The Power of Soul: Immer auf die Eins

The-Power-of-soul-vorschauDie Musikdoku „Power of Soul“,  die Anfang November bei Studio Hamburg Enterprises erschienen ist, will nicht weniger, als den Zuschauern erklären, was Soul Musik denn überhaupt ist macht damit ein ganz großes Fass auf. Letztlich landet der Film dann aber schnell doch irgendwie im Wesentlichen bei James Brown, dem Paten von Soul und Funk. Filmmacher Marc Fehse  produzierte das Film-Projekt mit DJ Pari wohl mit geringen Finanzmitteln macht aber das Beste draus. „The Power of Soul“ ist dennoch nur bedingt zu empfehlen.

JAMES BROWN 3-2Die Liste der Soul- und Funkgrößen, die Marc Fehse und DJ Pari in der Doku „The Power of Soul“ vor die Kamera bekommen, ist schon beachtlich,  angefangen bei dem Grandmaster James Brown höchst selbst, über Joss Stone, Joe Quartemain, Clyde Stubblefield, Pharcyde, Kurtis Blow und Bobby Byrd. Funk und Soulfans werden diese Namen aus dem Umfeld der James Brown Revue etwas sagen. Alle anderen lernen die gestandenen Showgrößen im Lauf des Films kennen. Über zehn Jahre lang sammelten Marc Fehse und Markus Schmidt wie DJ Pari mit bürgerlichem Namen heißt, Interviews für ihr Soul-Projekt. Das lässt sich schon daran festmachen, dass Bobby Byrd 2007 und James Brown im Jahr 2006 verstorben sind. die entsprechenden Interviews in „The Power of Soul“ müssen also zu den letzten gehören, die die beiden, die jahrelang gemeinsam auf der Bühne standen, geführt haben.

JAMES BROWN 5Marc Fehse pimpt sein inhaltlich durchaus sehenswertes Interviewmaterial mit diversen filmischen Gimmicks. Während die Animationen, Einblender und auch der Fernsehapparat, der anfangs das Konzertmaterial umrahmt ganz gelungen sind, ist es vor allem der diffus wirkende Erzähltext – gesprochen von Synchronsprecher Charles Rettinghaus, wenn ich mich nicht verhört habe – der den Zuschauer allen Ernstes auf „eine fantastische Reise in die Welt des Soul“ mitnimmt, um dann gleich diverse Soulmusiker zu zeigen, die alle samt nicht in der Lage sind, den Musikstil zu definieren. Immerhin wird im Filmverlauf deutlich dass es vom Soul zum Funk eine Rhythmusverschiebung gegeben hat.

Auch sonst macht die filmische Struktur keinen schlanken Fuß und schafft es nicht, den inhaltlichen Bogen von Soul und Funk in den 60ern und 70ern über die Rap-Samples bis hin zu dem Soul-Revival in den 2000ern zu spannen, an dem DJ Pari wesentlichen Anteil hat, indem er einerseits rare Soul Songs auf den Plattenteller zauberte und andererseits mit seinem Projekt „Soulpower“ weltweit neue Soul- und Funkkünstler entdeckt, wie etwa das japanische Funk Outfit Osaka Monaurail. Acid Jazz, der in den Neunzigern die Tanzböden unsicher machte, kommt beispielsweise gar nicht vor. Aber das nur am Rande.

james brown 6Marc Fehse und DJ Pari steuern auch eigene Konzertmitschnitte bei, die sie von den Funk-Legenden im Film gemacht haben. Bild- und vor allem Tonqualität lassen dabei leider erheblich zu wünschen übrig.  Aber was Archivmaterial angeht, hat „The Power of Soul“ ein Pfund in der Hinterhand: Den Musikladen-Auftritt von James Brown und seiner Band. Während in der Musikladen-Folge Nummer 62 (gesendet am 30.04.1981) nur der Song „Rapp Payback“ ausgestrahlt wurde, hat die Band doch ein vollständiges Konzert  gespielt. Fehse hatte Zugriff auf das Archiv und kann einige der Aufnahmen verwenden. So auch die komplette Zugabe Jam, die den Film nach dem Abspann beendet. Das ist schon schön anzusehen, auch wenn James Brown sein kreatives hoch längst hinter sich hat.

Insgesamt aber wirkt „The Power of Soul“ irgendwie wie die Resteverwertung eines ganz anders gedachten  Filmprojektes, dass Marc Fehse zwischen 2004 und dem Erscheinen seines Actioners „Sex, Dogz & Rock’n’Roll“ 2011 nicht so recht zu einem Abschluss bringen konnte. Jetzt hat die Zeit „The Power of Soul“ überholt und inzwischen hat Hollywood mit „Get on Up“ ein Bio-Pic über den Godfather of Soul“ auf den Markt gebracht und vor einigen Monaten lief im TV auch die sehenswerte amerikanische James Brown Doku „Mr Dynamite – The Rise of James Brown“ von Regisseur & Oscar Gewinner Alex Gibney. Die ist deutlich aufwändiger und mit wesentlich höherem Budget von Mick Jagger produziert. Da kann das kleine deutsche Underground-Projekt kaum mithalten.

Vieles in „The Power of Soul“ bleibt fragmentarisch und wirkt unfertig, versprüht aber einen nicht unattraktiven Underground-Charme. Vor allem aber fehlt ein stringenter roter Faden, um die Doku über den Paten des funk, James Brown, inhaltlich zusammenzuhalten.

Movie Rating: ★★★★★☆☆☆☆☆ 

The-Power-of-soul-DVD-CoverThe Power of Soul
Genre: Doku, Musik,
Länge: 81 Minuten, D, 2013
Regie: Marc Fehse
Mitwirkende: James Brown,
FSK: ohne Altersbeschränkung
Vertrieb: Studio Hamburg Entertainment
DVD-VÖ: 06.11.2015

 

zum Weiterstöbern:

offizielle Film-Homepage

Marc Fehse Homepage

DJ Pari bei Wikipedia

James Brown bei Wikipedia

 

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