Der antike Held Odysseus war eine ganze Zeit unterwegs um wieder nach Hause zu kommen. In Christopher Nolans epischer Verfilmung des Klassikers antiker Dichtung braucht das Publikum schlappe drei Stunden, um den tragischen Helden – verkörpert von Matt Damon – auf seiner Irrfahrt zu begleiten. Zu sehen im Kino ab dem 16. Juni 2026.
Uzu den am sehnlichsten erwarteten filmen des Jahres gehört auf jeden Fall auch Christopher Nolans neues Werk. Der Regisseur von „Inception“, der Batman Trilogie und von „Oppenheimer“ hat sich einen klassischen Heldenstoff vorgenommen und setzt dabei auf klassisches Filmhandwerk mit echtem Film. Es geht startbesetzt zur Sache und Nolan der auch das Drehbuch verfasste hat alle wesentlichen Elemente der Odyssee auch integriert. Und so ist „Die Odyssee“ ein toll gefilmtes und weitgehend kurzweiliges cineastisches Vergnügen. Soweit ist das nicht verwunderlich.
Mit früheren Verfilmungen der Abenteuer des Odysseus hat Nolans aktuelle Variante wenig gemein, denn wo in den Sandalenfilmen der 1950er und in ihren italienischen Abbildern vor allem die Action und die Tricktechnik bei der Inszenierung der Ungeheuer im Vordergrund stand, will Nolan seinen Helden als tragische Figur ausdeuten. Das ist durchaus auch Zeitgeist oder ein düstere Kommentar zur Gegenwart es ist aber vor allen eine Lesart der überlieferten Verse von Homer, der mensch nicht unbedingt folgen muss.
Trauerteppich und Segeltuch
Der griechische Dichter Homer gilt als einer der frühesten Dichter des Abendlands und hat mit der „Ilias“ und der Odyssee“ zwei grundlegende mythologische und literarische Schriften verfasst. In der „Ilias“ geht es um den trojanischen Krieg, der sich ewig hinzog und in dem es den Angreifern letztlich mittels einer List die Stadt Troja zu erobern. Anzuschauen auch in Wolfggang Petersens Hollywood-Verfilmung „Troja“. In der Odyssee nun wieder geht es darum, dass Odysseus, der König von Ithaka und einer der Helden im Kampf um Troja, sich nach der Schlacht mit seinen Gefolgsmännern auf den Heimweg macht, sich dabei verirrt und einige Prüfungen bestehen muss, während zuhause seine Frau von Freiern belagert wird, die es auch auf Odysseus Thron abgesehen haben.
Matt Damon verkörpert in dem starbesetzten Ensemble den geplagten Titelhelden Odysseus. Der hat maßgeblich zur Wende in der Belagerung Trojas beigetragen und nun fühlt er sich schuldig.Denndurch die List haben die Angreifer „Zeus gesetzt“ gebrochen., das besagt man solle Fremden Kost und Logis gewähren, es könnten verkleidete Götter sein. Der trojanische Hinterhalt führte das ad absurdum. Nun ist Odysseus auf Irrfahrten und der Film und Nolans Ausdeutungen legen durchaus nahe, dass das eine Strafe der Götter sein mag, oder Odysseus so ein schlechtes Gewissen hat, dass er sich nicht nach Hause traut und Buße tun will.
Monstren und Mutationen und vom Pferd erzählen
Nur zu, möchte mensch meinen – und Bildgewaltig und pfiffig wird in parallelen Strängen davon erzählt, wie es Odysseus einerseits und seiner Gattin Penelope (Anne Hathaway) und deren Sohn Telemachus (Tom Holland) wahrend jener jahrelangen Irrfahrten ergeht. So setzt der Film auf ein episodisches Erzählen, dass nicht chronologisch vonstatten geht. Das ist gelungen und dramaturgisch nachvollziehbar, wobei die altsprachlich gebildeten oder mythologisch Interessierten im Publikum ohnehin wissen, worum es geht.
Anders als in „Batman“ oder „Inception“ entfacht Christopher Nolan kein Action-Feuerwerk sondern wie in „Oppenheimer“ geht es vor allem um eine bildgewaltige Charakter- und Zeitenstudie. Dass ist bis hin zu den Personalentscheidungen in sich stimmig und folgt einer stringenten Auslegung des Klassikers. Nun ist es aber auch so, dass die 173 Minuten und auch die langen tiefsinnigen und düster gefilmten Sequenzen mit ihren profanen gegenwärtigen Dialogen auch ein gewisses Ermüdungspotential haben.
Bei all den Monstern und Schurken sind die alten Griechen zwar Heroen, aber eben keine Superhelden. So bleibt ein souveräner weitgehend sehenswerter Film, der das Publikum aber auch nicht ehrfürchtig erzittern lässt im Widerhall zyklopischer Gefräßigkeit. Die Cineasten unter uns werden sich da eher abarbeiten als die gelegentlichen Kinobesucher.
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Die Odyssee
OT: The Odyssey
Genre: Drama,
Länge: 173 Minutne, USA, 2026
Regie: Christopher Nolan
Vorlage: Versepos von Homer
Schauspiel: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway,
FSK: AB 16 Jahren
Verleih: Universal Pictures International
Kinostart: 16.07.2026

