Taschengeld-Tipps #31/2011

sebadoh-bakesaleImmer diese Grundsatzfragen: Mittelmäßiges Blockbuster-Kino oder zu Hause bleiben? Regenschirm mit oder nicht? Neues Album oder einfach das alte Zeug nochmal hören? Indie-Rock oder Reggae? Barfuss oder Lackschuh. Sekt oder Selters. Dockville oder Rockspektakel? Aber das ist ja erst am nächsten Wochenende. Das Wetter kann sich doch auch nicht entscheiden. Und wenn am Wochenende die Bundesliga wieder startet, geht der Fußballrummel wieder los. Der HSV hat jetzt schon eine Krise, Wetten auf die erste Trainerentlassung werden nicht mehr angenommen. Wahrscheinlich kann man auch in dieser Saison wieder jeden Abend irgendeinen Kick glotzen. Der Ball ist rund. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Hier sind die Wochen-Tipps, verspielt, aber ganz ohne Ball:

Toots & The Maytals - 2010-Flip & TwistLIVE: Wer in dieser Woche Lust auf interessante Konzerte hat, muss sich nur den Dienstag (9.August) vormerken, dann gibt es wieder die Qual der Wahl: entweder Indie-Folk mit Sebadoh im Knust, oder doch lieber lässige Reggae-Urgesteine in der Fabrik: Toots and the Maytals. Das jamaikanische Vocal-Trio ist zwar schon seit 1963 in Sachen Reggae, Ska und Rocksteady unterwegs, gehört aber keineswegs zum alten Eisen. Im vergangenen Jahr haben Toots and the Maytals mit „Flip & Twist“ eine neue Scheibe vorgelegt. Reggae-Fans müssen sich nicht wundern, dass der Hamburger Gig weder auf der Homepage der Band, noch im Veranstaltungskalender der Fabrik auftaucht: Das deutsche Zwischenspiel legen Toots and the Maytals mal eben zwischen Frankreich und England ein. Auf dem Rückweg kommen die Jungs Ende des Monats noch mal in Dortmund (27.8.) und auf dem Übersee-Festival (26.8.) vorbei, sagt zumindest die Band-Homepage.

sebadohLou Barlow war auch mal Mitglied bei Dinosaur Jr., aber das ist inzwischen so häufig zitiert und so lange her, dass es fast belanglos ist, immerhin hat sich Barlow mit seinem Low-Fi-Folk einen klangvollen Namen gemacht: Zuerst mit der Band Sebadoh später dann mit der Folk Implosion. Aktuelle Outputs gibt‘s von beiden Outfits nicht (Die Reissues der Sebadoh-Klassiker zählen nicht), aber wenn Sebadoh ab dem 8.8. (Berlin) auf Europa-Tour gehen, kann man sich selbst davon überzeugen, dass dieser Sound alles andere als altbacken ist. In Hamburg machen Sebadoh das Knust unsicher (9.8.), wenn die Gitarre schrammelt und schräg-schöne Songperlen unters Volk gebracht werden. Aktuell besteht das Trio neben Lou Barlow noch aus Bob D’Amico und Jason Loewenstein.

BlueValentine-KINO: Von den aktuellen Kinostarts kann ich eigentlich keinen ruhigen Gewissens empfehlen, was vor allem daran liegt, das ich „Blue Valentine“ noch nicht selbst gesehen habe. Immerhin scheint das amerikanische Ehe-Drama mit Michelle Williams und Ryan Gosling intensives Kino zu bieten und Michelle Williams konnte für die Rolle der Cindy eine Oscar-Nominierung einheimsen. Dass Ryan Gosling („Half Nelson“, „Lars und die Frauen“) ein außergewöhnlicher Schauspieler ist, der eigentlich jede Rolle ausfüllt, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Mal sehen, wann Herr Gosling ein Superheldenkostüm überstülpt, oder ob er der Versuchung widerstehen kann. „Blue Valentine“ zeigt, was passieren kann, wenn sich aus einer Beziehung die Liebe verabschiedet. Kann man mal ausprobieren. Auf der englischen Film-Homepage gibt’s den Trailer und mehr Infos.

DVD: Still, heimlich und leicht zu übersehen kommt eine feine DVD-Premiere auf den Markt:

the-wackness-dvd„The Wackness“ von Regisseur Jonathan Levine erzählt die Geschichte von Luke (Josh Peck) der den Sommer 1994 in New York damit verbringt, die Zeit bis das College beginnt zu überbrücken. Mit einem Ferienjob und dem Verkauf von Dope klappt das zwar finanziell ganz gut, aber Luke findet sein Leben eigentlich Scheiße. Auf zum Psychiater: Dr. Squires (Ben Kingsley) lässt sich mit Dope bezahlen und als weiteren Anreiz regelmäßig beim Doc aufzutauchen wirkt dessen anziehende Stieftochter. „The Wackness“ ist eine urbane Romanze und findet den richtigen Ton zwischen Drama und Komödie des Erwachsenwerdens. Warum der Film von 2008 den Weg in unsere Kinos nicht gefunden hat, bleibt mir mal wieder schleierhaft. Alles Weitere auf der englischen Film-Homepage. Ganz nebenbei ist der Soundtrack einfach klasse: Hip-Hop vom Feinsten.

SAMIYAM-SAM-BAKERS-ALBUMMUSIK: Womit wir übergangslos beim Album der Woche wären:„Sam Baker’s Album“ trägt auf dem Cover ein niedliches Kindheitsbild, das vielleicht den Künstler selbst abbildet. Wer weiß das schon. Inhaltlich lotet Samiyam die Bandbreite instrumentalen Hip-Hops aus. Nach „Rap Beats Volume 1“ (2008) und zwei kürzeren Outputs („Return“, „Man vs Machine“) fuchtelt Sam Baker wieder an den Turntables, dreht an der Drum-Machine und sampled munter vor sich hin. Das funktioniert erneut auch auf Albumlänge mit wunderbarem Flow und feinen Bässen, auch wenn keiner der Tracks übermäßig lang ausgefallen ist. Ganz so abstrakt wird’s also nicht. Wer mit solcher Mukke was anfangen kann, findet bei Tonspion.de den Album-Stream zu „Sam Baker’s Album, aber lasst euch nicht wegstrudeln.

 

Kommt sicher durch die Woche.

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