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Infinity Crusade – Das ewige Paradies

03.05.18 (Comic, Superhelden)

Spätestens seit den jüngsten „The Avengers“-Film „Infinity War“ dürfte die Nachfrage nach Infos über jene besagten Ewigkeitssteine und den Titanen Thanos ziemlich angestiegen sein. Hierzulande waren die comic-Geschichten, auf denen das kosmische Abenteuer rund um die Steine der Macht beruht, lange Zeit wenig bekannt. Im März hat Panini Comics allerdings rechtzeitig zum riesen Blockbuster nachgelegt: Erstmals in deutscher Übersetzung liegen nun auch die Teile zwei und drei der „Infinity“-Trilogie von Autor Jim Starlin und Zeichner Ron Lim vor. Mit „The Infinity Crudsade“ erreicht die Space Opera mit dem Marvel-Superhelden ihren Höhepunkt und ihren Abschluss.

Im Nachhinein betrachtet sind die 1990er für die amerikanischen Superhelden-Comics eine seltsame aber auch einflussreiche Dekade gewesen. Einerseits wurde der Ruf nach erwachseneren Stories und Inhalten laut, der dazu führte, dass diverse Verlagsableger aufgelegt wurden, in denen Geschichten in härterer Gangart erzählt wurden etwas mehr Realismus in die Geschcihten eingebaut wurde.

Auf der anderen Seite verstiegen sich die Verlage in erstaunliche Basishandlungen, die dann so ziemlich alles umkrempelten, was der Comic-Fan so wusste. Es wurde immer abgedrehter und bekam deutlich mehr Eventcharakter, der dann diverse Heftserien betraf. Beste Beispiele dafür sind „Batman“ –Niemandsland, das bei Panini gerade umfassend und sehr lesenswert erstmals auf Deutsch veröffentlicht wird und das epische Spider-Man Event „Die Klon-Saga“.

In dieser Liga spielt auch die kosmische Story von Jim Starlin, in der er 1991 einen fast schon übermächtigen Titanen namens Thanos auf die Suche nach den machtvollen Infinity-Steinen schickt. Nicht nur die Avengers, sondern so ziemlich alle Superhelden müssen Thanos entgegentreten, um die Auslöschung der Hälfte des Universums entgegenzuwirken. Nachzulesen in den Abenteuer „The Infinity Gauntlet“ das bereits vor Jahren bei Panini erschienen ist. Im Jahr 1992 setzte Jim Starlin wieder in Zusammenarbeit mit Ron Lim die Geschichte der Ewigkeits-Steine in dem Abenteuer „Infinity War“ fort. Erneut brauchte es dazu sechs US-Ausgaben, um einen gigantischen Storybogen auszubreiten. Übrigens, gibt es die drei „Infinity-Geschichten auch als Gesamtedition im Schuber.

Wieder ein Jahr später, 1993, machten sich das Duo Starlin und Lim daran, eine dritte und letzte Geschichte über die Infinity-Steine zu erzählen. „The Infinity Crusade“ – Das ewige Paradies“ liegt erstmals in deutscher Übersetzung vor. Also eine Neuheit, die schon ein paar Dekaden auf dem Buckel hat. Thanos, der ja in dem „Avengers“-Film „Infinity War“ einen großartigen Bösewicht abgab, und der von Starautor Jeff Lemire unlängst eine neue, eigene Serie verpasst bekam, spielt in „Das ewige Paradies“ eine eher untergeordnete Rolle. Stattdessen ist allein schon die Grundprämisse in „Das ewige Paradies“ ganz schön fantastisch ausgefallen und an Esotherik kaum zu überbieten: Adam Warlock, der einst mit den irdischen Helden gegen Thanos kämpfte, hatte die Infinity-Steine und damit die Macht sowohl seine bösen wie auch seine guten Charkatereigenschaften in eine eigene Person zu formen.

Dieses personifizierte Gute nennt sich nun Godess, also Göttin, und hat sich zum Ziel gesetzt das ultimative Paradies zu erschaffen, Paradise Omega. Leide schießt die Gute, wie so viele durchgeknallte selbsternannte Apostel, komplett über das Ziel hinaus und löst so nicht nur Hilfsbereitschaft sondern auch Widerstand aus, denn die Ungläubigen müssen bekehrt werden – oder vernichtet.

Und da wären wir dann mitten in einem Konflikt epischen Ausmaßes, in dem sich die Superhelden der Erde für eine Seite entscheiden müssen und dann vom Autor aufeinander losgelassen werden. Nun könnte man behaupten, dass eben dieser Anlass für einen weiteren Superheldenkrieg der eigentliche Anlass für dieses Comic-Event ist, das sich wie auch die beiden Vorgänger über sechs US-Ausgaben zieht. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, oder nur die eine Seite der Medaille.

Das Artwork von Ron Lim ist so gelungen wie immer, aber auch eindeutig den 1990ern zuzuordnen. So sehen moderne Superhelden-Comics heute einfach nicht mehr aus. Aber wenn man sich erst einmal in den Stil und die Erzählhaltung eingewöhnt hat, ist das Actionreiche Artwork mit vielen „Crash, Boom, Bang“ –Effekten schon ziemlich gelungen und wenn man es genau betrachtet nahe an der kosmischen Kunst eines Jack Kirby.

Auch die Story hat so ihre Finessen und ihre philosophischen Dimensionen, die eigentlich nicht unbedingt in einem Superhelden-Comic zu erwarten sind (oder in den 90ern waren). Da geht es genauso um Selbsterkenntnis und die Stellung des Menschen im Universum wie darum Heilsgeschichte und Religion zu thematisieren. Was die Godess dann aber mit dem heiligen Ei so vor hat, muss schon jeder selbst herausfinden.

Unterm Strich ist „The Infinity Crusade – Das Ewige Paradies“ ein würdiger Abschluss der Infinity-Trilogie, die Autor Jim Starlin und Zeichner Ron Lim in den 1990ern auf die Leser losgelassen haben. Zwar reicht es eigentlich den ersten (und besten Teil) zu kennen, in dem Thanos aus Liebesgründen den „Infinity Gauntlet“ an sich bringt, aber wer ein Faible für konsequent versponnenen Space-Operas und philosophische Experimente hat, wird an „The Infinity Crusade“ – Das ewige Paradies“ sicher seine Freunde und seinen Lesespaß haben.

Book Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

Infinity Crusade – Das ewige Paradies
OT: Infinity Crusade 1-6, Marvel Comics 1993
Autor: Jim Starlin
Zeichner: Ron Lim
Farben: Mike Kenny, et al
Übersetzung: Michael Strittmatter
Verlag: Panini Comics, Softcover, 260 Seiten,
VÖ: 13.03.2018

Infinity Crusade in der englischen Wikipedia

The Infinity Crusade bei Panini

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