Top 5: Animationsfilme 2010

MegaMindEigentlich bin ich ein großer Fan dessen, was man früher gemeinhin Zeichentrickfilm nannte. Nicht nur hierzulande wird das meistens mit kindgerechter Unterhaltung gleichgesetzt und häufig unter Wert verkauft; beziehungsweise ist total unverständlich für zu junge Zuschauer. Aber trotz der Fülle an Animationsfilmen 2010 kommt keine rechte Freude auf.

Eben dies hat das Genre 2010 teilweise mit dem deutschen Film gemein, allerdings aus anderen Gründen. Der Großteil der Animationsfilme großer Studios läuft inzwischen nach dem gleichen Strickmuster ab: Familiengerechte Unterhaltung für Groß und Klein. Niedlich für die Jungen und eingestreute Insiderwitze für die Alten. Die Rechnung geht auf und Neuinterpretationen alter Stoffe („Rapunzel“) locken die Scharen ins Kino.

tangled-Rapunzel-disney-flynn-disneys-rapunzelWirklich originell ist das allerdings nicht. Auch vermeintlich „erwachsenere“ Themen wie „Megamind“ können wohl aus finanziellen Erwägungen nicht anders, als den Trend anzusprechen. Alles legitim und auch nachvollziehbar, nur hat sich durch die Menge einfach ein einheitliches mittelmäßiges Niveau eingestellt, das nicht mehr ist als gute Unterhaltung.

doctorstrange7thGleiches gilt bei den im Zuge der Superhelden-Realfilme veröffentlichten Animatinsfilmen. „Doktor Strange“ aus dem Hause Marvel kann immerhin noch mit einer passablen Story und einem durchdachten Charakter punkten. Ansonsten ist das häufig Merchandising-Ballast.

Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei den Animes in Japan seit einigen Jahren: Unmengen an Neuveröffentlichungen, denen ein einheitliches, austauschbares Strickmuster zugrunde liegt und eine häufig ähnliche Dramaturgie. Ausgelutschte Themen tun dann ein Übriges, um das Genre an sich langweilig erscheinen zu lassen.

Die Top 5 im Animationsbereich sind dann auch nicht die besten, es sind fast die einzigen herausragenden, sozusagen konkurrenzlos. Mit Ausnahme des nicht weiter betrachteten „Ponyo“. Ich bin es einfach leid, immer nur Mastermind Myazaki zu bemühen. Ein Anime ist trotzdem dabei. Die nächste Top 5 Runde widmet sich dann den Serien.

5. # 9 (Number Nine)

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Regisseur Shane Acker hat mit prominenter Unterstützung von Tim Burton und Timur Bekmambetov seinen Oscar-nominierten Kurzfilm auf Spielfilmläge aufgepumpt. Die postapokalyptische Story um die zum Leben erweckten Stoffpuppen besticht mit Liebe zum Detail und einer finsteren Atmosphäre. Die Story hat einige Längen, aber das machen die prominenten Sprecher wieder wett.

4. Sumer Wars

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Gerade Oscar-nominiert ist „Summer Wars“ von Mamoru Hosoda ähnlich  großartig ausgefallen wie „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ (2006). Die Story um das junge Mathegenie Kenji pendelt zwischen Cyberrealität und Familiengeschichte. So wunderbar können Animes sein, wenn sie nicht als Meterware produziert werden.

3. Idiots and Angels

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Zeicher und Filmemacher Bill Pympton ist eine Ikone, die schon seit 1977 Zeichentrickfilme macht, meistens kurze. Dennoch ist sein Werk nur Cineasten bekannt. Das liegt auch daran, dass hier einer sein Ding macht und sich nicht lange um Erwartungshaltung und Publikumsvorlieben schert. „Idiots and Angels“ ist die spielfilmlange Story eines fiesen Kerls, der eines Tages mit Flügeln aufwacht, die er nicht wieder los wird. Das hindert ihn allerdings nicht daran, auch weiterhin ein Stinkstiefel zu sein. Originell, einzigartig und finster. Hierzulande lief der Film von 2008 als Erstaustrahlung im Frühjahr bei 3Sat, daher die Nominierung. Eindrücke gibt’s auf der Film-Hompage.

2. Der fantastische Mr. Fox

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Regisseur Wes Anderson, bekannt für dysfunktionale Familien-Dramödien, inszeniert den Kinderbuch-Klassiker von Roald Dahl als Stop-Motion-Picture und gewinnt damit auf ganzer Linie. Die Umsetzung ist originell und – obwohl kindgerecht – eindeutig eher für ein erwachsenes Publikum, denn ohne Familienquerelen kann Herr Andersen nicht. Die deutsche Synchro von Merryl Streep und George Clooney besorgen übrigens mindesten kongenial Andrea Sawatzki und Christian Berkel. Toller, origineller Film.

1. Mary und Max

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Über Adam Elliots unglaublichen und wunderbaren Film habe ich mich an anderer Stelle ausgelassen. Die Story über die ungleiche Brieffreundschaft zweier krasser Außenseiter ist nicht nur der beste Animationsfilm des Jahres, sondern gehört auch unter den Drama-Top 5 ganz nach vorne. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Schrumpfen Schafe denn nun, wenn es regnet? Hier geht’s zum Trailer.

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