Ghost School: School’s out

In dem pakistanischen Drama „Ghost School“ soll es in einer Dorfschule spuken, daher wird die Lerneinrichtung geschlossen. . Für die junge Rabia ist das ein Desaster, weil sie sich nach den Ferien auf das Lernen gefreut hat. Das ruhige Drama von der britisch-pakistanschen Regisseurin Seemab Gul nähert sich dem pakistanischen Bildungswesen aus der Sicht einer Zehnjährigen. Zu sehen im Kino ab dem 3.September 2026.

Alles beginnt ganz harmlos, als Rabia (Nazualiya Azalan) sich freut nach den Ferien wieder auf den Unterricht freut. Doch die Schule bleibt geschlossen. Ein Wachmann erklärt, der Lehrer sei besessen. Die Eltern nöhlen kurz rum, aber weil in den Monaten zuvor schon alle anderen Lehrer weggingen, hält sich das Gequengel in Grenzen. Die Sohne werden einfach auf die Schule im Nachbardorf geschickt. Rabia bekommt von ihrer Mutter gesagt, sie solle mit dem kleineren Geschwistern spielen.

Als die Mutter Rabia dann später an Tag auf dem Markt schickt, beschließt das Mädchen, der Angelegenheit nachzugehen und den von einem Dschinn besessenen Lehrer aufzusuchen. so beginnt Rabias Suche nach Antworten, die hat etliche Stationen. Denn es stellt sich heraus, dass der Lehrer zwar krank ist, aber nicht besessen und die Schule ist aufgrund von Korruption geschlossen.

Die Suche nach den Gründen

Als macht sich Rabia auf zum Schulleiter, der zugleich der reichste Landbesitzer im dorf nahe der Metropole Karachi ist. „Manche sagen, Bildung ist ein Grundrecht. Ich glaube, es ist ein Privileg.“, belehrt der Schulleiter die junge Rabia. Wer soll denn die ganzen einfachen Arbeiten machen, wenn alle plötzlich gebildet sind? Dsas hilft Rabia nun auch nicht weiter und sie macht sich auf den Weg zur Bezirksverwaltung.

Die persisch-stämmige Regisseurin Seemab Gul nähert sich den Problemen des Bildungssystems aus der neugierigen Naiviät ihrer Hauptfigur heraus. Wenn erwachsene das sagen, gibt es auch Geister, bis Rabia dann feststellt, dass das nicht stimmt. Auf ihrer Irrfahrt und der Suche nach Wissen, geht es bisweilen kafkaesk zu und das Übernatürliche erweist sich als profan. Die Mitschüler davon zu überzeugen, dass die Schule nicht verflucht ist, erweist sich als schwierig, auch weil der dortige Lehrer Rabia wegscheucht. Später treibt der Aberglaube zerstörerische Blüten.

„Ghost School“ bleibt immer auch für ein junges Publikum nachvollziehbar und die Inszenierung von Bedrohung bleibt im altersgerechten Rahmen eines Jugendfilms. Das mag für ein erwachsenes Publikum gelegentlich etwas betulich wirken, aber die Probleme des pakistanischen Bildungssystems werden nachvollziehbar aufgezeigt. Tatsächlich benennt der Begriff der Ghost School solche Schulen, die im Grunde nur auf dem Papier bestehen, und keinen Lehrbetrieb abhalten, so wie Rabia es gerade erlebt. Stattdessen verschwinden öffentliche Gelder in unbekannten Kanälen. Die Frau des Lehrers fasst die Entwicklung schlicht zusammen: „Erst gab es eine Schule, jetzt gibt es eine Geisterschule. Ich wette sie dient schon als Stall für die Tiere.“

Irrfahrt, Odyssee, Rabia im Glück?

Pakistan ist ein Land, in dem die keine Schulpflicht herrscht und in dem folgerichtig weite Bevölkerungsteile wenig gebildet sind. Die UNESCO befindet, die Lese-und Schreibfähigkeiten der Bevölkerung seien „beunruhigend niedrig“ (nach Wikipedia zitiert). So sind mehr als die Hälfte der Frauen Pakistans Analphabeten und Schulbildung wird bei Mädchen noch eher vernachlässigt als bei Jungen. Das ist auch eine Frage von Korruption im Bildungswesen und von Reichtums- und Machtstrukturen in Pakistan.

Nachdem Rabia ein zwiespältiges Angebot erhalten hat, in der Stadt zur Schle zu gehen, wagt sich das ruhige Mädchen noch in die verlassene Schule. Dort wandelt sie durch öde gefallene Klassenräume und begibt sich spielerisch hinter das Lehrerpult um einer leeren Klasse die Geschichte einer Geisterschule zu erzählen.

Die junge Protagonistin ist in fast jeder Szene zu sehen, die Kamera folgt ihr unentwegt und das getragene Erzähltempo folgt Rabias Tagesverlauf. Besonders beeindruckend sind die Sequenzen, in denen Rabia unterwegs ist. Die Kamera bewegt sich mit ihr am Ufer des Flusses entlang, schaut mit ihr von der Ladefläche eines Pferdefuhrwerks und fängt so die Stimmung, die Landschaft und die Menschen in einem pakistanischen Dorf stimmungsvoll ein. Unterlegt werden die Momente der Bewegung mit pakistanischen Liedern. So bekommt das Publikum auch einen stimmungsvollen Einblick in das pakistanische Landleben.

Auch wenn das Drama „Ghost School“, das bei der Berlinale in der Sektion Generation lief mit dem Mitteln eines Jugendfilms und einer kindlichen Perspektive erzählt, so ist das Thema doch ein universelles und die Einblicke in die fremde Kultur sind sehr sehenswert ausgefallen.

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Ghost School
OT: Ghost School
Genre: Dama, Jugendfilm,
Länge: 88 minuten, PAK/D/UK, 2025
Regie: Seemab Gul
Schauspiel: Nazualiya Azalan, Tutu Baba, Samina Seher
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: JIP Film
Kinostart: 03.09.2026

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