13Suns – Särge, Erde, Damen & Herren: Album Review

Eine flotte halbe Stunde dauert der Streifzug durch die Alternative Rockmusik der Dresdener Band 13Suns. Dabei kommt die geneigte Hörerschaft sich schon vor wie bei auf einem werbefinanzierten Radiosender aus den Wildwesttagen der Privatsender. Frei nach dem Motto das Beste der 80er, 90er und der 2000er Rock Alternative. Das Band-Debüt „Särge, Erde, Damen & Herren“ erschien im Mai bei Krakenduft Records.

„Särge, Erde, Damen & Herren“ scheint ein arg knappe Zusammenfassung einer Bestattung zu sein und ist beileibe nicht die erste Begegnung mit 13Suns, die mich mit ihrer Zusammenschreibung bereits bei der Veröffentlichung der EP von Ende 2024 verwirrten. Auch das neue Album verwirrt mich. Dabei machen die vier Herren mittleren Alters von 13Suns eigentlich ziemlich vieles richtig. Dargeboten wird melodischer, gitarrenlastiger Powerpop in unterschiedlichen Ausprägungen.

Mal geht’s etwas stoner-rockliger zu, dann wieder powerpoppig und bisweilen fühlt sich der Rezensent an klassischen AOR erinnert. Daran ist wenig verwerflich und die Songs im einzelnen wissen handwerklich und kompositorisch auch zu gefallen. Dass ist so eingängig und melodisch, dass es ins Ohr geht wie das Publikum auf einem Stadtfest wohl erwarten mag. Immerhin kokettieren 13Suns mit diesem Appeal.

Die stummen Gesänge der Höhlenzikaden

Und dann wäre da noch das Artwork des Albums, das mit seinen Strichzeichnungen irgendwo zwischen „Revolver“ von den Beatles und einer visuellen Black Metal Verballhornung angesiedelt ist. Das wirkt schon konzept-kompatibel. So auch die deutschen Titel, wobei auf der Platte nur in englisch gesungen wird. Das wirkt in meinem kleiner Anschauung alles ganz erheblich ausgestellt. Sozusagen als komplett übersteigerte Distinktionsmerkmale.

Was muss denn da abgegrenzt werden, fragt sich der kleine Purist? Möglicherweise gibt „The Gimp is dead“ Aufschluss. Der Song gehört zu den längeren im Repertoire, wurde als flotte Video/Single ausgekoppelt und zeigt in selbigen einen einsam tanzenden Lederfetischisten auf einem Darkroom-Tanzboden. Die Produzenten haben es nicht geschafft, bei der Vorab-Veröffentlichung die Album-Ankündigung aus der Bildmitte zu entfernen, so dass die Dance-Moves immer überlagert sind, fast so, als solle da niemand zu genau hingucken.

Fast so als solle da niemand so genau hinhören. Denn der melodische Songauftakt geht in einen hymnischen Midtemposong über, dessen gefällige Melodie so zeitlos ist, dass sie ebenso auf Psychedelica aus den 60ern, Folkrock aus den 70ern oder Dark Wave aus den 80ern passt. Nur kann sich die Band eben nicht für ein Soundgerüst entscheiden, so dass es in schwülstigem Mainstream-Rock wabert und in einem Powerfinale endet. Das geht oberflächlich betrachtet und nebenbei gehört solide durch, aber ich komme nicht mit auf diesen Trip.

Gefällig und handwerklich gerüstet hauen 13Suns ihre Songs und ihr Album unter die feierbereite Hörerschaft. Das hat wahrscheinlich seinen Reiz, aber mir erschließt sich das in seinem überbordenden Eklektizismus nicht wirklich. Bisweilen macht es mich aggressiv. Da wundert’s wenig, das „Attacking People at Venice Beach“ mein Anspieltipp ist, falls euch der Samba und das Ibuprofen ausgegangen sind. Viel Glück trotzdem auf einer Parallelwelt mit 13 Sonnen.

5 von 10

13Suns – Erde, Särge, Damen & Herren
Genre. Power Pop, Alternative Rock
Interpret: 13Suns
Länge: 32 Minuten, D, 2026
Label: Krakenduft
Vertrieb: Broken Silence
Format: Vinyl, Digital,
VÖ: 02.05.2026

13Suns Homepage

Krakenduft

13 Suns bei Bandcamp

Schreibe einen Kommentar