Wickie auf großer Fahrt: Wikinger-Schatzsuche

Im #Sommerkino26 geht es mit Wikingern auf die See hinaus. 2009 gelang Michael „Bully“ Herbig mit der Realverfilmung der Kinder-Zeichentrickserie „Wickie“ ein riesiger Leinwanderfolg. Klar, dass eine Fortsetzung nicht ausblieb: Nun geht der kleine schlaue Wikingerjunge aus dem Dorf Flake auf Schatzsuche – zwar ohne Bully, dafür in 3D und mit einer akzeptablen Fortsetzungsabenteuer.

Auf einem ihrer Beutezüge geraten die Wikinger aus Flake an eine Gruppe Ritter und Wickie (Jonas Hämmerle) muss sein Geschick beweisen. Doch aus dem heimlichen Raub wird nichts, denn ein unbekanntes Mädchen (Valeria Eisenbart) weckt das ganze Ritterlager auf und Wickie wird zu einer Gruppe gefangener Eskimokinder gesteckt. Doch während Halvar (Waldemar Kobus, „Das Haus der Krokodile„, „Vaterland“) und seine Männer mit den Rittern kämpfen kann Wickie sich und die Eskimos befreien, dabei fällt ihm eine mysteriöse Schatzkarte in die Hände.

Weil der Beutezug nicht gerade erfolgreich war, beschließt Halvar jetzt auf Schatzsuche zu gehen. Doch bevor es losgehen kann, klaut der schreckliche Sven die Schatzkarte und entführt Wickies Vater. Notgedrungen, weil das so Brauch ist, wird Wickie zum neuen Häuptling und macht sich auf die Suche nach seinem Vater. Zuerst soll Halvar aus Svens Burg am Kap der Angst befreit werden und dann geht es in Richtung Eispalast, wo der sagenumwobene Schatz versteckt sein soll.

Eine geheimnisvolle Schatzkarte

Das zweite real verfilmte Abenteuer des schlauen Winkingerjungen wurde komplett in 3D gedreht und Regisseur und Drehbuchautor Christian Ditter sorgt mit seinem Filmteam für kindgerechte und kurzweilige Unterhaltung. Ditter hat mit der Neuverfilmung der „Vorstadtkrokodile“ bereits beweisen, dass er spannende und zeitgemäße Jugendfilme machen kann. „Wickie auf großer Fahrt“ richtet sich allerdings an ein jüngeres Publikum und der Film hat zwei Knackpunkte: Die 3D-Technik sorgt bei ganz jungen Zuschauern schon mal für Irritationen, weil die ungewohnten Brillen irgendwie stören. Aber das muss das erwachsene Begleitpersonal selbst beurteilen können.

Wesentlich störender in diesem Abenteuer ist das fantastische Finale, das irgendwie so gar nicht zu dem schlauen und überhaupt nicht übernatürlich veranlagten Wickie passen will. Selbstverständlich gehört auch die nordische Mythologie zur Erlebniswelt der Wikinger, doch sowohl die Serie als auch die erste Realverfilmung setzten immer darauf, dass der kleine Junge Kraft mit Schläue und Intelligenz überwindet. Das tut Wickie auch in „Auf großer Fahrt“, hier kommt nun aber mit dem mächtigen Schatz der Götter noch ein fantastisches Element dazu. Das mag zeitgemäßes Kino sein und eventuell erwartet die Zielgruppe in Zeiten von „Harry Potter“, „Percy Jackson“ und anderen zauberhaften Kinoerfolgen solcherlei Mystizismus, aber es entfernt sich eben auch von der Botschaft der erfolgreichen Vorlage. Vielleicht spiegelt das einfach nur den Zeitgeist, den Regeln für Blockbuster entspricht das auf jeden Fall.

Ein schlauer Junge und schusselige Erwachsene

Abgesehen von diesen grundsätzlichen Einwänden gegen die Machart, ist „Wickie auf großer Fahrt“ ein sehr gelungenes Abenteuer, das es schafft kindgerecht zu sein und handwerklich gut umgesetzt ist. Die Story ist übersichtlich und spannend gemacht und selbstverständlich geht es auch wieder um das „Erwachsenwerden“ und die Anforderungen, die Eltern an Kinder haben. Nichts interessiert Halvar mehr, als dass sein Sohnemann endlich ein richtiger Wikinger wird. Netterweise sind, zumindest im zweiten Wickie-Abenteuer, auch Väter lernfähig. Aber es geht auch um Freundschaft und Familie. Es gibt einige einprägsame Szenen, mit denen Kinder viel anfangen können.

Die 3D-Umsetzung ist gelungen und verleiht dem ganzen Film eine realistische Tiefe. Dabei kommen die echten Spielszenen sehr viel natürlicher rüber als die computeranimierten GCI-Sequenzen, die ziemlich actionlastig und bombastisch ausgefallen sind. Da blitzt schonmal ein wenig „Herr der Ringe“ auf. Ob das Konzept aufgeht, wird sich an der Kinokasse erweisen. Für das Home-Entertainnmet braucht es üblicherweise kein 3D und die beiden Wikie-Realfilme sind auch in einer Box erhältlich.

„Wickie auf großer Fahrt“ ist ein recht gelungenes Kinderabenteuer geworden. Die 3D-Technik kommt dem Film großteils zugute. Gegen Ende des Abenteuers wird es allerdings sehr turbulent und die bombastischen Kulissen wirken etwas deplatziert. Regisseur Christian Ditter bemüht sich um ein zeitgemäßes neues Abenteuer, dass die Wickie-Fans sicher ansprechen wird.

6/10

Wickie auf großer Fahrt
OT: Wickie auf großer Fahrt
Genre: Abenteuer, Jugendfilm
Länge: 96 Minuten, D, 2011
Regie: Christian Ditter
Schauspiel: Jonas Hämmerle, Waldemar Kobus, Valeria Eisenbart
FSK: Ab 0 Jahren, ohne Altersbeschränkung
Verleih: Constantin Film
Kinostart: 29.09.2011
DVD- & BD-VÖ: 08.03.2012

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