Wer sich für das geschriebene Wort, für Literatur, interessiert, kommt an dieser Doku über die Schriftstellerin Siri Hustvedt kaum vorbei. Die Filmmacherin Sabine Lidl hat Siri Hustvedt und ihren 2024 verstorbenen Ehemann Paul Auster über Jahre hinweg begleitet. „Dance Around the Self“ ist genau das – ein Tanz um eine große Frau. Im Kino ab dem 2. April 2026.
Bereits mit 13 Jahren beschließt die jüngste Tochter norwegischer Einwanderer in Minnesota Schriftstellerin zu werden. Jahre später macht sie sich auf den Weg nach New York um dort zu studieren und zu schreiben. Sie macht sich auf „um ihren Helden /ihre Heldin“ zu finden. Bis zu ihrem Debütroman passiert aber noch einiges und sie begegnet dem Autor Paul Auster.
Die beiden werden ein Paar und sind bis zu Austers Tod im Jahr 2024 zusammen. Auch um den Verlust des „Lebensmenschen“ irgendwie zu fassen, beginnt Siri Hustvedt einen neuen Manuskript: „Ghost Stories – Ein Buch der Erinnerung“. „Ghost Stories“ erschien im März beim Rowohlt Verlag.
Und so ziehen sich die Bücher von Siri Hustvedt als roter Faden durch dieses filmische Porträt. Im Wesentlichen bewegt sich die Erinnerung und auch die filmische Erzählung chronologisch durch das Leben weltberühmten Autorin und Kämpferin für Frauenrechte. Zwischendurch gibt es immer wieder Exkurse; etwa in das Verhältnis der vier Hustvedt-Schwestern, von denen Siri die jüngste ist. Oder auch in die nicht immer einfache akademische Beziehung zum Vater.
„In der Bibliothek hatte ich Flügel“
Angereichtert wird die Doku auch um Spielszenen, in denen die junge Siri in New York nachgestellt wird, und um animierte Zeichnungen. Denn Siri Hustvedt ist nicht nur Autorin, sondern zeichnet auch lebenslang. Ebenso wie sie sich immer wieder mit der Wissenschaft und Medizin auseinandersetzt. Ein wesentlicher Impuls dabei ist ihre eigene körperliche Verfassung. Zeit ihres Lebens leidet die Autorin unter unerklärlichen Zitterattacken.
Immer wieder verschwimmen in Siri Hustvedts Werk die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Oder anders formuliert, ihre Kunst ist nahe am eigenen Erleben; und damit auch ebenso konkret wie abstrakt. Häufig genug muss die Schriftstellerin sich auch dazu erklären, ebenso wie sie oft genug auch „nur“ als Frau an der Seite Paul Austers wahrgenommen wurde. Die Ehe hätte nie so lange gehalten, hätten die beiden Literaten das zwischen sich zugelassen.
Die Frau im rosa Pullover
Und doch ist da diese große Lücke, die auch der konstante Fluss und Wandel im Leben nicht verstecken kann. Daher ist „Dance Around the Self“ auch ein Film über das gemeinsame Leben des Autorenpaares. Und Paul Auster kommt ebenso im Film zu Wort wie er auch das Schaffen seiner Gattin beeinflusst. Kreativität ist keine Gabe, sie ist eine Einstellung zum Leben und dem Umgang mit der Existenz.
Die Filmmacherin Sabine Lidl hat das Ehepaar 2016 kennengelernt. 2018 entstand als TV-Doku ein Porträt über Paul Auster. „Paul Auster – Was wäre wenn“ legt den Fokus eher auf die aktuellen, politischen Gegebenheiten in den USA. Seither begleitetet die Regisseurin das Paar immer wieder mit der Kamera. Das Vertrauen Siri Hustvedts in den Blick der Kamera ist im Film spürbar und ermöglicht ein sehr persönliches und sehr offenes Porträt. Das ist in seiner fließenden essayistischen Form schon eine Ausnahmeerscheinung.
„Siri Hustvedt – Dance Around the Self“ ist ein herausragendes Künstlerporträt. Und es gibt interessante Einblicke in den Autorenalltag. Doch vor allem anderen ist das Filmporträt eine wunderbar fließende, vielschichtige Begegnung mit einer starken, selbstbewussten und engagierten Künstlerin und Frau.
Siri Hustvedt – Dance Around The Self
OT: Siri Hustvedt – Dance Around The Self
Genre: Doku, Biografie
Länge: 110 Minuten, D/CH, 2026
Regie: Sabine Lidl
FSK: nicht geprüft
Verleih: X-Verleih
Kinostart: 02.04.2026
offizielle Filmseite
Ghost Stories bei Rowohlt
Siri Huvstedt Homepage




