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Vegane Lebensweise in der Doku: „Live And Let Live“

27.05.14 (Doku, Film, Tellerrand)

lall_02-vorschauDas Thema „Veganismus“ ist längst im gesellschaftlichen Alltag angekommen, von vielen Medien für eine Modeerscheinung gehalten, ist die vegane Lebensweise schon seit Jahrzehnten präsent und geht auf eine Wortkreation von Donald Watson von 1944 zurück. Der Autor und Soziologe Marc Pierschel hat bereits ein entsprechend tierloses Kochbuch und ein Sachbuch über den Lebensstil vorgelegt. Nun folgt eine Doku über Veganismus, die sich nicht nur mit der Ernährung, sondern vor allem mit dem ethischen Konzept auseinandersetzt. „Live And Let Live“ ist eine Herzensangelegenheit, die ohne Fördermittel entstanden ist.

lall_05Gleich zu Beginn des Dokumentarfilms „Live And Let Live“ macht eine Veganerin deutlich, dass es vor allem moralische Skrupel sind, die sei bewogen haben, keine Tiere zu töten oder auszubeuten, um sich selbst zu ernähren. Auch den Betreiber eines Lebenshofes, in dem Nutztiere ihren Lebensabend verbringen und den Tieraktivisten geht es darum, Tiere als Lebewesen und Individuen wahrzunehmen, die ebenso leiden und leben wie wir. Eine Position, die durchaus auch von Experten geteilt wird, wie etwa einem amerikanischen Juristen und einem Biologen. Zu Wort kommen außerdem neben zahlreichen Wissenschaftlern auch ein veganer Koch, ein landwirtschaftliches Kollektiv, das nach veganen Maßstäben zu wirtschaften versucht, und einen Hochleistungssportler, der sich tierlos ernährt. Angereichert werden diese Fallbeispiele mit Experteninterviews aus allen erdenklichen Bereichen, wie etwa Soziologen, Ernährungswissenschaftlern, Ökologen und Philosophen.

lall_04Auf diese Weise gelingt es Filmmacher Marc Pierschel aufgrund seines Buches von 2009 ein sehr umfassendes Bild der veganen Lebensweise zu zeichnen, das deutlich über ein „hippes“ Ernährungskonzept hinausgeht. Das alles ist informativ und erzählerisch gut strukturiert aufbereitet. Nur leider auch etwas dröge. „Live And Let Live“ besteht fast ausschließlich aus Interviews und einigen unterfütternden Alltagsszenen, die aber immer auch mit einem Interview verbunden sind. Das Bonusmaterial war in der vorliegenden Pressekopie nicht enthalten, bleibt hier also unbehandelt.

Regisseur Pierschel äußert selbst, dass die Filmidee eher zufällig entstand, als er zur Überarbeitung seines Buches in den USA weilte, und man merkt dem Film an, das er kein Infotainment  sein will, sondern sich intensiv und breitgefächert mit der Materie befassen will. Kritisch anzumerken wäre vielleicht, dass ausschließlich Befürworter des Veganismus zu Wort kommen, eine Diskussion also nicht stattfindet. Das hätte dem Film sicherlich etwas mehr Pep verliehen, allerdings auch die Intention von Marc Pierschel verändert. Und die kann man  „Live And Let Live“  nicht ernsthaft vorwerfen.

lall_11Jüngst wurde Woody Harrelsen in Berlin auf einem Vegan-Festival gesichtet. In dem Blockbuster „Noah“ kommt der biblische Stammvater, verkörpert von Russel Crowe,  zumindest als Vegetarier rüber. Und im Wochenabstand erscheinen Selbsterfahrungsberichte von Test-Veganern in der Presse und neulich hat sich sogar das ARD-Magazin Plusminus mit den Gefahren veganer Ernährung auseinandergesetzt. Der Beitrag hat zwar nur auf unsympathische Weise dieselben Vorbehalte aufgewärmt, wie sie schon seit Jahrzehnten kursieren, aber Vorurteile halten sich bekanntlich lange.Veganismus nur als alternative, tierlose Ernährung zu verstehen, greift zu kurz, der Lebensstil beinhaltet auch gedankliche Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Normen und die Infragestellung der vermeintlichen Vorherrschaftsstellung des Menschen in der Natur und den ressourcenausbeutenden modernen Lebensstil. Das alles wird in „Live and Let Live“ thematisiert.

Inhaltlich ist „Live and Let Live“ gelungen und gibt einen umfassenden Einblick in den Veganismus. Als Einstieg in das Thema ist Marc Pierschels Doku bestens geeignet. Auch wenn man dem Film anmerkt, dass der Regisseur eigentlich eher Autor ist. Extrapunkt für’s Engagement.

Movie Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

lall_dvdcoverLive And Let Live – Eine Dokumentation über Veganismus
Genre: Doku, Ernährung, Ethik, Gesellschasft
Länge: 80 Min, D, 2013
Regie & Buch: Marc Pierschel
Mitwirkende: Melanie Joy, Kurt Schmiedinger, Lauren Ornelas, T. Colin Campbell
Extras: weitere Interviews, Special: 2 Jahre später, (ca. 60 Min.)
FSK: ohne Altersbeschränkung
Vertrieb: Mindjazz Pictures
DVD-VÖ: 23.05.2014

Zum Weiterlesen:
Offizielle Film-Homepage
Veganismus bei Wikipedia
Marc Pierschel bei Facebook

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