst der Telekom, die Ausstrahlung gesichert. Nun veröffentlicht Edel Motion „A Confession“ für das klassische Home-Entertainment als DVD-Box.

Wir müssen reden! Wir müssen reden über Tempo, über PACE, über Betroffenheit, über Bequemlichkeit. Da es sich bei der Serie „ A Confession“ um die Aufbereitung eines relativ aktuellen Kriminalfalls aus Südengland handelt, geht es an dieser Stelle weniger um Spoiler, denn die Fakten und die Chronologie des Mordes an Sian O’Callaghan sind bekannt (dazu gibt es sogar einen englischsprachigen Wikipedia-Eintrag), ebenso die anschließende Diskussion über Polizeimethoden und das Justizdrama.

Die englische TV-Serie „A Confession“ macht es Zuschauer:innen hierzulande aus vielerlei Gründen nicht eben leicht, sich mit ihr anzufreunden. Und dennoch ist allein das Auftreten der vielen großartigen britischen Schauspieler um die tragenden Stars Martin Freeman („Der Hobbit“, „Sherlock“), Siobhan Finneran („Downton Abbey“, „Happy Valley“) und Imelda Staunton („Pride“, „Harry Potter“) einen Blick in die Serie wert. Mehr davon später.

Träge Übersetzungssoftware

Momentan tritt bei Veröffentlichung neuer Filme und Serien verstärkt die Unsitte auf, die Titel nicht mehr zu übersetzen, obwohl sie schlicht nichts weiter sind als „Inhaltsangaben“. Das gilt beispielsweise genauso für die Literaturverfilmung „Waiting for the Barabarian“, bei der Coetzees Roman sogar als „Warten auf die Barbaren“ in übersetzter Fassung vorliegt, wie für „A Confession“. Es hätte der Serie keinen Abbruch getan, sie „Ein Geständnis“ zu nennen. Vielleicht steckt Marketing-Kalkül dahinter, mir ist das schlicht zu unüberlegt und unachtsam.

Zudem besteht ein Missverständnis darüber, warum die Serie im Vereinten Königreich einen solchen Einschalterfolg hatte. Zum wesentlichen Teil zieht „A Confession“ seine Attraktivität aus der Aktualität und der Kontroverse um Polizeimethoden, die anhand des Kriminalfalles von 2011 offensichtlich wurde. Die Frage für ein ausländisches Publikum – unabhängig vom Unterhaltungswert – bleibt: Was geht mich das an? Vergleichbar ist das etwa damit, wenn in Italien der TV-Mehrteiler „Gladbeck“ über das Geiseldrama von 1988 veröffentlicht wird. Film oder Serie müssen schon mit anderen Qualitäten überzeugen als mit der Aktualität und der einheimischen Betroffenheit.

Womit wir zwar in der britischen Diskussion, aber noch nicht bei der Serie „A Confession“ angekommen wären. „PACE“ ist das, worum es geht. Das Akronym, also das Kurzwort das aus Anfangsbuchstaben mehrerer Begriffe gebildet wird, bedeutet als normales Wort übersetzt „Tempo, Geschwindigkeit“, als Abkürzung steht es hier für „Police and Crime Evidence Act“ (etwa „Gesetz über Polizei und Beweissicherung“). Und genau das ist der inhaltliche Kern des Krimi-Dramas „A Confession“. Es geht darum, wann und wie das Geständnis des Mörders zustande gekommen ist.

Tempo, Tempo, Tempo

Mit Tempo meinte ich allerdings auch das Erzähltempo des dramatischen Serienformates „A Confession“, denn das lässt sich erheblich mehr Zeit als gut für das Thema ist. Zudem wirkt die Kameraführung, als wäre ein Praktikant nicht in der Lage, den Fokus nicht ruhig zu halten und drängt im Close-up noch auf eine weitere Annäherung des jeweiligen Gesichts, folgt dann dem Dialog mit der fuchteligen Fahrt jeweils zum redeführenden Charakter und wieder zurück. Das erzeugt erhebliche Unruhe, sehr oberflächliche Spannung und ist keineswegs einem Unvermögen geschuldet, sondern hat Methode. Kamerafrau Vanessa Whyte ist erfahren in ihrem Metier und hat nach Mitarbeiten bei „X-Men: Erste Entscheidung“ und „The Queen“ bei etlichen Serien und Filmen die Kamera bedient. Somit ist die Kameraarbeit ein (fürchterliches) Stilmittel.

Warum all diese Bemerkungen?

Die Vorrede lässt bereits vermuten, dass ich mich mit dem Format schwer getan habe, es aber andererseits für qualitativ hochwertig befinde. Es geht vielmehr um eine Indiziensuche, warum der Funke nicht zündet. Oder besser: erst so spät zündet, dass alle Zuschauer:innen, die mit ihrer Zeit haushalten müssen und vor allem unterhalten werden wollen, schon längst abgesprungen wären.

Das wäre auch nachvollziehbar, denn „A Confession“ beginnt wie ein handelsüblicher oft gesehener TV-Krimi ohne sonderlich Spannung aufzubauen oder den Versuch zu unternehmen, Action in die Angelegenheit zu bringen; schließlich ist man ja der Realität verpflichtet. So plätschert die erste Hälfte de Miniserie mehr oder weniger absehbar vor sich hin und nur die wirklich starken Darstellerleistungen lassen einen überhaupt weiterschauen.

Dann aber, wenn der Polizist selbst und der ungesühnte Cold Case von Betty Edwards ins Visier der Strafverfolgung rücken, zeigt „A Confession“ doch noch großen Unterhaltungswert. Das psychologische Drama der trauernden Hinterbliebenen, der in die Bredouille geratene Ermittler, dessen Leben gerade wegbricht, das Justizdrama sind sehenswert inszeniert und wahrlich intensiv gespielt. Da packt es einen dann doch, ohne dass man genau wüsste wann. Warum aber, ist klar: Zwar hält sich die zweite Hälfte von „A Confession“ ebenfalls an die Fakten und die Realität, aber der auslösende Kriminalfall steht dem Drama und der gesellschaftlichen relevanten Disskussion über Polizeimehtoden nicht mehr im Weg.

Wann gehts denn endlich zur Inhaltsangabe?

Jetzt: Eines Morgens im südenglischen Swinton im Jahr 2011, macht sich der Freund der jungen Frau Sian O’Callaghan Sorgen, weil sie in der Nacht nicht nach Hause gekommen ist. Er telefoniert herum, auch mit Sians Muttter Elaine (Siobhan Finneran), die beschwichtigt. Doch die junge Frau taucht nicht wieder auf und die Polizei beginn in der Vermisstensache nachzuforschen. Nachdem sich Anzeichen auf ein Verbrechen verdichten, gerät zunächst der Freund unter Verdacht, später dann der Taxifahrer Christopher Halliwell (Joe Absalom).

In der Nachbarschaft von Elaine wohnt auch Karen Edwards (Imelda Staunton), deren Tochter Becky vor acht Jahren ebenfalls spurlos verschwunden ist. Becky war drogensüchtig und hat sich prostituiert und Karen hat ihre Tochter zwar auf einer Webseite als vermisst gemeldet, aber nicht bei der Polizei, da ihr ehemaliger Schwager immer mal wieder behauptete, sie nachts auf dem Straßenstrich gesehen zu haben. Nun fühlt Karen mit der hoffenden Mutter und findet viele Parallelen zwischen den beiden vermissten Mädchen.

Polizei-Superintendent (vergleichbar mit einem Oberkommissar) Steve Fulcher (Martin Freeman) übernimmt den Fall, koordiniert die Ermittlungen und übernimmt die Befragung des Taxifahrers. Der benimmt sich ausgesprochen verdächtig und tatsächlich gesteht er die Frau entführt zu haben und verlangt einen Anwalt. Doch Fulcher beschließt sich zuerst von Halliwell zeigen zu lassen, wo er die junge Frau zurückgelassen hat, auch in der Hoffnung das Sian O’Callaghan eventuell noch lebt.

Auf der Fahrt deutet der Taxifahrer weitere Verbrechen an jungen Frauen an, die er auf einem Feld versteckt haben will. Fulcher wird später von seinen Vorgesetzten zur Rede gestellt, warum er gegen PACE verstoßen habe, was er mit Dringlichkeit der Ermittlung begründet. Doch weder die Behörde noch der Anwalt des Taxifahrers lassen die Argumentation gelten und Fulcher wird nun selbst zum Kriminellen. Und obwohl sicher scheint, das Halliwell auch Becky Edwards ermordet hat, kann er dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Vielleicht ist die Serien-Idee von Autor Jeff Pope zu ambitioniert, um ohne das Wissen um den Fall Sian O`Callaghan durch die Serienzeit zu tragen. Mit dem zwar realistischen aber uninspirierten und wenig fotogenen Auftakt verschenkt die Mini-Serie „A Confession“ viele Sympathien und auch viel Potential. Viel zu spät wandelt sich die das Format vom schnöden Krimi zum eindringlichen, fesselnden Drama.

Serien-Wertung: 5.5 out of 10 stars (5,5 / 10)

A Confession
OT: A Confession
Genre: TV-Serie, Krimi, Drama,
Länge: ca. 270 Minuten (6 x 45 Min.), GB, 2019
Idee: Jeff Pope nach wahren Begebenheiten und dem Buch „Catching a Serial Killer“ von Steve Fulcher
Regie: Paul Andrew Williams
Darsteller: Martin Freeman, Siobhan Finneran, Imelda Staunton
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Edel Motion
DVD-VÖ: 23.10.2020

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