Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm: Asche auf dein Haupt

#Sommerkino26 bei brutstatt. Filme und Texte aus dem Archiv über Reisen, Erholung, Abenteuer, Hitzewellen und Zuhausebeiben. Den Auftakt macht die Komödie „Eyjafjallajökull“ von 2013. Französische Komödien, gerade romantische, haben häufig eine Neigung zu hysterischen Slapstick, das ist auch in der Langfilmdebut von Alexandre Coffre nicht anders. Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull legt den Flugverkehr lahm und geschiedenes Ehepaar quer durch Europa. Das Road-Movie kann sich dabei voll auf seine beiden Hauptdarsteller verlassen: Frankreichs Comedy-Star Dany Boon und Valérie Bonneton, die ein überdrehtes zickiges Ex-Paar abgeben.

Wenn die eigene Tochter heiratet, ist das für Eltern auch ein großes Ereignis. Mutter Valérie (Valérie Bonneton) sitzt also im Flugzeug von Paris nach Korfu und nimmt ein „Video-Tagebuch der Brautmutter“ auf. Dabei passt es ihr eigentlich nicht, dass ihre Kleine der erstbesten Griechen vor den Altar zerrt. Ganz anders der Papa Alain (Dany Boon), der als Fahrlehrer inzwischen einen neue Familie hat. Es ist nicht verwunderlich, dass beide im selben Flieger sitzen und sich schon bald über den Weg laufen. Doch dann zwingt die Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull die Maschine zu einer Landung in München. Bis auf weiteres geht kein Flieger mehr und die Brauteltern sitzen fest.

Mit einigem Gequengel gelingt es Alain den VIP-Porsche einer Autovermietung zu ergattern. Während er noch Onkel Roger (Albert Delphy) und zwei Freunde seiner Tochter Camille einladen will, hat Valerie die Mitfahrgelegenheit auch schon erspäht. Es dauert nicht lange und das ehemalige Paar, das sich kurz nach Geburt der Tochter im gegenseitigen Hass getrennt hat, geht sich wieder an die Kehlen. Aber bis nach Griechenland sind noch einige Unwägbarkeiten zu überwinden und schließlich hat Valérie noch ihr Brautkleid für das Töchterchen dabei.

Auf dem Weg zur Hochzeitsfeier

Regisseur Alexandre Coffre lässt es in seinem ersten Spielfilm ganz schön krachen und es geht nicht nur der Leihporsche zu Bruch, sondern auch noch andere Transportvehikel. Das Road Movie vermischt auf irgendwie typisch französische Art und Weise die romantische, von Hass und gegenseitiger Attraktion geprägte Beziehung zwischen den Protagonisten mit einigen absurden und überspitzten Etappen dieser Tour durch Europa.

Sowohl Dramaturgie als auch viele der Gags sind absehbar, wenn auch souverän inszeniert und immer noch reflexartig lustig. Slapstick und Schadenfreude sind eben einfach nicht kleinzukriegen. Einiges ist infantil lustig, wie etwa die Übernachtung in der österreichischen Bergpension, anderes so absurd überdreht, wie das Jesusmobil, dass es die Zuschauer schlicht überrollt. Eine rundheraus gelungene Komödie macht das allein allerdings noch lange nicht. Dazu ist die Inszenierung einfach zu harmlos und auch zu überschaubar ausgefallen. Vor allem die Filmmusik kann nicht immer überzeugen, wenn gleich sie im Jesusmobil grandios eingesetzt ist. Aber einige dramaturgische Wendungen werden durch die kitschige und auch klischeebelastete Musik vorschnell eingeleitet und so wird etwa der „Wendepunkt“ des Films komplett verschenkt. Die schmale Grundhandlung hingegen ist für eine Slapstick-Komödie absolut ausreichend.

Turbulenter Slapstick mit französischen Stars

Dabei macht Dany Boon, was man von ihm kennt und erwartet und kommt auf den ersten Blick mal wieder als Durchschnittstyp daher, der dann aber doch seine Qualitäten und auch seine Macken zeigt. In Valérie Bonneton („Kleine wahre Lügen“, „Super-Hypochonder“) findet er eine ebenbürtige Partnerin, die ziemlich schnell als hysterische Zicke etabliert ist und sich von Filmbeginn an in der Rolle der überspannten, erfolgreichen und ach so lebensfrohen Single-Frau wohlfühlt.

Der Schlagabtausch zwischen den beiden trägt den Film und strahlt deutlich mehr Energie aus als die Paarung Diane Krüger und Dany Boon in „Der nächste bitte“ (2012“) und auch mehr Witz als Boon zusammen mit Sophie Marceau in „Auf der anderen Seite des Bettes“ auf die Leinwand zaubern konnte. Wenn Boon sich als Regisseur selbst inszeniert, wie etwa in „Willkommen bei den Sch‘tis“, „Nichts zu verzollen“ oder auch jüngst in „Super Hypochonder“ erreicht sein charakteristischer Humor noch eine andere Ebene, die nicht immer zu finden ist, wenn der Komiker als Schauspieler auf der Basis anderer Leute Drehbücher und Inszenierungen zu sehen ist.

Letztlich ist „Eyjafjallajökull – der unaussprechliche Vulkanfilm“ eine ziemlich typische überdrehte französische Sommerkomödie, die weitgehend zu unterhalten weiß, aber ebenso schnell wieder aus dem Kopf verschwindet wie die Aschewolke des Vulkans den Luftverkehr 2010 lahmlegte.

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Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm
OT: Eyjafjallajökull
Genre: Komödie, Romanze
Länge: 93 Minuten, F, 2013
Regie: Alexandre Coffre
Schauspiel: Valérie Bonneton, Danny Boon,
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Leonine
Kinostart: 31.07.2014
DVD-& BD-VÖ: 12.12.2014

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