Es geschieht selten genug, dass zwei Filme mit ähnlicher Anlage zeitgleich in den hiesigen Kinos starten. Während „Whalefall“ den Verlust des Vaters als Creature-Horror aufbereitet, setzt „Das Ding mit den Federn“ den Tod der Ehefrau und Mutter auf düstere Fantastereien mit Vogelkreaturen. Beide Filme nach literarischen Vorlagen starten am 15. Oktober in den Kinos.
Trauer, Tod und Verlust aufzubereiten und zu thematisieren, ist eine eigenwillige Angelegenheit. Nicht wenige Leute sind der Ansicht, das müsse jede:r auf seine eigene Weise verarbeiten. Umso erstaunlicher, dass sich zwei Bücher und deren Verfilmungen entschieden haben, aus der ins Leben gerissenen Lücke eine Art Horror-Thriller zu machen. Sowohl in „Whalefall“ als auch in „Das Ding mit den Federn“ tritt eine Kreatur anstelle der Trauer und personalisiert die Pein der Hinterbliebenen.
In gewisser Weise müsste das Filmpublikum auch noch die im Juli gestartete biografische Literaturverfilmung „H wie Habicht“ hinzuzählen. Auch darin verarbeitet eine junge Frau den Tod des Vaters, indem sie sich einen schwierigen Jagdvogel für die Beizjagd zulegt. Das erinnerte sie an ein Kindheitsprojekt mit dem Verstorbenen.
In „Whalefall“ ist der Aussteiger, Naturbursche und Familienvater Mitt Gardiner (Josh Brolin) ein begnadeter Taucher, der seinen inzwischen erwachsenen Sohn an die harte Kandare genommen hat. Der fühlte sich ungeliebt und kehrt erst zur Trauerfeier um den Vater zurück, der sich, um einem krankheitsbedingten Siechtum zu entgehen, im Meer ertränkt. Nun will Sohnemann Jay (Austin Abrahms) die Leiche suchen und gerät dabei in das Maul eines Pottwals.
In „Das Ding mit den Federn“ trauert ein Comiczeichner und Vater (Benedict Cumberbatch) zweier junger Söhne um seine zu früh verstorbene Frau. Überfordert und immer depressiver werdend, erscheint ihm eines Tages ein menschengroßes Vogelwesen und wäscht dem Witwer den Kopf.
Die Tiersymbolik in den Filmen ist offensichtlich. Und wenn Mitt in „Whalefall“ seinem Sohn davon erzählt, dass der Tod eines Wals, der Whalefall, ein ganzes Ökosystem erschafft und ernährt, ist das auch für die Familie Gardiner gemeint. Denn die Schwestern und auch Jays Mutter erinnern das Familienoberhaupt ganz anders und wesentlich liebevoller als der Sohn, der meint, den väterlichen Erwartungen nie entsprechen zu können.

Der Vater mit dem Federding überlässt der Kreatur auch seine Kinder, gibt sich der Trauer hin und sieht keinen Ausweg. Eine weitere Parallele zu dem durchaus düsteren „H wie Habicht“ ist die Besetzung von Sam Spruell in beiden Dramen. Hier ist er der besorgte Bruder des Witwers, dort der befreundete Falkner, der sich mit der Abrichtung der Jagdvögel auskennt.
Während im Ozean der verzweifelte Sohn wie einst Jonas im Wal leidet – und zwar in horror-schicken Props, Suppen und Soßen mit noch lebenden Parasiten und Gifttierchen –, kanalisiert dort der trauernde Zeichner sein Leid und seine Pein in eine kreative Leistung, eine Graphic Novel, so wie auch „H wie Habicht“ auf einem quasi-autobiografischen Roman beruht.
Geteiltes Leid mag halbes Leid sein, die kreative Verarbeitung ist legitim, die filmische Adaption jeweils naheliegend und mit leidlich sehenswerten Schauwerten und tollen Darstellerleistungen veredelt, aber letztlich liegt in der jeweiligen Auseinandersetzung des Publikums wenig Trost und viel Zurschaustellung.

Whalefall
OT: Whalefall
Genre: Horror, Drama, Thriller
Länge: 106 Minuten, USA, 2026
Regie: Brian Duffield
Vorlage: Roman von Daniel Kraus
Schauspiel: Austin Abrahms, Josh Brolin
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Disney
Kinostart: 15.10.2026
5 von 10 Walrülpsern

Das Ding mit den Federn
OT: The Thing with Feathers
Genre: Gruselfilm, Drama
Länge: 98 Minuten, GB, 2025
Regie: Dylan Southern
Vorlage: Roman „Trauer ist das Ding mit Federn“ von Max Porter
Schauspiel: Benedict Cumberbatch, David Thewlis
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Plaion Pictures
Kinostart: 15.10.2026
5 von 10 Daunen

