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Life: Plan B bei Weltraum-Proben

22.03.17 (Film)

Es scheint fast als würde das Filmgenre Science-Fiction ein kleines revival erleben. Und gerade bei Sony scheint man den Weltraum wiederentdeckt zu haben: Nach Dennis Villeneuves grandiosem „Arrival“ ging „Passengers“ in das Rennen um die Zuschauergunst und entführte in das „Lost in Space“-Subgenre. Mit „Life“ wird nun der Alienhorror wiederbelebt. Aber war der überhaupt tot? Prominent besetzt mit Ryan Reynolds und Jake Gyllenhaal, die keine Opponenten spielen, zelebriert Regisseur Daniel Espinosa Schwerelosigkeit und den Verteidigungskampf eines Marsbewohners. Das kann man machen, kann man auch gucken, muss man aber nicht.

Gleich mal zu Beginn klargestellt: Als Ridley Scott 1978 „Alien“ in die Kinos brachte, war er damit keinesfalls der erste, der den lethalen Biss von Außerirdischen inszenierte, aber der Kult-Thriller hat sich zu einer Art Genre-Vorbild entwickelt. Im Grunde ist es dabei völlig egal wer da auf die Jagd nach einer Gruppe geht, oder wo das geschieht, insofern war die schematische Handlungsnähe zum Teenie-Slasher schon damals gegeben und auch John Carpenter  exerziert 1982 die Dezimierung von Besatzung einer Polarstation in dem Remake von „Das Ding aus einer anderen Welt“ als soliden Grusel-Schocker.

Kann man „Life“ als aktuellem Genre-Beitrag also vorwerfen, nicht originell zu sein? Wohl kaum. Vielmehr geht es darum, das, was absehbare Story hergibt, wirkmächtig auf die Leinwand zu bringen. Und das gelingt dem Sci-Fi-Horror-Thriller durchaus und mit recht konsequent hochgehaltener Spannung. Allerdings ist der konstant auch akustisch Anspannung simulierende Score von Jon Ekstrand, der ein Dauerkollaboratuer von Regisseur Espinosa („Easy Money“, „Safe House“)  ist, auf Dauer dann doch eher enervierend und in meinem Fall kontraproduktiv. Irgendwann schaltet die körpereigene Adrenalinausschüttung einfach ab und im Kinosessel bleibt phlegmatische Anteilslosigkeit zurück.

Aber worum geht es eigentlich? Auf der ISS im Erdorbit wartet ein Forscherteam sehnsüchtig auf die Rückkehr einer Marssonde, die Proben bringen soll. Astronaut Roy Adams (Ryan Reynolds) muss allerdings per Hand dafür sorgen, dass die Sonde auch richtig  andockt, den die ist beschädigt. Bei der Auswertung der Mars-Proben  entdeckt Biologe  Darry (Ariyon Bakare) einen scheinbar leblosen Einzeller. Nach diversen Experimenten mit einer passenden Umgebungsatmosphäre erwacht die Zelle tatsächlich zum Leben.

Auf der Erde ist das ein großes Medienthema und eine Schulklasse darf dem Marsianer einen Namen geben: Calvin. An Bord der ISS herrscht allerhöchste Sicherheitbei den biologischen Untersuchungen. Während Darry von dem Tempo begeistert ist, mit dem sich der Einzeller zu einem komplexen Organismus entwickelt, sind Kommandantin North (Rebecca Fergusson) und  Bordmediziner Jordan (Jake Gyllenhaal) eher skeptisch, was das Gefahrenpotential der außerirdischen Lebensform angeht. Calvin hat nach einigen Tagen schon die Größe und Form eines durchsichtigen Seesterns erreicht und wirkt eher putzig als bedrohlich. Aber nach einigen Tagen, hat es Calvin satt wie eine Laborratte mit Nadeln malträtiert zu werden und bricht aus.

Es ist erstaunlich, wie schnell sämtliche vermeintlichen Sicherheitsvorkehrungen ausgehebelt sind und sich das Killer-Alien an die blutige Dezimierung des ISS-Personals machen kann. Wären da intelligente Wissenschaftler am Werk, würde die Sache sicher anders aussehen. Aber das dusselig schusselige Verhalten der Crew passt zu der stereotypen Charakterzeichnung der Figuren, die nicht viel mehr sind als Schablonen für eben jenes Personal, dass es in dem Genre braucht, um „10 kleine Negerlein“ zu spielen (sorry für den politisch unkorrekten Songtitel). Das Drehbuchstammt übrigens von Rhett Reese und Paul Wernick, die zusammen auch „Deadpool“ geschrieben haben.

Aber wie schon erwähnt, die Spannung wird aufrechterhalten und die Schauwerte und Effekte (Kamera: Seamus McGarvey ; u.a. „Avengers“, „Godzilla“, Abbitte“, Nocturnal Animals“) stimmen -wie das auch bei „Passengers“ zu Beginn des Kinojahres der Fall war. In „Life“ überzeugt vor allem das Alien-Design, das sich sehr organisch von fast pflanzlicher Existenz zu einer Art durchsichtigem Power-Seestern entwickelt und damit längst noch nicht seine finale Form gefunden hat. Calvin rockt das Boot schon ganz gealtig, um das mal flapsig zu formulieren.

Fraglich ist, ob es für diesen Weltraum-Gruselfilm tatsächlich zwei „Leading Man“ braucht. Immerhin stehen sich Reynolds und Gyllenhaal auch nicht im Weg. Der japanische Star Hiroyuki Sanada („Samurai in der Dämmerung“, „Last Samurai“) dürfte inzwischen gewohnt sein in westlichen Blockbustern verheizt zu werden. Mit seiner russischen Kollegin Olga Dihovichnaya an den Kontrollkonsolen sitzend, wirken die beiden ein bisschen wie eine besockt schwebende Version von Sulu und Chekov aus „Star Wars“.

Vielleicht sollte der Science-Fiction Fan darauf warten, bis sich in Literatur und Film auch mögliche (fiktive) Lebensformen der im Februar entdeckten erdähnlichen Planeten im System des roten Zwergs Trappist-1 zeigen, bevor das Genre Alienhorror wieder spannend ist. Der Mars ist irgendwie abgegrast und ausgelutscht. Unterm Strich ist der Sci-Fi-Horror „Life“ aber handwerklich solide und leidlich spannend ausgefallen.

Movie Rating: ★★★★★☆☆☆☆☆ 

Life
OT: Life
Genre: Science-Fiction, Thriller, Horror,
Länge: 103 Minuten, USA, 2016
Regie: Daniel Espinosa
Darsteller: Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds, Jake Gyllenhaal, Hiroyuki Sanada, Ariyon Bakare, Alexandre Nguyen, Olga Dihovichnaya
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Sony
Kinostart:  23.03.2017

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