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The Mule: Ein Rentner auf Abwegen

29.01.19 (Film)

Es ist schon hahnebüchen, dass ein Neunzigjähriger als Drogenkurier noch einmal so richtig aufblüht. Andererseits ist genau das die Handlung in Clint Eastwoods aktuellem Film. Eastwood führt nicht nur Regie, sondern stellt sich für diese Rolle, die auf einem realen Vorbild beruht, auch noch einmal vor die Kamera. Rüstig ist der Mann und versprüht auch in hohem Alter noch Charme.

Der Lilienzüchter Earl Stone (Clint Eastwood) lebt auch in hohem Alter noch für seine Blumen. Darüber ist vor Jahren sein Familienleben zerbrochen und auch jetzt noch vergisst Earl über einer Züchtertagung schon mal die Hochzeit seiner Tochter Iris (Alison Eastwood). Dass er bei der Gelegenheit auch die Auswirkungen des Internethandels unterschätzt, ist eine andere Sache.

Zehn Jahre später ist Earls Blumenzucht pleite und er taucht mit seinem Hab und Gut, das auf der Ladefläche seines Pick Ups Platz findet, bei der Verlobungsfeier seiner Enkelin Ginny (Taisa Farmiga) auf. Das führt dazu, dass Earls Exfrau Mary (Dianne Wiest) zusammen mit Tochter Iris theatralisch die Veranstaltung verlässt. Allerdings hat ein Bekannter des Bräutigams einen Tipp für Earl, wie dieser zu Geld kommen kann, da er doch so gerne Auto fährt.

Etwas seltsam kommt es dem Rentner schon vor, dass die Gruppe mexikanischer Automechaniker eine Tasche mit wahrscheinlich illegalem Inhalt in seinem Auto verstecken will. Verstecken gilt nicht, meint Earl, die Tasche ist hinter auf dem Pick Up gut genug aufgehoben. Ebenso kryptisch verläuft die Übergabe der ominösen Tasche.

Earl stellt sich gut an, guckt weder nach links noch nach rechts, entwickelt keine Neugier und fährt immer vorschriftsmäßig. Mit der Zeit wird Earl zum besten Drogenkurier des mexikanischen Kartells von Laton (Andy Garcia). Da nützt es auch nichts, dass der ehrgeizige FBI-Agent Colin Bates (Bradley Cooper) das Kartell auf dem Kieker hat. Immer wieder entwischt der Kurier. Da im englischen Gaunerslang Drogenkuriere als Maultiere, also „Mules“, bezeichnet werden, ist der Titel Programm und muss vom Verleih wohl scheinbar nicht ins Deutsche übertragen werden.

Um es kurz zu machen: Clint Eastwood trägt den Film als alter Charmeur und Haudegen, der schon mal politisch unkorrekt mit lesbischen Bikern redet und seine mexikanische „Reisebegleiter“ in ein nationalistisches Redneck-Lokal mitnimmt, schlicht, weil es hier das beste Fleisch weit und breit gibt.

Mit ähnlicher Sorglosigkeit inszeniert Regisseur Eastwood das Drehbuch von Sam Dolnick, das auf einem Zeitungsartikel beruht, der den absurd spektakulären Fall des alten Drogenkuriers aufrollte. Es gibt kaum Tote, Spannung ist trotz des Milieus Mangelware, was vor allem der absurden Altersgelassenheit des Protagonisten geschuldet ist. Als Komödie ist „The Mule“ allerdings beileibe nicht angelegt. Zudem enthält sich Filmmacher Eastwood auch jeden Kommentars zur Lage der Nation, obwohl sich die mexikanischen Drogenkartelle oder die Grenzbefindlichkeiten in Trump-Zeiten ja durchaus politischer darstellen ließen.

Vor etwa zehn Jahren hatte Hollywood-Ikone Clint Eastwood beschlossen, dass der alte Grantler Walt Kowalski in dem großartigen „Drama „Gran Torino“ seine letzte Schauspielrolle sein sollte. Anschließend stieg er nur noch für „Back in The Game“ wieder in den Ring. Nun doch wieder einen alten Kauz zu geben, ist ein Geschenk für Filmfans, leider das einzige in einem leidlich unterhaltsamen Film, der gelinde gesagt sehr altersmilde daherkommt.

Movie Rating: ★★★★★½☆☆☆☆ 

The Mule
OT: The Mule
Genre: Drama
Länge: 117 Minuten, USA, 2019
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Clint Eastwood, Taissa Farmiga, Allison Eastwood, Dianne Wiest, Andy Garcia, Bradley Cooper
FSK: Ab 12 Jahren
Vertrieb: Warner
Kinostart: 31.01.2019

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