Die Ökonomie des Glücks: Weltverbesserung

Es wir mal wieder Zeit, über den Tellerrand hinauszublicken. In Zeiten, in denen die Corona-Pandemie die Welt in ihren Fesseln hält, muss mensch sich auch mal auf perspektiven besinnen. Einen Ansatz bieten Dokumentarfilme. 2012 kam eine Doku in die Kinos, die nach Zufriedenheit in der Gesellschaft fragte. Also, rein ins Archiv und ran an die „Ökonomie des Glücks“: Helena Norberg-Hodge ist Trägerin des Alternativen Nobelpreises (1986) und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den kulturellen Auswirkungen der Globalisierung. Nun ist auf DVD auch ein Film von und mit Helena Norberg-Hodge erschienen, der sich kritisch zur Globalisierung positioniert.

Seit Jahrzehnten ist die in Schweden geborene Sprachforscherin mit der indischen Bergregion Ladakh verbunden. Hier konnte sie Langzeitbeobachtungen auch über die Auswirkungen der Weltwirtschaft auf eine relativ ursprüngliche Kultur beobachten. Erst spät haben transnationale Konzerne die Region erschlossen und auch hier ihre modernen Produkte auf den Markt gebracht. Die gesellschaftlichen Veränderungen waren massiv. Die einstmals gut funktionierenden Subsistenzwirtschaft und die reiche kulturelle Tradition funktionierte immer weniger gut. In Ladakh kannte man zwar wenig Technik andererseits aber auch keine Arbeitslosen. Mit modernen Produkten traten Probleme auf wie sie in den westlichen Ländern schon seit Beginn der Industrialisierung bekannt sind.

Exemplarisch zeigt Helena Norberg-Hodge, die 1986 mit dem Right Livelihood Award (alternativer Nobelpreis) ausgezeichnet wurde, nun einige „unbequeme Wahrheiten“ über die Globalisierung auf. Norberg-Hodge ist auch die Gründerin und Direktorin der International Society für Ecology and Culture (ISEC), einer Non-Profit Organisation, die sich weltweit dem Schutz der biologischen und kulturellen Vielfalt verschrieben hat. Etwas unelegant wirkt, dass die ISEC die Doku auch produzierte, es kommen wenig kritische Stimmen zu Wort, die sich für die Globalisierung stark machen. Allerdings haben die auftretenden und interviewten Experten gewichtige Argumente anzubieten.

Im Grunde sind und waren die Ansätze und Kritikpunkte auch 2011 weitgehend bekannt und es verwundert nicht, dass wirtschaftliche Globalisierung die Existenzgrundlage indigener Kulturen zerstört, gesellschaftliche Konflikte verschärft und die Menschen (auch in den vermeintlich reichen Ländern) unglücklich macht. Das alles ist informativ aufbereitet und unterhaltsam anzuschauen. Dabei richtet sich die Doku an eine breite Bevölkerungsschicht, die sich bislang kaum mit dem Thema beschäftigt hat und auch noch kein „Problembewusstsein“ entwickelt hat. Aufklärung auf breiter Basis. Dass auch diese Dokumentation wieder beim „Bruttonationalglück“ landet und als besseren Index für gesellschaftliche Entwicklung ist symptomatisch für einen gewissen Hang zur Weltverbesserung. Die ohne Zweifel notwendig ist.

Unter filmischen Gesichtspunkten wirkt „Die Ökonomie des Glücks“ ein wenig statisch und ist ganz darauf ausgerichtet seine Botschaften zu übermitteln. Trotz der 70 Filmminuten hätten man einiges fotogener und straffer filmen können. Es gibt Experteninterviews, untermalende Szenen aus dem Alltag der Ladakhis und viele Erläuterungen von Helena Norberg-Hodge. Die Bildqualität ist nicht immer überzeugend, das Konzept ist voll und ganz auf den Inhalt abgestimmt und wirkt auch mal wie ein Vortrag.

Das ist etwas zu belehrend und auch zu naiv gedacht, wenn es darum geht einen harmonischen Gesellschaftsstatus herzustellen. Es ist sicher richtig, dass viele der industriellen Produkte und vor allem Lebensmittel sich ihren eigenen Markt schaffen, den es vordem noch nicht gab, aber die Hinwendung zu einer Art landwirtschaftlicher Kultur, die im Wesentlichen auf global praktizierter regionaler Subsistenzwirtschaft beruht, als Lösungsansatz des Problems ist derart nostalgisch und vereinfachend, dass sie schon wieder utopisches Potential hat.

Die Dokumentation „Die Ökonomie des Glücks“ ist mit ihrem globalisierungskritischen Ansatz sehenswert und als Diskussionsgrundlage wichtig, auch wenn in filmischer Hinsicht Abstriche in Kauf genommen werden.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

„Die Ökonomie des Glücks“
OT: „The Economics of Happiness“
Genre: Doku, Gesellschaft,
Länge. 69 Minuten, GB, 2011
Regie:
Mitwirkende: Helena Norberg-Hodge, Steve Gorelick, Jan Barham
FSK: ohne Altersbeschränkung
Vertrieb: Lighthouse Entertainment, Bravehearts Institute
Kinostart: 01.12.2012
DVD-VÖ: 23.08.2013

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