
„Kneipenpsych“ nennt die Band Go Mahhh selbst ihre Musik und macht damit seit 2022 die Berliner Szene unsicher. Nun hat sich das findige Kreuzberger Label Noisolution die die internationale Horde gekrallt und deren Musik auf Tonträger gebannt. Das Debutalbum „Doppelgänger“ sieht in Sachen Covergestaltung ebenso kitschig wie knallig aus und spiegelt auch den wilden Ansatz des gemeinsamen Musizierens wieder. Veröffentlicht Ende Mai in allen gängigen Formaten. Wessen Doppelgänger?
Mit Durchzappen wird das musikalische Trüffelschwein hier nicht fündig. Denn so erschließt sich die Magie von Go Mahhh nicht wirklich. Der Albumauftakt mit „High Mountain“ beginnt typisch. In gemäßigtem Tempo wird Psychedelic Rock nach Retro-Sound vorgetragen. Da kommt dann schon mal die Frage auf, was das denn heute soll? Und als wäre es der Band selbst zu langweilig, frickelt da einer an der Temposchraube und nach knapp zwei Minuten geht’s in rasendem Galopp weiter durch die gesungen Strophe. Da ist eine:r hoch wie ein Berg und hat auch das Zeitgefühl verloren. Es folgt zweierlei Gitarrengegniedel und dann groovt sich „High Mountain“ rumpelig bis zum furiosen Finale.
Go Mahhh also. Laut Bandinfo haben sich da (zunächst) drei internationale Wahlberliner getroffen um gemeinsam Musik zu machen. Man versteht sich als Band nicht als Kollektiv und auf der aktuellen Bandtapete sind vier Köpfe abgebildet, auf Album aber mindestens 5 Wiederholungstäter mit weiteren Kollaboraturen unterwegs. Gleichviel, der Kneipenpsych geht ab und macht Spaß. Der Bandname erschließt sich mir nicht, aber auf der früheren EP der Band gibt’s einen Song der „Feeling Go Maith“ betitelt ist. Maith scheint irisch (Gälisch?); zu sein für „gut“, es scheint also darum zu gehen sich gut zu fühlen, was die Band definitiv tut und mit ihr das Publikum, denn diese Musik ist für die Bühne und das gemeinsame Fest gemacht.
Abner zurück zum Bandnamen, da sind auch Südamerikaner involviert und möglicherweise, eventuell unter Einfluss von Substanzen wurde aus Maith dann die Verballhornung mahhh. Go Mahhh kann lautmalerisch auch als übertriebenes In- und Exhalationsgeräusch im THC-Bereich veralbert worden sein. Es bleibt fraglich… Immerhin aber legen Text und Video zu „Blood Transfusion“ nahe, dass die Band aus Feierbiestern besteht. Auch der Promotext erzählt von gemeinsamem Grillen mit Freund:innen auf dem Tempelhofer Flugfeld und der musikalischen Huldigung von Black Sabbath; Birminghams best. Wobei ich nun wieder einwerfen würde, dass auch Napalm Death aus Birmingham kommen und auf ihre Weise und freundlich am Thron der Doomlegende nagen.
Ich schweife ab und ich muss los. Also: „Doppelgänger“ liefert in rund 40 Minuten einen leicht hysterischen Ansatz zu altbekanntem Kraut und Psychedelic Rock der Goldenen Ära der Rockmusik. Das kommt nur selten in Gefilde, die an Früher erinnern, was auch daran liegt, dass Go Mahhh so eine Punk-Attitüde haben, die sich selbst bei aller musikalischen Fertigkeit nicht allzu ernst nimmt. Sicherlich sind viele der musikalischen Elemente nicht neu und in der Psychedelic Szene klingt vieles ein bisschen ähnlich, aber Go Mahhh haben da ihren Sound und ihre Nische gefunden. Da wird mit Feier- und Feuereifer und humoriger Attitüde musiziert und großartig unterhalten. „Sun King, Falling into Space, Man’s eternal Race, Inhalation.“ Noch Frangen?
Herausragend sind tatsächlich die beiden Gitarren, die großartig zusammen rocken. Großartig ist auch der experimentierfreudige Einsatz extrovertierter Instrumente wie die Flöte in „Blood Transfusion“. Was mir ebenfalls arg gefällt ist die Heavyness, die im Groove und in Riffing nie fehlt. Bei „Anatoliosis“ fühle ich mich tatsächlich auch ein bisschen an die Stoner Rocker von Samavayo erinnert. Dann lugen wieder Sabbath hervor oder es gibt einen Proto-doomigen Riff-Galopp, der fast Iron Maiden Qualitäten hätte, käme er im Heavy Metal Sound daher. Tut er aber nicht: es sind Go Mahhh die ihren Kneipenpsych kredenzen. Ich nehm noch eins!
Überschwängliches Rocken zahlt sich aus. So können Go Mahhh aus Berlin mit altbekannten Zutaten des Kraut und Pschedelic-Rock doch noch ein eigenes Süppchen kochen. Und es ist verdammt gut gewürzt. Spice your Psych with Go Mahhh.
7 von 10
Go Mahhh – Doppelgänger
Genre: Pychedelic Rock, Protodoom, Krautrock
Länge: 39 Minuten, D, 2026
Interpret: Go Mahhh
Label: Noisolution Records
Vertrieb: Edel
Format: Digital, CD, Vinyl
VÖ: 29.05.2026
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Noisolution Records mit Go Mahhh
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