Von Menschen und Göttern: Mönche der strengeren Observanz

Die aktuelle Weltlage schlägt mir nicht erst seit gestern auf den Magen. Daher präsentiert brutstatt.de in loser Folge Filmreviews aus dem Archiv, die sich unter dem Motto #WeltImKrieg mit Konflikten und ihren Folgen beschäftigen. Heute mit dem ruhigen französichen Drama „Von Menschen und Göttern“ von 2011 über ein Trapistenkloster in Algerien. Der Text entstand zum Home-Entertainment-Start 2011.

Im Jahr 1996 steckt die ehemalige französische Kolonie Algerien mitten in einem Bürgerkrieg zwischen der Regierung und islamischen Gruppierungen. Die Konflikte nehmen zu und die Gewalt eskaliert immer häufiger. Seit Jahrzehnten besteht in der Abgeschiedenheit das Trappisten-Kloster Notre Dame d’ Atlas im Atlasgebirge. Die kleine Gemeinschaft von Mönchen lebt zwar in Abgeschiedenheit und Kontemplation, aber für die Dorfgemeinschaft und die Region sind die Mönche ein wichtiger Bestandteil. In friedlicher Koexistenz übernehmen die Trappisten unter anderem die medizinische Versorgung der Umgebung und geben der Landbevölkerung praktische Hilfestellung, wo immer es notwendig ist.

Doch der Bürgerkrieg kommt auch der gebirgigen Abgeschiedenheit immer näher und so beginnen die Mönche um ihre Sicherheit zu fürchten. Es entsteht in der Glaubensgemeinschaft eine Debatte über den Fortbestand des Klosters. Als die Regierung militärischen Schutz anbietet, lehnen die Mönche das ab. Doch nicht nur die Dorfbewohner, auch die fundamentalislamischen Regierungsgegner greifen auf die medizinische Versorgung der Mönche zurück. Dadurch geraten die Trappisten immer tiefer in zwischen die Fronten.

Bürgerkrieg in Algerien

Während beide Konfliktparteien versuchen, die französischen Mönche zu instrumentalisieren, ist die Gemeinschaft noch immer nicht im Klaren, ob sie das Kloster, die liebgewonnenen Wahlheimat, verlassen soll. Schließlich entscheiden sich die Mönche zu bleiben, auch weil sie es als ihre Pflicht im Glauben und gegenüber den Menschen der Region empfinden. Nach einer Entführung durch islamische Rebellen finden fast alle Trappisten-Mönche des Klosters Notre Dame d’Atlas auf ungeklärte Weise den gewaltsamen Tod.

Xavier Beauvois‘ Film „Von Menschen und Göttern“ schafft es mit angemessen ruhigen und beinahe kontemplativen Bildern das Bild einer kleinen Glaubensgemeinschaft zu zeichnen, deren Grundfeste durch die Umstände erschüttert werden. Mit klugen Szenen, großartigen Schauspieler und pointierten Dialogen bringt Beauvois das Dilemma auf den Punkt und veranschaulicht den Entscheidungsprozess der Mönche, die trotz ihrer Berufung auch Menschen sind und Ängste und Zweifel verspüren. Das allein ist sehenswert und großartig auf dem Punkt gebracht.

Ein Kloster zwischen den Fronten

Doch auch das alltägliche Miteinander und die selbstverständliche gegenseitige Toleranz und Akzeptanz zwischen den islamischen Einheimischen und den christlichen, dazu noch französischen –als ehemaligen Kolonialherren – Mönchen wird mit einfachen aber wirkungsvollen und lebensnahen Szenen geschildert. Dieses Miteinander wird auch von der hereinbrechenden willkürlichen Gewalt nicht erschüttert. Auf kluge Weise zeigt der Film aber auch, wie schwer sich die beiden Konfliktparteien des algerischen Bürgerkriegs mit dieser Situation tun. Auf unterschiedliche Weise ist es sowohl den Rebellen als auch der Regierung die Existenz des Klosters ein Dorn im Auge.

Eine kleine französische Klostergemeinschaft gerät zwischen die Fronten des algerischen Bürgerkriegs. Nach wahren Begebenheiten erzählt das einfühlsame und ruhige Drama „Von Menschen und Göttern“ die tragische Geschichte der Trappistenmönche von Tibhirine. Und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum interreligiösen Dialog. „Von Menschen und Göttern“ ist im Wesentlichen ein ruhiger Film, der die Situation der Mönche einfühlsam darstellt und mit den Ritualen und Gesängen behutsam Atmosphäre aufbaut. Im Kontrast dazu wirkt die Unruhe der Gesamtsituation an sich schon beinahe gewalttätig.

„Von Menschen und Göttern“ erzählt zwar eine wahre Geschichte, ist aber eine großartige Parabel. Filmisch gelingt es Regisseur Xavier Beauvois ein vielschichtiges Drama zu erzählen, das nicht weniger zum Inhalt hat als eben diese Menschen und Götter. Ein ebenso wichtiger wie gelungener Film.

8

Von Menschen und Göttern
OT: Des Hommes et des Dieux
Genre: Drama, Historie
Länge: 122 Minuten, F, 2010
Regie: Xavier Beauvois
Schauspiel: Lambert Wilson, Olivier Rabourdin, Michael Lonsdale,
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Warner Home Video
Kinostart: 16.12.2020
DVD- & BD-VÖ: 16.09.2011

Schreibe einen Kommentar